
Ein iPhone 13 aus AliExpress-Teilen für rund 260 US-Dollar: machbar, heikel – und erstaunlich befriedigend
Apple hält seine Lieferketten so kurz, dass Do-it-yourself-iPhones fast wie Lagerfeuerlegenden klingen. Bei aktuellen Modellen stimmt das meist. Beim iPhone 13 gibt es jedoch eine schmale, aber reale Lücke: Ein Reddit-Nutzer hat ein vollständig funktionsfähiges Gerät aus AliExpress-Teilen zusammengeschraubt – Kostenpunkt etwa 460 NZD (≈ 260 US-$). Es startet, telefoniert und entsperrt per Face ID. Klingt nach Schnäppchen? Nur zur Hälfte. Zwei Komfortfunktionen fehlen, die Schlüsselteile sind Glückssache, und die Herkunft der Komponenten wirft ethische Fragen auf.
Einkaufskorb, Tutorials und die Tücken des Paarens
Benötigt wurden Gehäuse, Logicboard mit A15 Bionic, Face-ID-Baugruppe, Display samt Metallabdeckungen, Akku sowie Kleinteile. Zusammengebaut wurde das Ganze anhand der Schritt-für-Schritt-Videos von Phone Repair Guru. Die spannende Fußnote: Die Kosten hätten rund 100 NZD niedriger ausfallen können, wenn Logicboard und Face-ID-Einheit nicht bereits als Set verkauft worden wären. Warum ist das wichtig? Unter iOS 18 können echte Apple-Teile zwar (wieder) miteinander verheiratet werden. Bricht diese Ehe später – etwa weil eines der beiden Bauteile stirbt – wird eine zufällige Ersatzkomponente nicht zwangsläufig akzeptiert. Heute spart das Set Nerven, morgen kann es die Reparaturoptionen einschränken.
Selbst bei sauberer Montage bleiben zwei Ausfälle: True Tone und die Anzeige des Akkuzustands. Ohne Apples Kalibrier-Handshake erscheinen beide Punkte in iOS nicht. Im Alltag ist das kein K.-o.-Kriterium – Telefon, Datenfunk, Kamera und Face ID funktionieren bei guten Teilen problemlos –, aber Komfort und Transparenz leiden, und beim Weiterverkauf kann das Fragen aufwerfen.
Die iCloud-Lotterie – und das Bauchgefühl
Der dickste Stolperstein trägt einen klaren Namen: iCloud-Lock. Ist das Logicboard an eine fremde Apple-ID gebunden, war’s das – ein teurer Briefbeschwerer. Im dokumentierten Fall hatte der Bastler Glück: Die Platine war „clean“. Doch der Teilemarkt ist bunt; ein Teil der Boards stammt aus Quellen, die man lieber nicht zu genau betrachtet. Minimieren lässt sich das Risiko, eliminieren nicht: nur Händler mit langer Historie und vielen Bewertungen, eindeutige Nachweise zur Entsperrung verlangen, Angebote „zu gut um wahr zu sein“ meiden. Und sich ehrlich fragen: Fühlt sich das okay an?
Zeit ist Geld – und Schrauben fressen Zeit
Die Montage dauerte beim Profi rund vier Stunden. Realistisch für Einsteiger: fünf bis sechs inklusive Recherche, gefressener Pentalobe-Schraube, widerspenstigem Flexkabel und Kleber, der beim ersten Versuch nicht greift. Wer die eigene Zeit konservativ mit 100 US-$ pro Stunde bewertet, landet schnell bei 260 US-$ Material plus 400–600 US-$ Arbeitszeit – also grob 700–860 US-$. In dieser Region konkurrieren generalüberholte Geräte mit Garantie oder Aktionspreise aktueller Modelle. Der DIY-Weg lohnt, wenn Lernen, Basteln und das „Ich hab’s gebaut“-Gefühl Teil der Rendite sind – nicht, wenn nur der billigste Alltagsbegleiter gesucht wird.
Was gut klappt – und wo’s zwickt
- Funktionalität: Telefonie, Daten, Kamera und Face ID laufen meist stabil, sofern die Teile echt und sauber verbaut sind. Der A15 hat Leistungsreserven für aktuelle Apps und Updates.
- Fehlende Extras: Kein True Tone, keine Akkuzustands-Anzeige. Klein, aber spürbar – und nicht ideal für die Preisverhandlung beim Verkauf.
- Wasserfestigkeit: Die ursprüngliche IP-Dichtigkeit gilt als dahin. Werkstoleranzen und Klebedichtungen sind daheim kaum perfekt reproduzierbar.
- Zukunftsreparaturen: Das Paar Logicboard + Face ID macht spätere Eingriffe potenziell kniffliger als die Erstmontage.
- Support: Apple-Garantie? Serviceannahme? Vergiss es – Eigenbau bleibt Eigenverantwortung.
Der ehrliche Vorab-Check
- Nachweis für iCloud-Freiheit verlangen (Seriennummer/Foto/Video). Ohne Beleg kein Kauf.
- Matched-Set kann Stress sparen, schränkt aber künftige Optionen ein – bewusst entscheiden.
- Werkzeug einplanen: präzise Schraubendreher, Spudger, Isopropanol, neue Klebestreifen, Klemmen, ESD-Schutz. Auch das kostet.
- Kosmetik einkalkulieren: Passgenauigkeit bei Nachbau-Gehäusen schwankt; minimale Spalte sind normal.
- Ethik im Blick behalten: Nur seriöse Händler, bei roten Flaggen abbrechen.
Lohnt sich das?
Wer rein finanziell optimieren will, landet häufig bei Refurb mit Garantie. Wer das Innenleben verstehen, Feinmechanik lieben und ein altes iPhone wiederbeleben möchte, findet in der ~260-US-$-iPhone-13-Bastelei eines der letzten realistischen Apple-Projekte. Mit offenen Augen hinein, Erwartungen justieren – dann macht’s Spaß und ergibt Sinn.