Drahtlose Tastaturen haben in den letzten Jahren enorm an Beliebtheit gewonnen. Sie sorgen für einen aufgeräumten Schreibtisch und befreien Gamer und Office-User von lästigen Kabeln. Doch im Gaming-Bereich hält sich hartnäckig der Glaube, dass nur kabelgebundene Modelle wirklich zuverlässig sind. 
Besonders bei schnellen Online-Titeln soll angeblich jede Millisekunde zählen. Aber stimmt das heute noch, wo die Technik längst weiter ist? Zeit für einen genaueren Blick.
Warum Latenz im Gaming entscheidend ist
Die zentrale Frage lautet: Wie schnell wird ein Tastendruck tatsächlich umgesetzt? Diese Zeitspanne, auch Latenz genannt, liegt bei hochwertigen Gaming-Tastaturen oft unter einer Millisekunde. Während es im Büro völlig egal ist, ob ein Zeichen 5 oder 10 Millisekunden später erscheint, kann im E-Sport schon ein winziger Lag über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wer in einem Shooter den Auslöser um eine Winzigkeit zu spät drückt, landet schnell im Respawn.
Tests von Rtings zeigen: Spitzenmodelle erreichen Reaktionszeiten von 0,4 ms. Bis etwa 10 ms merkt der Durchschnittsspieler keinen Unterschied, aber geübte Profis spüren Verzögerungen ab rund 15 ms sehr wohl. Genau hier setzt die Diskussion „kabelgebunden vs. drahtlos“ an.
Wie Tastaturen Daten übertragen
Die Geschwindigkeit hängt nicht nur von den Switches ab, sondern auch von der Art der Verbindung. Kabelgebundene USB-Tastaturen haben einen direkten Draht zum PC, wodurch Störungen so gut wie ausgeschlossen sind. Selbst der alte USB-2.0-Standard unterstützt bis zu 8000 Hz Abfragerate. Das bedeutet, die Tastatur kann bis zu 8000 Mal pro Sekunde Signale senden. In der Praxis arbeiten die meisten Modelle mit 1000 Hz – was völlig ausreicht. High-End-Modelle wie das Corsair K100 RGB schaffen theoretisch 8000 Hz, doch einen Vorteil im Spiel merkt man kaum, da die meisten Games nicht schneller reagieren.
Drahtlos: Funk (RF) vs. Bluetooth
Wer drahtlos spielen möchte, hat zwei Optionen: Funkverbindung über einen USB-Dongle oder klassisches Bluetooth.
Funk (RF): Moderne Funk-Tastaturen sind nahezu gleichauf mit Kabelmodellen. Das Razer BlackWidow V3 Mini HyperSpeed etwa bietet 1000 Hz Abfragerate – identisch zu kabelgebundenen Gaming-Keyboards. Das Asus ROG Falchion wurde mit 3,7 ms Reaktionszeit gemessen, ein Wert, der absolut turnierfähig ist.
Bluetooth: Ganz anders sieht es hier aus. Bluetooth ist auf maximal 125 Hz begrenzt, was eine Latenz von ca. 8 ms bedeutet. Im Stromsparmodus steigt sie sogar noch weiter. Für Office-Arbeiten oder gemütliche Spiele reicht das locker. Doch wer in Valorant, CS2 oder Rennsimulationen mitspielen will, sollte die Finger von Bluetooth lassen – hier kostet jede Millisekunde.
Wo Funkverbindungen schwächeln können
Auch Funk hat potenzielle Schwächen. Sitzt man zu weit vom Empfänger entfernt, kann das Signal instabil werden. Außerdem können andere Funkgeräte wie Router, Mäuse oder Smart-Home-Produkte stören. Hochwertige Modelle kompensieren das mit stabilen Protokollen, aber ganz ausschließen lässt sich das Risiko nicht.
Welche Tastatur passt zu welchem Gamer?
Casual-Spieler, die lieber RPGs oder Story-Games genießen, können fast jedes Modell nutzen. Für ambitionierte Gamer, die Wert auf schnelle Reaktionen legen, zählen Spezifikationen wie Abfragerate und Latenz. Gaming-Hersteller wie Razer, Corsair, Logitech oder Asus ROG geben diese Werte offen an – im Gegensatz zu Office-Tastaturen, bei denen solche Angaben meist fehlen.
Sind drahtlose Tastaturen also ungeeignet?
Die pauschale Aussage, dass drahtlose Tastaturen für Gaming ungeeignet sind, ist veraltet. Moderne Funklösungen stehen kabelgebundenen Varianten in nichts nach. Das schlechte Image stammt vor allem aus den Zeiten, in denen Bluetooth die einzige drahtlose Option war – und genau hier bestehen die Probleme bis heute.
Profis im E-Sport vertrauen weiterhin lieber auf Kabel, da diese jede Unsicherheit ausschließen. Für die breite Masse an Spielern reicht jedoch ein gutes Funkmodell völlig aus, um ohne Einschränkungen mithalten zu können.
Fazit
Drahtlose Tastaturen haben einen riesigen Sprung gemacht. Von „praktisch, aber zu langsam“ hin zu ernsthaften Alternativen für Gamer. Heute geht es weniger um Performance-Unterschiede als um persönliche Vorlieben: Will man die absolute Sicherheit eines Kabels oder den Komfort eines aufgeräumten Setups ohne Strippen? Beides ist legitim – Leistungseinbußen muss man bei den richtigen Modellen nicht mehr befürchten.
3 kommentare
wenn der Dongle blockiert wird, spackt Funk schonmal ab
3 ms Unterschied? merkt doch keiner außer Pros
lieber clean desk ohne Kabelsalat