Die Geschichte des iPhone Air ist eine dieser typischen Apple-Stories, in denen Ehrgeiz und Designwahn an die Grenzen des Machbaren stoßen. Das Gerät sollte ein Symbol für Leichtigkeit und Innovation werden – das dünnste iPhone aller Zeiten, elegant, technisch fortschrittlich, fast schon futuristisch. 
Doch in der Realität entpuppt es sich eher als schönes, aber unpraktisches Experiment. Es ist kein Totalausfall, aber auch kein echter Erfolg – zumindest noch nicht.
Beim Start war der Hype groß. Ein ultradünnes iPhone mit dem neuen A19-Prozessor, gestochen scharfem Display und minimalistischem Look – das klang nach einem Traum für Designliebhaber. Apple setzte alles auf das Motto „weniger ist mehr“. Doch schon nach kurzer Zeit zeigten sich die Grenzen dieses Ansatzes: Die Batterie ist schlicht zu klein. In der Praxis reicht sie kaum über den Tag, und wer viel fotografiert, streamt oder navigiert, muss spätestens am Nachmittag nachladen. Genau das, was Apple-Fans sonst über Android-Geräte belächelt haben, trifft sie nun selbst.
Die Verkaufszahlen spiegeln das Dilemma wider. Das iPhone Air liegt deutlich hinter dem iPhone 17, dem iPhone 17 Pro und dem iPhone 17 Pro Max. Es verkauft sich zwar rund 14 Prozent besser als das iPhone 16 Plus, aber für Apple-Verhältnisse ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Erwartungen waren gigantisch – und genau das war wohl das Problem. Apple hat die Latte so hoch gelegt, dass jedes noch so kleine Manko sofort als Enttäuschung wirkt.
Trotzdem wäre es ein Fehler, das iPhone Air jetzt schon zu beerdigen. Das Konzept hat Potenzial, wenn Apple bereit ist, seine Strategie etwas zu lockern. Ein logischer erster Schritt wäre ein Preisnachlass. Apple hat sich bisher stets geweigert, Modelle vor dem nächsten Launch zu verbilligen, weil das dem Premium-Image widerspricht. Doch vielleicht ist jetzt der richtige Moment, um diese Regel zu brechen. Würde das iPhone Air statt 1.199 Euro beispielsweise 1.049 Euro kosten, wäre es plötzlich viel attraktiver – ohne den Markenkern zu beschädigen. Samsung hat mit solchen Preisanpassungen schon mehrfach enttäuschende Modelle gerettet. Warum also nicht Apple?
Natürlich ist der Preis nicht das einzige Problem. Die fehlende zweite Kamera sorgt ebenfalls für Stirnrunzeln. In dieser Preisklasse erwarten Nutzer ein Dual-System oder wenigstens einen Ultraweitwinkel. Stattdessen bekommt man nur eine Hauptkamera – und das fühlt sich für viele einfach nicht „Pro genug“ an. In Kombination mit der schwachen Laufzeit ergibt sich ein Produkt, das wunderschön aussieht, aber nicht wirklich alltagstauglich ist.
Und dennoch: Das iPhone Air hat seine Fans. Viele bezeichnen es als das „Designer-iPhone“ – ein Gerät, das weniger Werkzeug als Statement ist. Dünn, leicht, stilvoll – perfekt für Menschen, die ihr Smartphone eher als Modeaccessoire denn als Arbeitsgerät sehen. Für diese Zielgruppe erfüllt das Air seinen Zweck hervorragend. Aber wenn Apple daraus ein echtes Erfolgsmodell machen will, braucht es mehr Substanz hinter der schönen Fassade.
Die gute Nachricht: Apple weiß, wie man Fehlstarts in Erfolgsgeschichten verwandelt. Das MacBook Air, die ersten AirPods oder der iPhone SE – sie alle hatten einen holprigen Start, bevor sie zu Verkaufsschlagern wurden. Der Schlüssel liegt darin, die Kritik ernst zu nehmen und daraus zu lernen. Für das iPhone Air 2 heißt das: größere Batterie, zweite Kamera, klareres Marketing. Statt „das dünnste iPhone aller Zeiten“ wäre eine Botschaft wie „das leichteste Premium-iPhone für jeden Tag“ wesentlich ehrlicher – und klüger.
Unterm Strich ist das iPhone Air also kein Flop, sondern ein Experiment mit Luft nach oben. Es zeigt, dass auch ein Gigant wie Apple Fehler machen darf, solange er bereit ist, sie zu korrigieren. Wenn das Unternehmen die Balance zwischen Design und Nutzbarkeit wiederfindet, könnte das Air 2 der Überraschungserfolg der nächsten Generation werden.