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Exit 8: Japanischer Horrorfilm spaltet Publikum mit Tsunami-Szene

von ytools
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Exit 8, die Realverfilmung des gleichnamigen japanischen Indie-Horrorspiels, hat Ende August 2025 in Japan für volle Kinosäle gesorgt – und gleichzeitig für einen Sturm der Entrüstung. Der Film startete am 29. August und landete prompt den erfolgreichsten Realfilm-Start des Jahres.
Exit 8: Japanischer Horrorfilm spaltet Publikum mit Tsunami-Szene
Doch eine extrem realistische Tsunami-Szene brachte sofort Diskussionen ins Rollen. Besonders umstritten war zudem, dass das Produktionsteam erst drei Tage nach Kinostart eine offizielle Triggerwarnung veröffentlichte.

Das ursprüngliche Spiel, das im November 2023 auf Steam erschien, überzeugte mit minimalistischer Mechanik und intensiver Atmosphäre. Spieler befinden sich in einer endlosen U-Bahn-Passage und müssen „Anomalien“ erkennen, um von Ausgang 0 bis zum schwer erreichbaren Ausgang 8 zu gelangen. Jede richtige Entscheidung bringt sie einen Schritt weiter, jeder Fehler setzt sie zurück an den Anfang. Diese Mischung aus einfacher Idee und subtiler Bedrohung machte das Spiel zu einem Hit bei Streamern. Schon bald folgten Konsolen-Versionen und sogar ein VR-Ableger.

Die Filmversion greift diese Grundidee auf, entwickelt sie aber psychologisch weiter. Kazunari Ninomiya, früher Mitglied der Boyband Arashi und inzwischen einer der bekanntesten japanischen Schauspieler, verkörpert den namenlosen Protagonisten: einen Asthmatiker, gefangen in der Routine des Pendlerdaseins, überfordert von der Aussicht, Vater zu werden. Wie in der Vorlage irrt er durch die immer gleichen Korridore, gezwungen, das Normale vom Unheimlichen zu unterscheiden, um schließlich den Ausgang zu erreichen. Doch die Leinwandfassung legt den Fokus stärker auf Themen wie gesellschaftliche Gleichgültigkeit, die Entfremdung durch Smartphones und die innere Leere des modernen Großstadtlebens.

Die Umsetzung bleibt der Vorlage treu: sterile weiße Fliesen, grelles Neonlicht, wortlose Gestalten, die wie NPCs durch den Gang wandern, und kryptische Plakate. Manche Anomalien sind aus dem Spiel bekannt, andere exklusiv für den Film neu erdacht – inklusive einer Anspielung, die Fans von Klassikern wie Parasite Eve begeistert. Der gesamte Schauplatz wirkt klaustrophobisch und drückt von Anfang bis Ende.

Für die größte Kontroverse sorgt jedoch die Tsunami-Sequenz. Anders als die eher symbolische rote Welle im Spiel – ein augenzwinkernder Verweis auf The Shining – zeigt der Film eine Naturkatastrophe in erschreckender Authentizität. Schlammiges Wasser, voll Schutt und Trümmern, bricht in die Tunnel ein, überflutet alles in Sekunden. In einer zentralen Szene kämpft der Protagonist darum, einen Jungen zu retten, setzt ihn schließlich auf ein Leuchtschild unter der Decke – während die Kamera eindringlich auf dem Bild des Kindes verweilt, zusammengerollt wie ein Fötus im Chaos. Das wirkt weniger wie Horror-Fiktion, sondern wie ein Wiedererleben realer Tragödien.

Am 1. September, drei Tage nach dem Kinostart, warnte der offizielle X-Account des Films erstmals vor möglichen traumatischen Erinnerungen durch diese Sequenz. Vielen war das viel zu spät. Japanische Medien wie Yahoo! Japan und J-CAST zitierten empörte Besucher: „Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich nicht gegangen“ oder „So ein Hinweis gehört am ersten Tag dazu“. Gleichzeitig wurde die Altersfreigabe G („freigegeben für alle Altersgruppen“) von der Prüfbehörde Eirin in Frage gestellt: Wie konnte ein Film mit solch drastischen Szenen überhaupt diese Einstufung erhalten?

Hintergrund der Kritik ist die kollektive Erinnerung: Das Erdbeben und der Tsunami von 2011 in Tohoku, bei dem fast 20.000 Menschen starben, sind tief ins nationale Gedächtnis eingebrannt. Für Betroffene sind Darstellungen des Ertrinkens nicht bloß ein dramaturgisches Element, sondern ein Schmerzpunkt. Manche jüngere Zuschauer empfanden die Aufregung als überzogen und hielten die Szene für „typisch Horror“. Andere betonten, dass man hier klar Grenzen überschritten habe. Ein Kinogänger meinte: „Wer das Spiel kennt, ist unvorbereitet – die Filmversion ist mindestens 500-mal realistischer.“

Den Kassenerfolg stoppte die Debatte allerdings nicht. Die Prominenz von Ninomiya, der Hype um das Spiel und eine massive Werbekampagne sorgten für volle Säle. International lief Exit 8 bereits auf Festivals wie Cannes. Im August sicherte sich die US-Firma Neon die Rechte, ein Kinostart in Nordamerika ist für 2026 geplant. Dort dürfte die Szene weniger kontrovers aufgenommen werden – eher als Metapher für moderne Ängste oder als eindrucksvolles Horror-Highlight.

Am Ende ist Exit 8 mehr als nur eine Videospiel-Adaption. Der Film hat eine Debatte entfacht über künstlerische Freiheit, kulturelle Verantwortung und die Frage, ob Warnhinweise die Wirkung von Kunst schmälern oder ob sie notwendig sind, um Rücksicht zu nehmen. Sicher ist: Exit 8 wird nicht so schnell vergessen. Wie die endlosen Korridore seiner Geschichte wiederholt sich auch die Diskussion, immer wieder mit neuen Blickwinkeln auf das Verhältnis von Fiktion, Trauma und Unterhaltung.

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1 kommentar

TechBro91 December 23, 2025 - 12:35 pm

Film war top, aber nach der Szene war mir schlecht

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