Würde Rockstar jemals nach Liberty City zurückkehren, könnte es genau so aussehen. Eine Community-Version von Grand Theft Auto IV, umgesetzt mit RTX Remix und vollständigem Path Tracing, zeigt geradezu exemplarisch, wie ein stimmiger Remaster wirken könnte. 
Modder Xoxor4D rückt nicht an jedem Polygon herum – er repariert vor allem das Licht. Und plötzlich atmet die Stadt: Neon sickert in Pfützen, Laternen färben Mauerwerk, Innenräume erhalten Tiefe, die dem düsteren Ton der Story entspricht.
Was RTX Remix verändert – und was bewusst alt bleibt
Path Tracing vereinheitlicht globale Beleuchtung, Reflexionen, indirektes Licht und weiche Schatten in einem physikalisch plausiblen Modell. In der Praxis heißt das: Scheinwerfer schneiden echte Kegel durch Nebel, Reklamen werfen farbige Lichtfelder, und Nachtpassagen haben diese feuchte, schwere Stimmung, die man immer im Kopf hatte. Ein Side-by-Side-Video von MxBenchmarkPC stellt die Vanilla-Version neben den Remix-Build in 1440p und 4K; NVIDIA DLSS sowie Frame Generation sind aktiv. Der Unterschied ist nicht subtil: Die Kulisse wirkt weniger „Bühne“, mehr „Ort“.
Aber: Licht allein ersetzt keine Geometrie. Figurenmodelle, Kleidung, viele Texturen bleiben 2008. Die weichen Schatten fallen weiterhin auf grobe Gesichter und verwaschene Schilder. Deshalb gehen die Meinungen auseinander – für manche „nur mehr Schatten“, für andere endlich Beleuchtung auf dem Niveau des Erzähltons. Die Wahrheit liegt dazwischen: Es ist weiterhin GTA IV, nur mit moderner Lichtlogik. Wer hochaufgelöste Texture-Packs und aktualisierte Modelle ergänzt, treibt den Effekt deutlich weiter. Das Showcase hier konzentriert sich jedoch bewusst auf Licht, nicht auf Asset-Austausch.
Leistung: der Preis der Schönheit
Path Tracing kostet. Selbst High-End-GPUs kämpfen, stabile 60 FPS in 1440p zu halten – in 4K verdoppelt sich der Aufwand. DLSS ist praktisch Pflicht, Frame Generation glättet die Darstellung und hebt die wahrgenommene Flüssigkeit, auch wenn Puristen über Eingabeverzögerung diskutieren. Trotzdem: Wenn in Broker der Regen einsetzt, wird Wetter zu Kino – die Stadt wirkt wie eine nasse Noir-Bühne.
So kommt man ran (noch nicht für alle)
Der GTA-IV-RTX-Remix ist aktuell nicht öffentlich verfügbar. Wer früher spielen will, kann Xoxor4D auf Patreon unterstützen und erhält Vorabzugang. Ja, das polarisiert – niemand mag Paywalls – aber Remix-Projekte brauchen Iteration, Tests und Tooling, die Zeit und Geld kosten.
Warum das Timing passt
Mit Grand Theft Auto VI, das inzwischen auf Mai 2026 terminiert ist, taugt der Remix als perfekter Lückenfüller. GTA IV war immer der „Roman“ der Serie: erwachsener, grauer, bitterer. Mit korrektem Licht entfaltet der Text endlich die Bühne, die er verdient. Kein offizieller Remaster, klar – aber eine schlüssige Blaupause, wie man Atmosphäre neu kalibriert, ohne die DNA anzutasten.
Fazit
GTA IV mit RTX Remix ist keine Komplettsanierung, sondern ein Remaster der Stimmung. Die Atmosphäre ist transformiert, die Assets verraten das Alter, und die Performance fordert Kompromisse. Doch wenn die Neonreklamen nachts in den Pfützen tanzen, fühlt sich Liberty City plötzlich so an, wie wir es uns immer erinnert haben.
Praktische Tipps
Fürs Experiment: DLSS einschalten, die Path-Tracing-Qualität an die GPU anpassen und Frame Generation nicht reflexhaft verteufeln – oft macht sie den Unterschied. Wer zusätzlich Texture-Packs für NPCs und Beschilderung nutzt, schließt die größte optische Lücke zum „echten“ Remaster.