Warum die FCC den Druck auf Huawei und andere chinesische Tech-Giganten erhöht
Die US-amerikanische Kommunikationsbehörde FCC (Federal Communications Commission) hat einstimmig (3:0) beschlossen, die bestehenden Sanktionen gegen chinesische Technologieunternehmen zu verschärfen. Damit will Washington verhindern, dass Geräte mit Komponenten von Firmen wie Huawei, ZTE oder China Telecom weiterhin auf den US-Markt gelangen. Die neuen Regeln verbieten nicht nur deren eigene Produkte, sondern auch jedes Gerät, das Bauteile dieser Hersteller enthält – selbst wenn es in anderen Ländern montiert wurde.
Die Maßnahme ist Teil einer größeren Strategie zur Absicherung der nationalen IT-Infrastruktur gegen mögliche Spionage. 
FCC-Vorsitzender Brendan Carr erklärte: „Unsere Gegner suchen ständig nach Schwachstellen in unseren Netzwerken. Wir müssen alle Schlupflöcher schließen, bevor sie ausgenutzt werden.“ Die FCC reagiert damit auf Berichte, wonach einige verbotene Geräte über Umwege und Drittanbieter dennoch in den USA verkauft wurden.
Smartwatches und Überwachungskameras im Visier
Im Rahmen ihrer jüngsten Kontrollen ließ die FCC Millionen von Angeboten auf US-amerikanischen Online-Marktplätzen entfernen. Betroffen waren unter anderem Smartwatches, Sicherheitskameras und Router von Huawei, Hikvision, ZTE und Dahua Technology. Laut der Behörde könnten diese Geräte sensible Daten abfangen oder an ausländische Server übertragen – ein Risiko, das Washington nicht länger akzeptieren will.
Besonders heftig trifft die Entscheidung Huawei. Das Unternehmen führt derzeit den globalen Smartwatch-Markt mit einem Anteil von 21 Prozent an, während Apple auf 17 Prozent kommt. Doch genau dieser Erfolg ruft die US-Behörden auf den Plan. Denn aus ihrer Sicht sind auch tragbare Geräte wie Smartwatches potenzielle Spionagewerkzeuge – sie erfassen Gesundheitsdaten, Standorte und Kommunikationsmuster, die theoretisch missbraucht werden könnten.
Sicherheitswarnungen und neue Verbote
Bereits im Oktober erinnerte die FCC amerikanische Unternehmen in einer offiziellen Mitteilung daran, dass die Nutzung von Überwachungstechnik und Telekommunikationsausrüstung chinesischer Hersteller verboten ist. Gleichzeitig entzog sie dem in Hongkong ansässigen Telekommunikationsanbieter HKT – einer Tochterfirma der PCCW-Gruppe – die Genehmigung für den US-Markt. Begründung: „erhebliche Risiken für die nationale Sicherheit“.
Der Vorsitzende Carr wies darauf hin, dass derzeit neun chinesische Unternehmen, darunter Huawei, ZTE, Hytera Communications und China Unicom, intensiv überprüft werden. Einige von ihnen sollen versucht haben, die bestehenden Sanktionen zu umgehen, indem sie unter neuen Namen oder über Tochtergesellschaften operieren. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass staatlich gestützte Akteure aus dem Ausland unsere Regeln aushebeln“, so Carr.
Ein Konflikt mit langer Geschichte
Der Streit zwischen den USA und den chinesischen Telekommunikationsriesen reicht über ein Jahrzehnt zurück. Schon 2012 stufte ein Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Kongresses Huawei und ZTE als Sicherheitsrisiko ein. Damals wurde gewarnt, dass die enge Verbindung dieser Unternehmen zur Kommunistischen Partei Chinas die nationale Sicherheit gefährden könnte. Trotz der Kritik schaffte es ZTE 2013 und 2014, sich mit günstigen Smartphones bei US-Prepaid-Anbietern wie AT&T, Verizon und T-Mobile zu etablieren.
Doch 2017 folgte der Absturz: Das US-Handelsministerium verhängte ein Exportverbot, nachdem ZTE gegen Sanktionen verstoßen und über illegale Geschäfte mit dem Iran und Nordkorea gelogen hatte. Das Unternehmen musste den Betrieb einstellen, bis der damalige Präsident Donald Trump eingriff. Im Juli 2018 kam ein Deal zustande: ZTE zahlte eine Milliarde Dollar Strafe, hinterlegte weitere 400 Millionen auf einem Treuhandkonto, entließ die gesamte Führungsebene und akzeptierte einen zehnjährigen US-Compliance-Beobachter im Unternehmen.
Technologischer Machtkampf auf globaler Ebene
Die neuen Maßnahmen der FCC sind Teil eines umfassenderen geopolitischen Wettlaufs um technologische Vorherrschaft. Die USA haben ihre Verbündeten – darunter Großbritannien, Kanada und Australien – dazu bewegt, Huawei aus ihren 5G-Netzen zu verbannen. Angesichts des rasanten Wachstums des Internet of Things (IoT) befürchten Experten, dass bereits ein kompromittiertes Gerät ausreichen könnte, um ganze Netzwerke zu gefährden.
Für Verbraucher in den USA bedeutet das womöglich weniger Auswahl und höhere Preise für Elektronik. Für die Politik jedoch steht die Sicherheit im Vordergrund. Oder, wie Carr es formulierte: „Jedes vernetzte Gerät ist eine potenzielle Tür – und wir müssen sicherstellen, dass sie verschlossen bleibt.“
2 kommentare
21 Prozent Marktanteil? krass, das hätte ich nicht gedacht!
Tja, Huawei wieder im Fokus… war ja klar 😅