
Nothing Ear (3): transparente Design-Ikone mit starkem Klang und cleverem Super-Mikrofon
Vier Jahre nach dem ersten Ear (1) zeigt Nothing mit dem Ear (3), dass das Unternehmen endgültig in der Oberliga der kabellosen Ohrhörer angekommen ist. Der neue True-Wireless-Kopfhörer kombiniert das charakteristische transparente Design mit hochwertigen Materialien, überarbeitetem Klang, verbessertem ANC und einem echten Alleinstellungsmerkmal: dem sogenannten Super Mic, das das Ladecase in ein tragbares Mikrofon verwandelt. Aber hält das Versprechen auch in der Praxis? Kurz gesagt: Ja – das Ear (3) ist das bislang rundeste Produkt der Marke, wenn auch nicht ganz ohne Schwächen.
Design & Verarbeitung: das bekannte „Nothing“-Gefühl, nur edler
Das Design bleibt Nothings stärkster Trumpf. Das transparente Gehäuse, die sichtbaren Bauteile und die klaren Linien sind sofort wiederzuerkennen. Neu ist die Basis des Ladecases aus recyceltem Aluminium – kühl, robust und deutlich hochwertiger als die Plastikgehäuse der Vorgänger. Das Gesamtgewicht liegt jetzt bei 71 Gramm, rund 10 Gramm mehr als zuvor. Dafür liegt das Case angenehm in der Hand, und das haptische Gefühl ist erstklassig.
Auch beim Tragekomfort bleibt alles beim Alten – im positiven Sinne. Mit den passenden Silikonaufsätzen sitzen die Ear (3) stabil und bequem, selbst nach mehreren Stunden Musik oder Podcasts. Das Case ist IP54-zertifiziert und somit gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Neu ist der seitliche Talk-Button, der das Super-Mic aktiviert – ein Feature, das man so bei keinem anderen TWS-Modell findet.
Funktionen: fast alles, was High-End-TWS bieten sollten
Die technischen Daten lesen sich wie ein Wunschzettel für Audiophile: 12-mm-Dynamiktreiber, ein Frequenzbereich von 20 Hz bis 40 kHz, adaptives Noise Cancelling mit bis zu 45 dB Dämpfung, Bluetooth 5.4, Multipoint-Verbindung, Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair und LDAC-Unterstützung für hochauflösendes Audio. Dazu kommt ein Spielmodus mit niedriger Latenz und In-Ear-Erkennung. Kurz: das volle Programm.
Das Highlight bleibt die Software. Die Nothing-X-App ist eine der besten auf dem Markt – schlicht, übersichtlich und gleichzeitig extrem vielseitig. Neben der Steuerung von ANC, Touch-Gesten und Firmware-Updates bietet sie einen erweiterten 8-Band-Equalizer inklusive Q-Faktor-Kontrolle. Damit lässt sich der Klang extrem präzise anpassen, speichern und mit anderen Nutzern teilen.
Super Mic: das Case als Mikrofon – klingt verrückt, funktioniert aber
Das neue Super-Mikrofon-System ist das vielleicht spannendste Feature. Im Case sitzen zwei MEMS-Mikrofone in der Nähe des USB-C-Anschlusses. Drückt man den Talk-Button, kann das Case als Mikrofon für Anrufe, Sprachaufnahmen oder den Sprachassistenten genutzt werden – vorausgesetzt, mindestens ein Earbud steckt im Ohr.
Nothing verspricht, dass das Super Mic die Stimme selbst bei Umgebungslärm von bis zu 95 dB klar erfassen kann. Und tatsächlich: In der Praxis funktioniert das überraschend gut. Gesprächspartner berichten, dass die Stimme deutlich natürlicher klingt als über herkömmliche Ohrhörer-Mikros. Klar, es sieht ein wenig ungewohnt aus, wenn man das Case wie ein Reporter-Mikro vor den Mund hält – aber der Effekt ist beeindruckend. Für Vieltelefonierer oder Content-Creator kann das ein echter Mehrwert sein.
Klang & ANC: druckvoll, breit und energiegeladen
Nothing bleibt seiner Klangphilosophie treu: Der Sound ist dynamisch, bassbetont und macht einfach Spaß. Die 12-mm-Treiber mit neuem Membran-Design und vergrößerter Fläche sorgen für kräftigen, kontrollierten Bass und klare Höhen. Das Klangbild ist lebendig und deutlich breiter als bei den Ear (2). Die Mitten könnten etwas präsenter sein, doch insgesamt überzeugt die Abstimmung durch Energie und Räumlichkeit.
Mit dem erweiterten Equalizer lässt sich der Charakter individuell anpassen – von neutral bis hin zu „Bass-Boost“. Wer gerne an Klangprofilen schraubt, kann hier stundenlang experimentieren. Mit den richtigen Einstellungen liefern die Ear (3) eine beeindruckende Balance, die locker mit teureren Modellen mithalten kann.
Das adaptive ANC arbeitet zuverlässig. Gleichmäßige Geräusche wie Klimaanlagen, Zuglärm oder Tastaturklackern werden effektiv gefiltert, Stimmen bleiben teils hörbar. Die Leistung liegt über dem Durchschnitt, erreicht aber nicht ganz das Niveau von Sony WF-1000XM5 oder AirPods Pro (2). Für Pendler, Büro und Alltag ist sie jedoch mehr als ausreichend.
Akkulaufzeit & Laden
Mit aktiviertem ANC sollen die Ear (3) 5,5 Stunden Laufzeit bieten, das Case liefert zusätzliche 22 Stunden. Ohne ANC erhöht sich das Ganze auf 10 bzw. 38 Stunden. In der Praxis kamen wir auf etwa 6,5 Stunden mit eingeschaltetem ANC (AAC) – ein solider Wert. Mit LDAC sinkt die Laufzeit auf etwa 3,5 Stunden, was bei High-Res-Streaming normal ist. Voll aufgeladen ist das Set in rund 70 Minuten via USB-C, kabellos (2,5W) dauert es etwa zwei Stunden.
Fazit: gereiftes Design trifft auf clevere Innovation
Nothing hat mit dem Ear (3) keinen radikalen Neuanfang gewagt, sondern ein stimmiges Gesamtpaket weiter verfeinert. Der Look ist edler, der Klang ausgewogener, das ANC smarter – und der Super-Mic-Trick macht das Ganze einzigartig. Wer Design liebt, Wert auf gute Sprachqualität legt und Spaß am Individualisieren hat, bekommt hier eines der interessantesten TWS-Angebote im Premium-Mittelfeld.
Natürlich gibt es stärkere Konkurrenten beim ANC und längere Akkulaufzeiten anderswo, aber kaum ein Modell bietet dieses Zusammenspiel aus Stil, Funktion und Charakter. Kurz: Das Ear (3) ist nicht perfekt – aber es ist besonders.
Lohnt sich das Upgrade?
- Wer das Ear (1) oder Ear (2) besitzt, bekommt mit dem Ear (3) spürbare Verbesserungen bei Klang, Bauqualität und Features.
- Wer ein stylisches, solides Allround-Modell sucht, ist hier richtig.
- Wer absolute Top-Leistung beim ANC will, sollte trotzdem zu Sony oder Bose greifen.
Unterm Strich zeigt das Nothing Ear (3), dass Innovation auch im Detail stecken kann – und dass selbst ein kleines Gadget wie ein Ohrhörer echte Persönlichkeit haben kann.
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