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Ducati-Demo: QuantumScape bringt Festkörperbatterien auf die Bühne

von ytools
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Die vielbeschworene Revolution der Festkörperbatterien scheint endlich Realität zu werden. QuantumScape (QS), ein in Kalifornien ansässiges Unternehmen, das seit Jahren als Hoffnungsträger für die nächste Batteriegeneration gilt, hat bei der IAA Mobility in München für Aufsehen gesorgt. Dort präsentierte man erstmals eine Ducati-Rennmaschine mit den eigenen Zellen – ein greifbarer Beweis dafür, dass die Technologie nicht mehr nur im Labor existiert.

Das Besondere an den Zellen von QuantumScape ist der Verzicht auf einen klassischen Anodenaufbau.
Ducati-Demo: QuantumScape bringt Festkörperbatterien auf die Bühne
Stattdessen bildet sich ein Lithium-Metall-Anode erst beim ersten Ladevorgang von selbst. Dieses Design vereinfacht die Herstellung erheblich und eliminiert zugleich eine der größten Schwachstellen herkömmlicher Systeme. Hinzu kommt ein keramischer Separator, der das gefürchtete Wachstum von Dendriten verhindert – winzige nadelartige Strukturen, die Zellen durchbohren und Kurzschlüsse verursachen können. Damit adressiert QuantumScape gleich zwei der zentralen Hürden: Sicherheit und Produktionsfähigkeit.

In Kooperation mit Volkswagens Batterietochter PowerCo SE wurde die Technologie in einer Ducati V21L demonstriert. Die Leistungsdaten sorgten für Schlagzeilen: Energiedichte von 844 Wh/L, Laden von 10% auf 80% in etwas mehr als 12 Minuten sowie eine kontinuierliche Entladung mit 10C – Werte, die auch unter Rennbedingungen überzeugen. Sollten sich diese Zahlen im Produktionsmaßstab bestätigen, könnten sie das Bild von Elektromobilität grundlegend verändern, vom Motorrad bis hin zu Alltagsgeräten.

Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung des Cobra-Prozesses in die Fertigung. Dieses kontinuierliche, hocheffiziente Verfahren zur Herstellung der keramischen Separatoren ist entscheidend, um die Produktion auf industrielles Niveau zu heben. Kritiker hatten QuantumScape in der Vergangenheit vorgeworfen, zu viel zu versprechen. Doch mit diesem Schritt zeigt das Unternehmen, dass es konkrete Fortschritte in Richtung Serienfertigung macht.

An den Finanzmärkten blieb die Wirkung nicht aus: Die QS-Aktie sprang im vorbörslichen Handel um etwa 20 Prozent nach oben. Ein Teil des Optimismus speist sich aus möglichen Partnerschaften. Besonders Lucid Group wird als Kandidat gehandelt. Der US-Hersteller hat klar signalisiert, Festkörperbatterien einführen zu wollen, und kürzlich eine Kooperation mit Uber bekanntgegeben. Eine Allianz mit QuantumScape könnte für beide Seiten einen großen Sprung bedeuten.

Doch trotz aller Euphorie bleiben Zweifel. Viele erinnern sich an die letzten zehn Jahre, in denen es immer wieder vollmundige Ankündigungen gab, ohne dass die Technologie den Massenmarkt erreichte. Die Haltbarkeit über tausende Ladezyklen und die Praxistauglichkeit unter verschiedenen Bedingungen müssen erst noch bewiesen werden. Zudem spielen Infrastruktur und Kosten eine ebenso wichtige Rolle wie technische Kennzahlen. Eine Batterie, die sich in zwölf Minuten laden lässt, bringt wenig, wenn es kaum passende Schnellladestationen gibt.

Gerade deshalb ist der Test im harten Rennumfeld so spannend. Auf der Strecke sind die Anforderungen extrem: hohe Temperaturen, starke Beschleunigungen, schnelle Entladungen. Wenn die Zellen unter diesen Bedingungen bestehen, spricht vieles dafür, dass sie im Alltagsverkehr zuverlässig funktionieren. Der Anblick einer Ducati, die mit Festkörpertechnik über die Bühne fährt, symbolisiert mehr als nur einen Prototyp – es ist ein Signal, dass der Durchbruch wirklich in Reichweite sein könnte.

Und die Fantasie reicht über Fahrzeuge hinaus. Viele Verbraucher träumen schon jetzt von Smartphones oder Laptops, die in wenigen Minuten geladen sind und länger durchhalten. Sollte QuantumScape die Massenproduktion meistern, könnte der Effekt weit über die Automobilindustrie hinausgehen und unseren Alltag grundlegend verändern.

Ob wir gerade Zeugen einer echten Revolution oder nur eines weiteren Zwischenschritts sind, bleibt abzuwarten. Doch die Ducati-Demo ist bislang das stärkste Indiz dafür, dass Festkörperbatterien auf dem Sprung in die Praxis sind.

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2 kommentare

Virtuoso September 21, 2025 - 4:31 am

schnelles Laden klingt top, aber was kostet das am Ende für Kunden?

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Baka November 30, 2025 - 6:44 pm

endlich mal Innovation im EV-Bereich statt nur größere Displays und Reichweitenzahlen

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