
Apple schließt GJ 2025 mit Rückenwind ab: iPhone-17-Schub, Services auf Rekordkurs und ein selbstbewusster Feiertags-Ausblick
Apple hat sein viertes Geschäftsquartal 2025 mit genau den Kennzahlen beendet, die Anleger vor dem wichtigsten Einkaufszeitraum des Jahres sehen wollen: solide iPhone-Erträge, stark beschleunigte Services und eine Guidance, die neue Bestmarken in Aussicht stellt. Für das September-Quartal meldete der Konzern einen Umsatz von 102,47 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch eindrucksvoller fällt der Gewinn aus: Der Nettogewinn kletterte auf 27,47 Milliarden US-Dollar und damit fast doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Auf Jahressicht kommt Apple auf 416,16 Milliarden US-Dollar Umsatz und 112,01 Milliarden US-Dollar Nettogewinn. Die Börse quittierte das mit Applaus: Nachbörslich sprang die Aktie um 2,35 Prozent auf 277,78 US-Dollar; damit deutet alles auf ein neues Allzeithoch beim nächsten Startschluss hin.
iPhone: Rekord in Q4, starker Start der 17er-Generation und Ambitionen auf das stärkste Quartal aller Zeiten
Die Gretchenfrage lautet jedes Quartal: Wie lief das iPhone? Zwischen Juli und September setzte Apple mit dem iPhone 49,03 Milliarden US-Dollar um – 6,1 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2024 und ein neuer Rekord für ein viertes Fiskalquartal, auch wenn die optimistischsten Flüsterprognosen der Wall Street knapp verfehlt wurden. Im Gesamtjahr summierte sich der iPhone-Umsatz auf 209,59 Milliarden US-Dollar, plus 4,2 Prozent gegenüber 2024. Entscheidender als die Rückschau ist jedoch der Ausblick: Tim Cook stellte für das laufende Quartal, das im Dezember endet (Apples Q1 des Geschäftsjahres 2026), die höchste Quartalsumsatzmarke in der Firmengeschichte und den höchsten iPhone-Umsatz aller Zeiten in Aussicht.
Treiber dieser Zuversicht ist die neue iPhone-17-Familie. Obwohl Apple die Produktion des iPhone Air gekappt hat, laufen iPhone 17, 17 Pro und 17 Pro Max deutlich besser an als die Vorjahresgeneration iPhone 16. Der Mix verschiebt sich spürbar nach oben: Mehr Käufer greifen zu den Pro-Modellen, unterstützt von Carrier-Angeboten, Trade-in-Programmen und klaren Produktverbesserungen bei Kamera, Akku und Rechenleistung. Diese Premium-Schieflage hebt die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASP) – und in der Folge die Bruttomargen.
Bemerkenswert ist auch das Verhalten der Bestandskunden: Viele wechseln zwar in längeren Zyklen, steigen beim nächsten Upgrade aber eine Preisklasse höher ein. Gerade die Pro-Modelle profitieren davon, dass sie als wertstabil gelten und Features liefern, die auch nach mehreren Jahren überzeugen. Sollte sich dieser Trend bis zum Jahresende halten, dürfte Apple die in Aussicht gestellten Bestmarken nicht nur erreichen, sondern womöglich übertreffen.
Services: der Margen-Turbo skaliert über 1,56 Milliarden aktive iPhones
Wenn das iPhone der Motor ist, dann sind Services das Drehmoment. Die Sparte legte im Quartal auf 28,75 Milliarden US-Dollar zu – ein Zuwachs von 15,1 Prozent – und brachte im Gesamtjahr 109,16 Milliarden US-Dollar ein, plus 13,5 Prozent. Hinter der Kategorie stehen das App Store-Geschäft, iCloud, Apple Music, Apple TV+, AppleCare, Zahlungsdienste und mehr. Das Besondere: Services hängen weniger von Neugerätezyklen ab und monetarisieren die installierte Basis – aktuell rund 1,56 Milliarden aktive iPhones weltweit. Bereits kleine Anhebungen beim Pro-Kopf-Umsatz oder bei den Abozahlen wirken durch die hohen Margen überproportional im Ergebnis.
Der Ökosystem-Effekt verstärkt sich mit jeder Hardware-Welle. In diesem Herbst kamen AirPods Pro 3 und eine frische Apple-Watch-Linie hinzu; dazu präsentierte Apple MacBook Pro und iPad Pro mit dem M5-Chip. Solche Geräte sind keine Inseln, sondern Verstärker: AirPods binden Nutzer enger an Apple Music und Anrufe, die Watch verknüpft Fitness, Zahlungen und Gesundheitsfunktionen, und Macs sowie iPads treiben iCloud-Speicher, Handoff und Continuity. Je reibungsloser die Übergänge zwischen Geräten und Diensten, desto klebriger (und planbarer) werden die Services-Erlöse.
iPad und Wearables: Tablets stabil, „Wearables, Home & Accessories“ mit Delle – Katalysatoren in Sicht
Das iPad verharrte im Quartal mit 6,95 Milliarden US-Dollar praktisch auf Vorjahresniveau; im Jahr summierten sich die Erlöse auf 28,02 Milliarden US-Dollar (rund +5 Prozent). In der Praxis verlaufen iPad-Zyklen wellenförmig: Längere Phasen der Ruhe werden von Schüben nach größeren Technologie-Sprüngen abgelöst – und genau dazu zählt die M-Serie. Schwächer lief hingegen der Verbund „Wearables, Home & Accessories“ mit 9,01 Milliarden US-Dollar im Quartal (leicht unter 9,04 Milliarden im Vorjahr) und 35,69 Milliarden US-Dollar im Jahr (–3,6 Prozent). Das Segment spiegelt einen reiferen Smartwatch-Markt und längere Austauschintervalle. Mit AirPods Pro 3 und einer überarbeiteten Watch-Familie könnte die Ansteckrate zum iPhone-Kauf im Feiertagsgeschäft jedoch wieder steigen.
