Telegram-Gründer Pawel Durow sorgt erneut für internationale Schlagzeilen – diesmal mit schwerwiegenden Vorwürfen gegen die französischen Behörden. Laut Durow wurde ihm nach seiner Festnahme in Frankreich angeboten, dass sein Gerichtsverfahren milder verlaufen würde, wenn er bereit wäre, bestimmte moldawische Stimmen auf der Plattform während einer Wahlperiode zu zensieren. Geheimdienstmitarbeiter sollen ihm versichert haben, im Gegenzug beim Richter ein gutes Wort für ihn einzulegen. 
Für Durow war dies jedoch „inakzeptabel“ – er lehnte ab.
Es ist nicht das erste Mal, dass der in Russland geborene Unternehmer von politischem Druck berichtet. Bereits Anfang des Jahres behauptete er, dass der französische Geheimdienst versucht habe, ihn zu bewegen, konservative Stimmen in Rumänien zu sperren – ebenfalls in einer heiklen Wahlphase. Damals hatten die rumänischen Gerichte die Ergebnisse der Wahl 2024 annulliert, nachdem der Rechtspopulist Călin Georgescu überraschend gewonnen hatte. Als Begründung wurde mutmaßliche russische Einflussnahme genannt. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Vorwürfe Durows umso brisanter: sie berühren nicht nur nationale, sondern auch geopolitische Interessen.
Das französische Außenministerium reagierte umgehend auf der Plattform X (vormals Twitter) und erinnerte daran, dass Durow ähnliche Anschuldigungen schon zuvor geäußert habe. Parallel werfen die Behörden Telegram vor, durch seine verschlüsselten Kanäle kriminelle Aktivitäten zu begünstigen. Durow weist diese Vorwürfe zurück und betont, Telegram sei eine neutrale Plattform – vergleichbar mit Discord oder Reddit – und könne nicht für das Verhalten einzelner Nutzer verantwortlich gemacht werden.
Wenn Durows Aussagen zutreffen, sind die Folgen enorm. Er hätte seine juristische Lage erleichtern können, entschied sich jedoch bewusst dagegen, um die Prinzipien der freien Meinungsäußerung und Plattformneutralität zu wahren. Für Millionen Nutzer weltweit, besonders in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit, festigt dies das Image von Telegram als ein Hort unzensierter Kommunikation. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall den wachsenden Konflikt zwischen staatlichem Kontrollanspruch und Tech-Gründern, die sich weigern, nachzugeben.
Verschlüsselte Kommunikationsdienste sind längst ein politisches Schlachtfeld. Befürworter sehen in ihnen ein Bollwerk gegen Zensur, Kritiker hingegen einen sicheren Hafen für Extremisten und Desinformation. Nach Durows Festnahme erlebte Telegram einen massiven Anstieg an Downloads – viele sahen darin eine stille Solidarität mit seinem Kampf für digitale Freiheit. Skeptiker erinnern jedoch daran, dass fehlende Moderation auch Missbrauch erleichtert. So oder so macht der Streit deutlich: Der Kampf um die Kontrolle von Information findet heute nicht nur zwischen Staaten statt, sondern auch zwischen Regierungen und den Machern der Plattformen, die das digitale Leben von Hunderten Millionen Menschen prägen.
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Telegram ist 100x besser als WhatsApp
Frankreich will immer alles kontrollieren, nix Neues