Im Segment der Buch-Foldables ist es derzeit auffallend ruhig – die Art von Ruhe, die oft vor einer großen Welle liegt. Vieles spricht dafür, dass diese Welle von Oppo kommt. Der mutmaßliche Find N6 steht in den Startlöchern und bringt ein Versprechen mit, das fast unglaubwürdig klingt: noch dünner als sein ohnehin messerscharfer Vorgänger. Wer das Find N5 in der Hand hatte, weiß, wie radikal schlank dessen Gehäuse im aufgeklappten Zustand war – nahe an der Dicke eines USB-C-Ports. 
Die kolportierte Marke unter 4,2 mm zu unterbieten, klingt nach Zauberei. Und doch mehren sich die Hinweise, dass Oppo genau das anstrebt.
Der Blick auf den Kalender macht die Einordnung leichter. Samsungs Galaxy Z Fold 8 wird – so hört man – erst im Juli 2026 erwartet. Das Pixel 10 Pro Fold hatte seinen Auftritt bereits, und ein iPhone Fold bleibt weiterhin ein Phantom ohne konkreten Horizont. Aktuell gelten das Galaxy Z Fold 7 und Oppos Find N5 als der Maßstab für Premium-Book-Foldables. Genau an dieser Latte muss sich der Find N6 messen lassen – und wenn die Gerüchte stimmen, will Oppo nicht nur mithalten, sondern vorbeiziehen.
Wichtig ist: Die Schlankheit des N5 war kein Folien-Trick aus der Keynote. Trotz seiner „Wespentaille“ fühlte sich das Gerät bemerkenswert solide an. Oppo scheute sich nicht, die Robustheit zu demonstrieren – bis hin zu Showcases, in denen die Scharnierkonstruktion hohe Lasten wegsteckte. Vor diesem Hintergrund wirkt die Idee, noch dünner zu werden, fast wie ein Bruch mit den Naturgesetzen. Dennoch deuten mehrere, sonst treffsichere Stimmen (etwa Digital Chat Station) darauf hin, dass der N6 nicht nur dünner und leichter als der N5 sein soll, sondern gleichzeitig bei den Displays zulegt.
Genau dort liegen die nächsten spannenden Punkte: Die innere OLED-Fläche soll eine Diagonale von über 8,1 Zoll erreichen, während das Außendisplay auf etwa 6,6 Zoll anwachsen könnte. Das verspricht mehr Fläche für Multitasking und Kreativ-Apps, ohne den Einhand-Alltag zu ruinieren. Wenn Oppo die Ränder weiter stutzt und die Falte visuell wie haptisch glättet, dürfte das Find-Erlebnis noch näher an ein kleines Tablet heranrücken – und bleibt geschlossen dennoch angenehm kompakt.
Unter der Haube wird der Snapdragon 8 Elite Gen 5 gehandelt. Übersetzt heißt das: Spitzenleistung, verbesserte Effizienz und reichlich On-Device-KI-Power für Foto- und Videorechenwege, Transkription, Übersetzung oder persönliche Assistentenfunktionen – ohne jeden Schritt in die Cloud auslagern zu müssen. Gerade in ultradünnen Gehäusen zählt Effizienz doppelt: Wer die Wärmeentwicklung im Griff behält, kann hohe Taktraten nicht nur erreichen, sondern auch halten.
Auch die Laufzeit könnte einen Sprung machen. Schon das Find N5 brachte beachtliche 5.600 mAh mit. Für den N6 werden über 6.000 mAh gemunkelt – eine Hausnummer, die im Buch-Formfaktor selten ist. Normalerweise bezahlt man jeden eingesparten Millimeter mit Akkukapazität. Oppo hat allerdings Tradition bei ambitionierten Lade-Konzepten: schnelle Kabelstandards sind gesetzt, die Rückkehr des kabellosen Ladens steht ebenfalls im Raum. In Summe würde das eine Alltagstauglichkeit versprechen, die man Geräten dieser Schlankheitsklasse lange nicht zugetraut hat.
Die Kameraausstattung liest sich ebenso ambitioniert. Als Hauptsensor steht Sonys LYT808 in der Größe 1/1,4 Zoll im Raum – ein klares Upgrade gegenüber dem 1/1,56-Zoll-Sensor des N5. Mehr Fläche bedeutet mehr Licht, feinere Texturen und sauberere Schatten, gerade nachts. Dazu soll ein 50-MP-Periskop mit optischer Vergrößerung im Bereich 3× (Gerüchte schwanken zwischen 3,5× und 3,7×) kommen – perfekt für Portraits oder Motive in mittlerer Distanz, ohne digitale Krücken. Ein multispektraler Sensor könnte die Farberkennung verfeinern und damit Hauttöne natürlicher sowie schwierige Kunstlichtszenen stimmiger abbilden.
Bei der Bedienung setzt Oppo offenbar auf Bewährtes und Sinnvolles. Ein seitlich integrierter Fingerabdrucksensor bleibt die pragmatische Lösung, die im geöffneten wie geschlossenen Zustand zuverlässig funktioniert. Mindestens eine frei belegbare Taste steht zur Diskussion – ideal für den Schnellstart der Kamera oder Sprachmemos. Und natürlich dürfte die Scharniertechnik weiter verfeinert werden: höhere Torsionssteifigkeit, bessere Planlage der Hälften, geschmeidigeres Auf- und Zuklappen. Solche Details wirken unspektakulär, entscheiden aber über das Gefühl, ein „monolithisches“ Gerät zu bedienen.
„Dünner und leichter“ ist ein verführerisches, aber tückisches Versprechen. Oft bezahlt man es mit schwächerer Kühlung, geringerer Akkureserve oder einem dünneren Rahmen, der sich unter Stress meldet. Sollte Oppo es schaffen, größere Displays, einen 6.000-mAh-Plus-Akku und ein abermals verschlanktes Chassis so auszubalancieren, dass keins dieser Fundamente leidet, wäre das ein echter Schritt für die Kategorie – und eine Einladung an die Konkurrenz, die Gewichte zwischen Robustheit, Ökosystem und physischer Eleganz neu zu justieren.
Billig wird das Paket kaum. Ein ultradünnes Foldable mit Flaggschiff-SoC, üppigen Panels, ernstzunehmender Kamera, kabellosem Laden und moderner KI-Architektur spielt zwangsläufig in der Premium-Liga. Die Frage ist daher weniger „wie teuer“, sondern „wie viel Mehrwert pro Euro“. Das Zeitfenster, das die Gerüchteküche nennt, liegt im frühen Jahr 2026, irgendwo im ersten Quartal. Damit hätte Oppo die Chance, vor Samsungs nächstem großen Buch-Update Akzente zu setzen und den Diskurs für einige Monate zu prägen. Wenn die offiziellen Daten eintreffen, werden zwei Zahlen die Wahrheit erzählen: die Dicke im aufgeklappten Zustand und die nominelle Akkukapazität. Stimmen beide und liefert das Kamerasystem wie versprochen, könnte der Find N6 definieren, was „ultradünn“ bei Foldables künftig bedeutet – ohne sich wie ein Kompromiss anzufühlen.
2 kommentare
Seitensensor >>> unter dem Display bei Folds, fight me
bitte die Falte glätten, Millimeter sind mir egal