Samsung bereitet sich offenbar auf ein großes Comeback im High-End-Chipmarkt vor. Der neue Exynos 2600 könnte das ehrgeizigste Projekt des Unternehmens seit Jahren sein. Mit seiner 2nm-GAA (Gate-All-Around)-Architektur soll er nicht nur den Apple A19 Pro, sondern auch den Snapdragon 8 Elite Gen 5 übertreffen – zumindest laut internen Testergebnissen. 
Doch hinter den beeindruckenden Zahlen steckt, wie so oft, mehr Schein als Sein.
Ein Bericht der Korea Economic Daily beschreibt, dass der Exynos 2600 in Samsungs eigenen Tests erstaunliche Ergebnisse erzielt hat: Die KI-Leistung soll sechsmal höher sein als beim Apple A19 Pro, die Multi-Core-Leistung um 14% zulegen und die GPU bis zu 75% schneller arbeiten. Im Vergleich zum Snapdragon 8 Elite Gen 5 liegt die NPU-Leistung angeblich um 30% vorn, während die GPU 29% besser abschneidet. Auf dem Papier klingt das nach einem echten Durchbruch – einem, der Samsung wieder an die Spitze bringen könnte.
Doch jeder, der sich mit Chipentwicklung auskennt, weiß: interne Tests sind selten objektiv. Sie werden unter optimalen Bedingungen durchgeführt – bei niedrigen Temperaturen, ohne Energiebegrenzungen und mit fein abgestimmten Parametern. Das heißt, die Werte zeigen, was der Chip theoretisch leisten kann, nicht, was er im Alltag tatsächlich schafft. Im echten Leben, etwa im kommenden Galaxy S26, muss der Prozessor zwischen Leistung und Effizienz balancieren. Das ist die wahre Herausforderung.
Besonders umstritten ist der gemeldete Stromverbrauch: bis zu 120 Watt während der Tests. Für einen Smartphone-Chip ist das völlig absurd. Unter solchen Bedingungen würde der Prozessor in Sekunden überhitzen, das Gerät würde drosseln und die Batterie wäre im Handumdrehen leer. Die Frage ist also nicht nur, wie stark der Exynos 2600 ist, sondern ob Samsung es schafft, diese Leistung auch effizient auf ein Smartphone zu bringen.
Trotzdem ist die Entwicklung spannend. Nach Jahren, in denen Exynos-Chips als schwächer galten als ihre Snapdragon-Gegenstücke, scheint Samsung wieder angreifen zu wollen. Der Schritt auf 2nm-Fertigung könnte enorme Vorteile bringen: mehr Transistordichte, weniger Energieverbrauch und bessere Wärmeabfuhr. Sollte der Exynos 2600 auch nur die Hälfte seiner Laborwerte in der Praxis erreichen, könnte er tatsächlich ein Wendepunkt für Samsungs Chipstrategie werden.
Allerdings bleibt Skepsis angebracht. Samsung hat in der Vergangenheit schon mehrfach große Versprechungen gemacht, die sich später als überzogen herausstellten. Am Ende interessiert die Nutzer weniger, wie viele KI-Operationen pro Sekunde möglich sind, sondern wie sich das Gerät im Alltag schlägt: Läuft alles flüssig? Wird es heiß? Wie lange hält der Akku? Genau diese Fragen entscheiden, ob der Exynos 2600 mehr ist als nur ein Marketing-Gag.
Unterm Strich zeigt sich: Der Exynos 2600 steht für große Ambitionen und technische Fortschritte, aber auch für ein gewisses Risiko. Wenn Samsung seine Versprechen einlösen kann, wird das Unternehmen wieder als ernstzunehmender Chip-Hersteller wahrgenommen. Wenn nicht, bleibt der Snapdragon wohl weiter die erste Wahl für Power-User.