Nikon hat mit der Nikon ZR offiziell seine erste echte Cinema-Kamera vorgestellt und damit einen klaren Schritt in Richtung professioneller Filmproduktion gemacht. Anders als bei vielen hybriden Modellen handelt es sich hier nicht nur um eine Foto-Kamera mit Videofunktionen, sondern um ein Gerät, das von Grund auf für Filmemacher entwickelt wurde – in enger Zusammenarbeit mit RED Digital Cinema, dem Unternehmen, das Nikon im vergangenen Jahr übernommen hat. 
Ergebnis: REDs legendäre Farb- und Codec-Technologie hält erstmals Einzug in Nikons Z-System.
Im Inneren arbeitet derselbe 24,5-Megapixel-Vollformatsensor und der EXPEED 7-Prozessor, die man schon aus der Nikon Z6III kennt. Doch mit der Integration von REDs Codecs hebt sich die ZR deutlich ab: Sie zeichnet Videos in 6K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde im neuen 12-Bit R3D NE RAW-Format auf. Unterstützt werden zudem Log3G10 und REDWideGamutRGB, was Farbtreue und nahtlose Einbindung in bestehende RED-Workflows garantiert. Nikon verspricht mehr als 15 Blendenstufen Dynamikumfang und bietet zwei native ISO-Stufen (800 und 6400), um Flexibilität in verschiedensten Lichtsituationen zu ermöglichen.
Die Kamera bleibt dabei vielseitig: Neben R3D NE RAW lassen sich Aufnahmen auch in Nikon N-RAW oder Apple ProRes RAW machen. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, LUTs direkt in der Kamera zu betrachten, um schon am Set eine Vorschau des späteren Looks zu sehen. Für alle, die ohne großen Aufwand filmischen RED-Look wollen, gibt es einen Cinematic Video Mode mit fixierten Werten: 24p, 180-Grad-Shutter und vorgefertigtem Farbprofil – allerdings nur in nicht-RAW-Formaten.
Auch beim Ton hat Nikon aufgerüstet. Die ZR bietet 32-Bit-Float-Aufzeichnung über interne oder externe Mikrofone. Letztere können über den aktiven Blitzschuh oder den 3,5-mm-Klinkenanschluss angeschlossen werden. Dank Nokia OZO Audio stehen verschiedene Richtcharakteristiken zur Verfügung, darunter superdirektional nach vorne, omnidirektional, rückseitig oder Stereo binaural – ideal für Content Creator, die hochwertigen Ton direkt aus der Kamera erwarten.
Das Display ist ein weiteres Highlight: ein 4-Zoll-Variwinkelmonitor mit DCI-P3-Farbraumabdeckung und 1000 Nits Helligkeit – bestens geeignet für Außendrehs. Kritik gibt es hingegen für die Anschlüsse: Statt eines vollwertigen HDMI-Ports gibt es nur Micro HDMI, und XLR-Eingänge fehlen komplett. Zudem kombiniert Nikon einen CFexpress-Slot mit einem microSD-Slot, was in der Profi-Szene Stirnrunzeln auslöst.
Weitere Features: 7,5 Stufen Bildstabilisierung, Autofokus mit Personen-, Tier- und Fahrzeugerkennung, wetterfestes Magnesiumgehäuse, Front-Tally-Light sowie automatische Rotation für Hochkant-Videos. Auf einen aktiven Lüfter verzichtet Nikon – stattdessen wird das gesamte Gehäuse zur Wärmeableitung genutzt. Ob das bei langen Drehs reicht, bleibt abzuwarten.
Die Markteinführung erfolgt im Oktober, der Preis liegt bei attraktiven 2200 US-Dollar. Ergänzend sollen Kit-Varianten mit Objektiven erscheinen. Mit der Kombination aus RED-Technologie und Nikons Z-System könnte die ZR zu einer der spannendsten und preislich attraktivsten Cinema-Kameras für Indie-Filmer werden.