RPCS3, der bekannteste PlayStation-3-Emulator, hat seine Liste der empfohlenen Grafikkarten überarbeitet – und damit eine klare Linie für die kommenden Jahre gezogen. Aus den Empfehlungen fallen die älteren Generationen AMD Polaris (Radeon RX 400/500) sowie NVIDIA Maxwell und Pascal (GeForce GTX 900/1000). 
Stattdessen rät das Team ab sofort zu GPUs ab AMD RDNA (Radeon RX 5000) und NVIDIA Turing (GeForce RTX 2000) aufwärts.
Wichtig: Das ist keine „Abkündigung“ der alten Karten. Der Emulator läuft weiterhin darauf, und die minimalen Anforderungen bleiben unverändert konservativ – offiziell reicht sogar eine betagte NVIDIA Fermi (GTX-400-Serie). Die Änderung betrifft allein den Empfehlungsstatus. Hintergrund ist, dass AMD und NVIDIA die Treiberpflege für die genannten Generationen eingestellt haben. Ohne neue Treiber lassen sich künftige Bugs oder Optimierungen nicht verlässlich adressieren – eine Empfehlung wäre daher aus Entwicklersicht nicht ehrlich.
Wer RPCS3 kennt, weiß außerdem: Die Leistung ist in erster Linie CPU-gebunden. Eine GPU mit Vulkan 1.2 ist heute die eigentliche Eintrittskarte; den Takt gibt der Prozessor vor. Moderne Achtkerner mit hohem Single-Thread-Takt und solider Kühlung bringen meist deutlich mehr als ein aufwendiges GPU-Upgrade. Viele Nutzer berichten sogar, dass ein Wechsel von einem älteren i7 auf einen Ryzen 5 3600 oder neuer spürbar größere Sprünge bringt als der Wechsel von GTX 1060 auf RTX 2060.
Spannend ist auch die Plattformfrage: Unter Linux zeigt RPCS3 oft besonders runde Frametime-Kurven und kürzere Shader-Kompilierungszeiten. Das hat viel mit einem schlanken Grafik-Stack, ausgereiften Vulkan-Treibern und weniger Hintergrundballast zu tun. Kurios am Rand: Sonys Konsolen-OS basiert zwar nicht auf Linux, doch der Emulator profitiert hier von der offenen Infrastruktur und dem Tempo, mit dem Kernel und Treiber weiterentwickelt werden.
Und Intel? Offiziell listet RPCS3 die iGPUs und Arc-Modelle weiterhin weder als „empfohlen“ noch als „unterstützt“. Praktisch gibt es Erfolgsmeldungen – besonders mit Arc A-Serien – aber ebenso Berichte über Inkompatibilitäten. Das Fazit lautet daher: kann funktionieren, ist aber nicht garantiert.
Aus der Community kommen anschauliche Beispiele: Eine Radeon R9 380 mit 4 GB stemmt Demon’s Souls in nativer 4K-Auflösung bei 60 Hz, solange die CPU mithält. Ein häufig genannter Sweet Spot auf der Prozessorseite ist der Ryzen 5 3600, der viele Titel stabil treibt. Ebenso hört man den alten Grundsatz: „Jede halbwegs aktuelle GPU reicht – solange sie korrekt rendert.“ Genau deshalb rückt die Empfehlungsliste eher die Zukunftsfähigkeit als die nackte FPS-Zahl in den Mittelpunkt.
Der Zeitpunkt der Anpassung überrascht nicht: AMD beendete Ende 2023 die Polaris-Pflege, NVIDIA stellte Maxwell und Pascal vor einigen Monaten ein. Wer heute noch eine RX 480 oder GTX 1060 besitzt, muss nichts überstürzt austauschen. Aber wer auf lange Sicht Ruhe, neue Grafik-Backends, verbesserte Kompatibilität und aufwendigere Post-Processing-Filter möchte, fährt mit RDNA/Turing oder neuer schlicht sicherer.
Upgrade-Kompass: Wenn dein aktuelles Setup stabil läuft, bleib entspannt. Wenn du häufiger neue Builds testest, Shader-Stottern minimieren oder Titel mit anspruchsvollen SPU-Lasten spielen willst, prüfe zuerst die CPU – und dann eine GPU mit sauberem Vulkan 1.2-Support. Genau dort setzt die Empfehlung von RPCS3 an: realistische Erwartungen, nachhaltige Hardware und weniger Treiber-Lotterie.
Unterm Strich ist die Botschaft nüchtern, aber positiv: RPCS3 wird nicht hungriger, sondern ehrlicher in der Beratung. Die Community profitiert von klaren Leitplanken, und wer investieren möchte, weiß nun besser, wo das Geld am meisten Wirkung zeigt.