Regionen: breite Stärke – mit einer China-Falte
Geografisch meldete Apple in den Amerikas, in Europa, in Japan und im restlichen Asien-Pazifik Wachstum – sowohl im Quartal als auch im Gesamtjahr. Einzig in Greater China fielen die Umsätze leicht zurück. Gründe gibt es mehrere: intensiver Wettbewerb, makroökonomische Unwägbarkeiten und Währungseffekte. Für Apple bleibt China dennoch Schlüsselmarkt und elementarer Teil der Lieferkette; schon eine Stabilisierung würde die globale Story merklich abrunden.
Profitabilität und EPS: die eigentliche Schlagzeile
Während der Umsatz „nur“ solide zulegte, sorgte die Ergebnisrechnung für die große Überraschung: Das verwässerte Ergebnis je Aktie sprang von 0,97 US-Dollar im Vorjahr auf 1,85 US-Dollar. Im Gesamtjahr stieg der Wert von 6,08 auf 7,49 US-Dollar, was den Nettogewinn um 23,2 Prozent anhob. Dahinter stehen ein hochwertigerer iPhone-Mix, die Skalierung der Services, Disziplin bei den Betriebskosten und Effizienzgewinne entlang der gesamten Wertschöpfung – von Apple-Silicon bis zur Logistik. CFO Kevan Parekh betonte, man habe ein Rekordjahr mit zweistelligem EPS-Wachstum und einem Allzeithoch der aktiven Gerätebasis über alle Kategorien und Regionen hinweg abgeschlossen – beste Voraussetzungen für planbare Wiederkehreinnahmen.
Preisdiskussion: echte Stückzahlen oder vor allem teurere iPhones?
Nicht alle interpretieren die iPhone-Zahlen als ungetrübten Sieg. Kritiker verweisen darauf, dass die Erlöse vom Preisniveau getragen werden. In mehreren Kernmärkten wurden die Listen- und Effektivpreise erhöht: Schätzungen sprechen von rund 12,5 Prozent in den USA, 12,9 Prozent in China und 18,1 Prozent in Japan im Jahresverlauf, während der iPhone-Jahresumsatz lediglich um 4,2 Prozent anzog. Weil Apple seit Jahren keine Stückzahlen mehr ausweist, stützt sich die Debatte auf Indikatoren wie Lieferzeiten, Lagerbestände im Handel und Carrier-Promotions. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen: Höhere ASPs und ein Pro-lastiger Mix heben die Erlöse; zugleich deuten frühe Signale auf eine gesunde Nachfrage nach der 17er-Generation hin – trotz des Produktionsrücknahme beim iPhone Air.
Für die Einordnung des Feiertagsquartals werden Anleger auf die Verfügbarkeit des Pro Max, regionale Inventurschwankungen und die Aggressivität der Mobilfunker blicken. Hält sich Knappheit bei Premium-Modellen über Wochen, wird sie meist als Nachfrageüberhang gewertet – bullisch für Stückzahlen und Margen.
Darauf kommt es bis Jahresende an
- Mix-Haltbarkeit: Bleibt der Pro/Pro-Max-Anteil bis in den Dezember hinein erhöht?
- Services-Momentum: Wachsen zahlende Abos, Cloud-Anhänge und Payment-Volumina weiter zweistellig?
- China-Trend: Reicht eine Stabilisierung, oder droht eine weitere Abschwächung in 2026 durchzuschlagen?
- Wearables-Attach: Können AirPods Pro 3 und die neue Watch die Kategorie neben iPhone-Käufen wiederbeleben?
- Marge und Währungen: Wie wirken Komponentenpreise, FX-Einflüsse und der Services-Anteil auf die Profitabilität?
Das Börsenfazit: Zuversicht mit Realitätscheck
Zumindest vorerst stimmt die Richtung: Die Aktie sprang nachbörslich um 2,35 Prozent auf 277,78 US-Dollar, nach einem Schlusskurs von 271,40 US-Dollar. Der Markt kauft damit die Erzählung eines Rekord-Feiertagsquartals – getragen von einem Premium-schweren iPhone-17-Mix und der weiterhin verlässlichen Services-Maschine. Sollte beides tragen, startet Apple in das Kalenderjahr 2026 mit größerer Gerätebasis, höheren wiederkehrenden Erlösen und optionalem Überraschungspotenzial bei neuen Features oder Kategorien.
Fazit: Dieses Quartal ging nicht nur darum, ein paar Schätzungen zu übertreffen. Apple zeigt, dass mehrere Wachstumshebel gleichzeitig greifen. Trotz einer kleinen Falte in China und der berechtigten Debatte über Preis versus Stückzahlen sorgen Premium-Hardware, klebrige Services und disziplinierte Ausführung für einen kraftvollen Schlussspurt im Geschäftsjahr 2025 – und für einen selbstbewussten Blick auf ein mögliches Rekordquartal zum Jahresende.
1 kommentar
Allzeithoch nur auf Guidance? Wenn sie’s verfehlen, wird Januar scheppern