
Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 im PC-Test: Wenn der Bildschirm ruckelt wie ein ausgehungerter Blutsauger
Nach mehr als zwei Jahrzehnten, zahllosen Entwicklungsstopps und fast vollständiger Einstellung ist Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 endlich erschienen. Für Fans des düsteren World-of-Darkness-Universums hätte das die große Wiederauferstehung eines Klassikers sein können – doch auf dem PC entpuppt sich das Spiel als technisches Desaster. Die Performance ist derart instabil, dass man sich fragt, ob die Entwickler ihr Werk überhaupt auf echter Hardware getestet haben.
Bloodlines 2 basiert auf der Unreal Engine 5 – theoretisch eine Garantie für moderne Grafik und flüssiges Gameplay. Doch die Realität sieht anders aus: keine Raytracing-Option, keine fortgeschrittenen Lichteffekte, nicht einmal ein anständiges HDR. Die Texturen wechseln zwischen ordentlich und matschig, die Stadt Seattle wirkt klein, leer und statisch. Statt eines atmosphärischen, pulsierenden Nachtlebens bekommt man eine Kulisse, die eher wie eine Techdemo wirkt als ein AAA-Spiel des Jahres 2025.
Doch das wahre Problem ist nicht die Grafik, sondern das Ruckeln. Unreal-Engine-Spiele sind für gelegentliche Mikroruckler bekannt – aber hier ist es eine Katastrophe. In der offenen Welt stottert das Spiel beinahe permanent, als würde jeder Schritt des Charakters ein neuer Ladeprozess sein. In Innenräumen wird es minimal besser, aber flüssig ist das Spiel nie. Es fühlt sich an, als würde die Engine gegen sich selbst kämpfen.
Eine technische Analyse mit NVIDIA FrameView und FLAT bestätigt das subjektive Gefühl. Die Frame-Time-Grafik zeigt Spitzenwerte von bis zu 175 Millisekunden, und selbst jenseits dieser Extremwerte gibt es unzählige Sprünge über 40ms. Das bedeutet spürbare Einbrüche auf 25 FPS – für Sekundenbruchteile zwar, aber häufig genug, um den Spielfluss zu zerstören. Dabei liegt die Durchschnittsleistung mit einem Ryzen 7 9800X3D und einer RTX 5090 bei über 220 FPS auf Ultra-Einstellungen mit aktiviertem DLAA und DLSS Frame Generation (4x). Doch was bringen hohe Durchschnittswerte, wenn sich das Spiel anfühlt, als würde es in Zeitlupe laufen?
Und nein, Frame Generation ist hier keine Rettung. Im Gegensatz zu Dying Light: The Beast, wo ein Patch später das DLSS-Stottern beseitigte, hilft es in Bloodlines 2 gar nichts. Laut FLAT-Messung war das Spiel in über 20% der gesamten Benchmark-Zeit von Stottern betroffen – ein Negativrekord. Selbst die schlimmsten PC-Ports der letzten Jahre lagen selten über 10%. Das hier ist schlicht eines der am schlechtesten optimierten PC-Spiele der jüngeren Vergangenheit.
Als wäre das nicht genug, fehlt dem Spiel komplett die HDR-Unterstützung. Im Jahr 2025 ist das einfach unverständlich. HDR gehört längst zum Standard, wird von fast allen Displays unterstützt und lässt sich in Unreal Engine 5 mit minimalem Aufwand aktivieren. Statt lebendiger, kontrastreicher Szenen bekommt man also flache Farben und einen grauen Schleier über der gesamten Spielwelt – was die ohnehin schwache Atmosphäre noch weiter dämpft.
Berichten zufolge wussten die Entwickler schon vor dem Release von diesen Problemen. Bereits in der Vorschauversion traten dieselben Fehler auf, und zwischen damals und dem Launch hat sich kaum etwas verbessert. Vielleicht werden zukünftige Patches Abhilfe schaffen, aber aktuell fühlt sich das Spiel an, als wäre es unfertig veröffentlicht worden – und das nach 21 Jahren Wartezeit.
Trotz allem steckt unter dem technischen Chaos ein Herz aus Dunkelheit. Die Dialoge, die moralischen Entscheidungen und die düstere Stimmung erinnern an das Original. Doch bis die Entwickler die Performance-Probleme endlich im Griff haben, ist Bloodlines 2 eher ein Vampir mit Eisenmangel als ein würdiger Nachfolger. Wer sich seine Nerven und seinen Monitor schonen will, sollte lieber warten, bis ein Patch das Spiel rettet. Bis dahin: lieber den Sargdeckel wieder schließen und noch ein paar Nächte schlafen.
2 kommentare
bei 220 FPS und trotzdem fühlt es sich an wie 20… lol
läuft wie Brei, selbst mit 5090… unglaublich 😂