Final Fantasy Tactics: The Ivalice Chronicles steht kurz davor, zur endgültigen Ausgabe eines der legendärsten Taktik-Rollenspiele aller Zeiten zu werden. Ursprünglich 1997 auf der PlayStation erschienen, nahm Final Fantasy Tactics schon immer eine Sonderstellung innerhalb der Reihe von Square Enix ein. Es war kein Hauptteil der Serie, doch dank des ausgefeilten Job-Systems, der strategischen Tiefe und der dichten, politischen Handlung entwickelte es sich zu einem Kultklassiker. 
Nun, fast drei Jahrzehnte später, erfüllt sich endlich der Traum vieler Fans: eine moderne Version, die den Klassiker nicht nur neu auflegt, sondern ihm neues Leben einhaucht. Auf der Gamescom konnte ich eine Stunde in die Remaster-Version eintauchen – und schon jetzt ist klar, dass hier Großes bevorsteht.
Die ikonische Eröffnungsszene, nun vollständig vertont, sorgte sofort für Gänsehaut. Nostalgie pur – aber das Projekt verlässt sich nicht nur auf alte Gefühle. Mit The Ivalice Chronicles verfolgt Square Enix das Ziel, ein Werk zu schaffen, das gleichermaßen respektvoll gegenüber dem Original und attraktiv für neue Spieler ist. Zwei Spielmodi stehen zur Auswahl: Klassisch, das die Optik und Mechaniken der 90er Jahre weitgehend erhält, und Erweitert, das mit moderner Grafik, überarbeitetem Interface und Komfortfunktionen wie Kampf-Beschleunigung daherkommt. Natürlich habe ich die erweiterte Variante ausprobiert – und war sofort überzeugt.
Der erste Kampf im Orbonne-Kloster demonstrierte die Verbesserungen eindrucksvoll. Das Interface ist klar, elegant und zugleich funktional. Die Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu erhöhen, macht die an sich gemächlichen Taktik-Kämpfe dynamischer, ohne ihre Tiefe zu schmälern. Besonders gelungen: die Sprachausgabe. Neben den Hauptfiguren wie Ramza oder Delita verfügen sogar generische Einheiten über eigene Rufe und Zaubersprüche, die sie lebendiger wirken lassen. Kleine Details – große Wirkung.
Die Texte basieren auf der gefeierten Übersetzung von Alexander O. Smith aus der PSP-Version War of the Lions. Die Sprache wirkt mittelalterlich-gehoben, zugleich flüssig und verständlich. Manche legendären Zeilen fehlen – wie Delitas berühmtes „Blame yourself or God“ –, doch die Dialoge sind insgesamt runder, stimmungsvoller und besser in die Welt von Ivalice eingebettet.
Ein besonderes Highlight war die Schlacht an den Zeirchele-Fällen zu Beginn von Kapitel 2. Diese Mission, in der man Prinzessin Ovelia beschützen muss, ist ein Klassiker. Durch meine jahrelange Erfahrung wusste ich zwar genau, wo die Gegner stehen, doch die strategische Tiefe blieb erhalten. Mit einem Bogenschützen und einem Zeitmagier konnte ich das Feld problemlos kontrollieren. Besonders positiv fiel mir auf, dass das Sammeln von Job-Punkten (JP) sinnvoller ausbalanciert wurde. Mit der Fähigkeit JP Up kommt man schneller voran, ohne ins endlose Grinding abzurutschen – was mehr Raum für kreative Team-Zusammenstellungen lässt.
Auch hier sorgte die Sprachausgabe für Emotionen: Zaubersprüche wurden lautstark beschworen, Dialoge intensivierten die Atmosphäre. Es fühlte sich fast wie eine Bühneninszenierung an, bei der jedes Gefecht mehr Bedeutung bekommt. Ich bin überzeugt, dass spätere, dramatische Szenen dank dieser Umsetzung noch stärker wirken werden.
Was mich besonders beeindruckte, war die Balance zwischen Tradition und Moderne. Das Herzstück – das Job-System, die strategische Progression, die befriedigende Teamgestaltung – bleibt unverändert. Doch gleichzeitig beseitigen moderne Anpassungen alte Schwächen: schnellere Animationen, klarere Menüs, eine packende Präsentation. Dieses Remaster ist keine bloße technische Aufbereitung, sondern eine echte Neuinterpretation, die den Klassiker fit für 2025 macht.
Allerdings enthält The Ivalice Chronicles nicht die Zusatzinhalte der PSP- und Mobile-Version War of the Lions, wie exklusive Jobs oder Nebenquests. Manche Fans werden dies bedauern, doch es wirkt wie eine bewusste Entscheidung: lieber das Kernspiel perfektionieren, statt es mit fragwürdigem Zusatzmaterial zu überfrachten. Und genau deshalb hat diese Fassung das Potenzial, zur endgültigen Edition zu werden.
Der Release steht unmittelbar bevor: am 30. September erscheint Final Fantasy Tactics: The Ivalice Chronicles für PC, PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series X|S sowie für die Nintendo Switch und die neue Switch 2. Damit wird das Epos um Ramza, Delita und den Krieg der Löwen für Veteranen und Neueinsteiger gleichermaßen zugänglich.
Für mich war das Anspielen wie ein Wiedersehen mit einem alten Freund. Dieses Remaster ist keine reine Nostalgie, sondern die Chance, eine der besten Geschichten im Taktik-RPG-Genre in einer Form zu erleben, die ihr schon immer gebührte. Wenn schon die Demo so begeistern konnte, dann verspreche ich mir von der Vollversion ein echtes Meisterwerk.
4 kommentare
auf der switch absolut perfekt zum unterwegs zocken
synchro klingt echt überraschend gut
day-one-kauf, keine frage
kapitel 3 wird wieder alle noobs zerstören 😂