Der alte Schlagabtausch zwischen x86 und ARM bekommt neues Feuer: Erste Benchmarks des Snapdragon X2 Elite Extreme zeigen, dass Qualcomm mit diesem Chip nicht nur zu Intel und AMD aufschließt, sondern sie in vielen Disziplinen sogar übertrifft. 
Vor allem in Single- und Multi-Core-Tests legt die ARM-Plattform ein Tempo vor, das in dieser Form bislang kaum jemand erwartet hätte.
In Geekbench 6.5 setzt sich der Snapdragon X2 Elite Extreme vor den AMD Ryzen AI 9 HX 370 und den Intel Core Ultra 7 258V – und lässt auch den eigenen Vorgänger Snapdragon X Elite deutlich hinter sich. Zwar stammen einige Resultate noch aus Geekbench 6.1, doch das Gesamtbild ist eindeutig: ARM ist längst nicht mehr die „leichtere Alternative“, sondern spielt in der obersten Liga mit.
Auch Cinebench 2024 bestätigt diese Entwicklung. Der X2 Extreme bringt eine CPU mit 18 Kernen: 12 Prime-Cores mit 4,4 GHz (Boost bis 5,0 GHz, solange die Temperaturen passen) und 6 Performance-Cores mit 3,6 GHz. Das Hybrid-Design erinnert an Intels Ansatz, scheint hier aber effizienter und besser austariert zu sein.
Die X2-Reihe besteht aus drei Modellen: Elite Extreme (96), Elite (88) und Elite (80). Alle verfügen über ein NPU mit 80 TOPS, unterscheiden sich aber bei CPU-, GPU- und Cache-Konfigurationen. Auf dem Launch-Event ließ Qualcomm jedoch nur die Extreme-Variante in kontrollierter Umgebung testen. Journalisten durften zusehen, aber nicht selbst Hand anlegen – ein Detail, das die Ergebnisse mit Vorsicht genießen lässt.
Die Testgeräte waren an die Steckdose angeschlossen. Qualcomm versichert zwar, dass die Leistung auch im Akkubetrieb stabil bleibt. In den Laptops steckten 48 GB DDR5X-RAM. Das Extreme-Modell unterstützt sowohl verlöteten Speicher als auch Module in Slots, mit einer breiteren 192-Bit-Schnittstelle und 228 GB/s Bandbreite (statt 128-Bit und 152 GB/s bei den kleineren Varianten). Verlöteter RAM bringt Geschwindigkeit, Slots dagegen Flexibilität beim Aufrüsten – ein klassischer Zielgruppen-Konflikt.
Grafisch hat Qualcomm ebenfalls nachgelegt: Die Adreno X2-90 GPU taktet bis zu 1,85 GHz und lag im 3DMark Steel Nomad Light rund 80 % vor Intels Arc 140V und AMDs Radeon 890M iGPUs. Gegenüber dem Vorgänger sprang die Leistung um den Faktor 2,6 nach oben – ein gewaltiger Sprung, der ARM-Laptops auch für Gaming oder kreative Workflows interessanter machen könnte.
Auch beim Thema KI will Qualcomm Maßstäbe setzen. Das neue NPU mit 80 TOPS verdreifacht fast die Leistung des Snapdragon X Elite (45 TOPS). Laut Qualcomm liegen die realen Vorteile in KI-Workloads sogar noch höher und lassen Intels aktuelle Lösungen alt aussehen. Da KI-Features längst fester Bestandteil von Office-, Medien- und Kreativsoftware sind, ist dieser Vorsprung mehr als nur Marketing.
Doch trotz der Zahlen bleiben Fragen. Warum wurde der Chip nicht direkt gegen AMDs Ryzen AI Max+ 395 getestet, der als ernsthafter Gegner gilt? Und was ist mit der Softwareseite? Windows 11 ARM gilt nach wie vor als Stolperstein – ohne breite Kompatibilität nützen selbst Top-Leistungen wenig.
Die ersten Geräte mit Snapdragon X2 sollen im Frühjahr 2026 erscheinen. Bis dahin wird es unabhängige Tests und hoffentlich auch Daten zu den kleineren X2-Modellen geben. Gelingt Qualcomm die Balance aus Power, Energieeffizienz, Preis und Software-Ökosystem, könnte der X2 Elite Extreme tatsächlich eine Zeitenwende für ARM-Laptops einleiten – und Intel sowie AMD ernsthaft unter Druck setzen.
4 kommentare
Benchmarks vom Hersteller selbst sind für mich keine Beweise, will unabhängige Tests sehen
48GB verlötet? echt jetzt? ich will RAM nachrüsten können
Windows 11 auf ARM ist immer noch ein Chaos, ohne vernünftige Software lohnt sich das nicht
wenn das Ding über 2000 Dollar kostet, dann ist es für mich komplett uninteressant