TSMC-CEO C.C. Wei hat wieder einmal gezeigt, dass Gelassenheit die beste Form von Dominanz ist. Während der Präsentation der Quartalsergebnisse sprach er über den wachsenden Hype rund um Intel – besonders nach den jüngsten Investitionen von NVIDIA und anderen US-Unternehmen. Doch statt sich verteidigend zu äußern, ließ Wei einen Satz fallen, der in der Tech-Welt sofort Wellen schlug: „Dieser Konkurrent ist zufällig auch einer unserer sehr guten Kunden.“ Eine subtile, aber präzise Spitze, die zeigte, wer in der Chipindustrie wirklich am längeren Hebel sitzt.
Weis Bemerkung ist weit mehr als ein Seitenhieb. Sie beschreibt die paradoxe Realität des Marktes: Während Intel versucht, mit seinem Intel Foundry Services-Programm und dem Intel 18A-Prozess wieder zur Spitze aufzuschließen, ist das Unternehmen immer noch stark von TSMC abhängig. 
Viele ihrer High-End-Produkte – darunter auch das kommende Nova Lake – werden weiterhin in TSMCs modernsten Fabriken gefertigt. Der vermeintliche Rivale bleibt also gleichzeitig Kunde – eine Abhängigkeit, die kaum zu übersehen ist.
Die Frage, ob Intel TSMC tatsächlich einholen kann, bleibt offen – oder besser gesagt, eher theoretisch. Um TSMC ernsthaft Konkurrenz zu machen, müsste Intel nicht nur technologisch aufholen, sondern auch Produktionskapazitäten und Lieferketten aufbauen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. TSMC hingegen hat längst ein nahezu unerschütterliches Ökosystem geschaffen: von der Chipfertigung über das Packaging und Testing bis hin zur Maskenproduktion. Diese vertikale Integration macht es fast unmöglich, den Anbieter einfach zu wechseln – besonders wenn Zuverlässigkeit und Qualität entscheidend sind.
Wei machte deutlich, dass TSMC seine Strategie nicht an kurzfristige Konkurrenz anpasst. Mit Foundry 2.0 baut das Unternehmen seine Führungsposition weiter aus, setzt auf neue Verpackungstechnologien und enge Partnerschaften mit Kunden, um gemeinsam Innovationen zu entwickeln. Während Intel noch mit technischen Problemen kämpft, erweitert TSMC seinen Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette der Halbleiterindustrie.
Natürlich hat auch TSMC Herausforderungen – steigende Produktionskosten, geopolitische Spannungen und Kapazitätsgrenzen. Doch das ändert nichts daran, dass die Welt weiterhin auf TSMC angewiesen ist. Ohne die Chips aus Taiwan würde fast jede moderne Technologie – von Smartphones bis zu Supercomputern – stillstehen. Und Intel? Sie spricht von Unabhängigkeit, kauft aber weiter fleißig bei der Konkurrenz ein.
Mit einem einzigen Satz hat C.C. Wei die Situation perfekt zusammengefasst: In der Halbleiterwelt zählen nicht nur Nanometer und Transistoren – sondern auch, wer von wem abhängig ist. Und aktuell hängt die halbe Branche an TSMC.
1 kommentar
Wie kann man Konkurrent und Kunde gleichzeitig sein? Nur bei Intel lol