
Huawei MatePad 12 X: Produktivitätstablet mit mutigen Kompromissen
Huawei hat mit dem MatePad 12 X ein neues Tablet vorgestellt, das sich klar an Nutzer richtet, die mehr wollen als nur surfen und Serien schauen. Zusammen mit der Präsentation der Watch GT 6 unterstreicht das Unternehmen seine Ambition, ein komplettes Ökosystem für Arbeit, Studium und Unterhaltung zu bieten. Doch bei so vielen hauseigenen Modellen und starker Konkurrenz durch Samsung, OnePlus und Apple stellt sich die Frage: Wer soll genau zum MatePad 12 X greifen?
Rein äußerlich überzeugt das Gerät sofort. Mit nur 6 mm Dicke und 555 g Gewicht ist es schlank und mobil. Das 12-Zoll-Display löst mit 2800×1840 Pixeln auf, liefert 280 ppi und erreicht eine Spitzenhelligkeit von 1000 Nits. Im Inneren stecken 12 GB RAM und 256 GB Speicher, ohne Varianten zur Auswahl. Der Akku fasst 10.100 mAh und unterstützt mehrere Schnellladestandards. Auffällig sind außerdem sechs Lautsprecher, die für ein außergewöhnliches Klangerlebnis sorgen sollen. Dazu kommen eine 50-MP-Hauptkamera und eine 8-MP-Frontkamera
. Als Betriebssystem läuft HarmonyOS 4.3.
Das Herzstück ist jedoch das neue PaperMatte-Display. Anders als beim MatePad Pro 12.2 mit OLED setzt Huawei hier auf ein TFT-LCD mit matter Oberfläche. Das reduziert Spiegelungen und vermittelt beim Schreiben mit dem Stylus das Gefühl von Papier. Vorteil: weniger Augenbelastung, besonders bei längeren Schreib- oder Lernsessions. Nachteil: Farben wirken weniger satt, HDR-Inhalte verlieren etwas an Brillanz. Huawei verspricht immerhin, dass die neue Generation Reflexionen um 50 % stärker reduziert – ein Pluspunkt für alle, die viel lesen oder zeichnen. Wer hingegen knallige Farben und maximale Bildqualität erwartet, dürfte enttäuscht sein.
Der M-Pencil Pro ist eng mit dem PaperMatte-Display verknüpft. Der Stylus bietet neue Gesten, ein Schnellzugriff-Feature für die Notizen-App und Handschrifterkennung. Für Designer, Illustratoren und Studenten klingt das nach einem echten Gewinn. Allerdings scheint ein Teil der Funktionen stark an Huaweis eigene Apps wie GoPaint gebunden zu sein. Ob Drittanbieter-Programme denselben Funktionsumfang nutzen können, bleibt fraglich. Wer aber im Huawei-Universum bleibt, bekommt ein präzises Arbeitswerkzeug.
Die Schwachstelle bleibt wie gewohnt die Softwarelandschaft. Ohne Google Play müssen Nutzer auf Huaweis AppGallery oder Workarounds wie GBox und MicroG setzen. Damit lassen sich viele Android-Apps installieren – auch Google-Dienste, wenn auch nicht immer reibungslos. Technikaffine Nutzer kommen damit klar, wer aber unkomplizierten App-Zugang gewohnt ist, wird es als Einschränkung empfinden.
Im Vergleich zur Konkurrenz positioniert sich das MatePad 12 X als Gesamtpaket. Das Galaxy Tab S10 FE Plus punktet mit AMOLED und vollem Android, das OnePlus Pad 3 mit Geschwindigkeit und einfacher Bedienung, und das iPad bleibt Maßstab für kreative Arbeit. Huawei setzt dagegen auf Ausstattung und Preis. Für £599,99 gibt es nicht nur das Tablet, sondern auch den M-Pencil Pro, eine magnetische Tastatur, USB-C-Kabel und Schnellladeadapter. Damit wird das Gerät zu einer günstigen Laptop-Alternative, die viele Chromebooks in Sachen Verarbeitung und Design übertrifft.
Dennoch ist klar: Dieses Tablet richtet sich nicht an alle. Das matte Display ist super zum Arbeiten, aber weniger für Filme. Die Kamera ist stark, aber nur wenige fotografieren ernsthaft mit einem Tablet. Der Sound mit sechs Lautsprechern dürfte beeindrucken, doch wie sich die Akkulaufzeit bei Dauerbelastung schlägt, bleibt abzuwarten. Am Ende ist es ein Produkt für eine klar definierte Nische: Nutzer, die schreiben, zeichnen oder studieren wollen und dabei ein komfortables, leichtes Gerät bevorzugen.
Unterm Strich hat Huawei keinen „iPad-Killer“ geschaffen, sondern ein eigenständiges Werkzeug für Produktivität. Wer Wert auf ein papierähnliches Schreiberlebnis, eine ordentliche Ausstattung und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis legt, findet im MatePad 12 X eine spannende Option. Für diese Zielgruppe könnte es genau das richtige Gerät sein.
6 kommentare
wenn du zwingend Google brauchst, lieber nicht kaufen, fürs Mitschreiben aber top
HarmonyOS 4.3 + GBox läuft gut, hab sogar Google Maps drauf 👍
für 600 Pfund eigentlich fair, ersetzt easy nen günstigen Laptop
6 Lautsprecher klingen nice, wahrscheinlich besser als mein Laptop
mattes Display ist echt angenehm für die Augen, aber Farben wirken halt blass 😅
Preis passt, da Tastatur und Stylus schon dabei sind – besser als iPad imho