Intel zieht sich nicht aus der Open-Source-Welt zurück – aber das Unternehmen will künftig genauer darauf achten, wem die eigenen Beiträge tatsächlich nützen. Beim diesjährigen Intel Tech Tour stellte das Unternehmen beeindruckende Hardware-Neuheiten wie Panther Lake, die 18A-Fertigung und Clearwater Forest vor. 
Doch eine Aussage von Executive Vice President Kevork Kechichian sorgte für deutlich mehr Gesprächsstoff: Intel will seine Open-Source-Aktivitäten künftig gezielter einsetzen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken – und weniger, um anderen zu helfen.
„Wir sind stolz auf unsere Open-Source-Beiträge“, erklärte Kechichian. „Aber wir müssen sicherstellen, dass diese Arbeit Intel einen Vorteil verschafft – und nicht allen anderen.“ Mit dieser Aussage zeichnet sich eine neue Strategie ab: Intel bleibt Teil der Open-Source-Community, will aber stärker darauf achten, dass sich die investierte Arbeit auch wirtschaftlich auszahlt.
Diese Wende ist bemerkenswert, denn Intel war über Jahre hinweg einer der größten Unterstützer des Open-Source-Ökosystems rund um die x86-Architektur. Das Unternehmen trug maßgeblich zu Compiler-Optimierungen, Kernel-Verbesserungen und Frameworks bei, die heute in zahllosen Projekten genutzt werden. Doch laut Berichten von Phoronix scheint Intel inzwischen eine defensivere Haltung einzunehmen – mit einer Tendenz zu mehr Kontrolle und weniger Offenheit, ähnlich wie NVIDIAs proprietäres CUDA-Ökosystem.
Intern hat Intel bereits reagiert: Die Linux-Teams wurden umstrukturiert, mehrere langjährige Entwickler mussten gehen. Ehemalige Mitarbeiter berichten, dass nun jede Zeile Code eine klare geschäftliche Begründung braucht. Intel möchte keine Ressourcen mehr in Open-Source-Projekte stecken, von denen am Ende AMD oder ARM profitieren. Beispiele dafür sind der verwaiste coretemp-Treiber, das eingestellte Clear Linux OS sowie die Hyperscan-Bibliothek, die nun lizenzpflichtig ist.
Die Entscheidung löst eine lebhafte Debatte aus: Wird Intel damit Innovation bremsen oder nur wirtschaftlich realistischer handeln? In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Cloud-Computing und massiver Konkurrenz aus Asien ist der Wunsch nach Kontrolle verständlich. Dennoch befürchten viele Entwickler, dass weniger offene Beiträge die Vielfalt und den Fortschritt der Branche verlangsamen könnten.
Unter Führung von Persönlichkeiten wie Pat Gelsinger und Raja Koduri galt Intel lange als Motor des offenen Softwaregedankens. Heute präsentiert sich das Unternehmen pragmatischer: weniger Idealismus, mehr strategische Berechnung. Open Source bleibt Teil von Intels Identität – aber künftig mit Fokus auf Profitabilität und Eigenvorteil statt Gemeinschaftsgeist.
1 kommentar
Kein Wunder, dass OpenAI lieber AMD nutzt 🤭