
‘Niemand wird die Bücher wegnehmen. Niemand wird die Videospiele wegnehmen’ – Showrunner von ‘The Witcher’ reagiert auf Kritik der Netflix-Serie
Die mit Spannung erwartete vierte Staffel von ‘The Witcher’ ist endlich auf Netflix angekommen, doch wie zu erwarten, löste sie eine Welle der Kritik aus, da sie sich deutlich von den ursprünglichen Büchern entfernt. Diese Änderungen wurden besonders nach dem Ausscheiden von Henry Cavill und der Besetzung von Liam Hemsworth als Geralt deutlich. Showrunnerin Lauren Schmidt-Hissrich verteidigt jedoch ihre kreativen Entscheidungen und versichert den Fans, dass die Bücher von Andrzej Sapkowski und die beliebten Videospiele weiterhin unberührt bleiben und für Fans zugänglich sind.
In einem exklusiven Interview mit Dexerto sprach Schmidt-Hissrich über die zunehmende Kritik und betonte, dass die Netflix-Serie getrennt von den Büchern und den Spielen existiere. „Es gibt Fans der Bücher, Fans der Spiele und Fans, die diese Welt erst durch die Serie kennengelernt haben“, sagte sie. „Und die Wahrheit ist, dass wir nicht nur ein Publikum wählen können. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir eine Fernsehserie machen. Es ist ein anderes Format als die Bücher oder die Spiele und erfordert einen eigenen Ansatz.“
Die Showrunnerin erklärte weiter, wie herausfordernd es ist, ein so reichhaltiges und umfangreiches Universum zu adaptieren. „Wir haben acht Stunden pro Staffel, um eine Geschichte zu erzählen, und es ist unmöglich, alle Details der Bücher in diesem Format unterzubringen“, erklärte sie. Schmidt-Hissrich glaubt, dass die Adaption Änderungen erfordert, um dem Fernsehformat gerecht zu werden. Die erste Staffel stützte sich beispielsweise stark auf die Erzählungen aus Sapkowskis Büchern. Doch im Laufe der Serie wurde klar, dass es notwendig war, diese Geschichten auf kohärente Weise miteinander zu verbinden. „Man kann nicht einfach zusammenhanglose Abenteuer erzählen“, sagte sie. „Man muss einen Weg finden, sie miteinander zu verbinden, damit sie die Charaktere in eine bedeutungsvolle Richtung bewegen.“
Mit Blick auf die Zukunft verriet Schmidt-Hissrich, dass Netflix die Serie bereits für die vierte und fünfte Staffel verlängert hat, was ihr die Möglichkeit gab, die Richtung der Geschichte zu planen, mit einem klaren Ende im Blick. „Von Anfang an wussten wir, wohin wir wollten“, sagte sie. „Das gab uns die Chance, die Geschichte zu strukturieren und Entscheidungen zu treffen, wohin wir die Charaktere führen wollen. Wir mussten mit diesem spezifischen Ende im Kopf schreiben.“
Für diejenigen, die befürchten, dass sich die Serie zu weit vom Original entfernt, versicherte Schmidt-Hissrich: „Die Bücher sind noch da. Niemand nimmt die Bücher weg. Niemand nimmt die Videospiele weg. Ich denke, jeder kann seine eigene Version von ‘The Witcher’ haben, und dies ist unsere Version.“ Die Showrunnerin deutete auch an, dass sie sich nach Abschluss der fünften Staffel von der Serie zurückziehen könnte, nachdem sie fast neun Jahre ihres Lebens dem Projekt gewidmet hat. „Wenn wir fertig sind, werden es neun Jahre meines Lebens sein“, sagte sie nachdenklich. „Es ist Zeit, einen Schritt zurückzutreten und darüber nachzudenken, wie das Ende dieser Geschichte aussieht.“
Was die Zukunft des ‘The Witcher’-Universums betrifft, war Schmidt-Hissrich vorsichtig, aber optimistisch. „Es gibt noch viele Geschichten, die in dieser Welt erzählt werden können, aber man muss wissen, wann man loslässt“, sagte sie. „Nach der fünften Staffel wird es der richtige Zeitpunkt sein, diese Geschichte zu beenden.“
Der Wechsel von Henry Cavill zu Liam Hemsworth hat ebenfalls eine heftige Diskussion unter den Fans ausgelöst, insbesondere darüber, wie Geralt nun dargestellt wird. Einige Fans glauben, dass Cavills Weggang ein Zeichen dafür ist, dass die Serie ihre Bindung an das Original verloren hat, während andere Hemsworths Interpretation des Charakters akzeptiert haben. Doch Schmidt-Hissrich ist der Ansicht, dass der Erfolg der Serie nicht nur von den Schauspielern abhängt, sondern von der gesamten Erzählung. „Ich bin zuversichtlich in das, was wir gemacht haben, und glaube, dass das Publikum die Richtung, die wir eingeschlagen haben, zu schätzen wissen wird“, sagte sie.
Trotz der anhaltenden Diskussionen bleibt die Serie ein Erfolg für Netflix, wobei die vierte Staffel von IGN mit einer soliden Bewertung von 7/10 bewertet wurde. „Auch mit dem Cavill/Hemsworth-Wechsel bleibt ‘The Witcher’ sich treu und liefert eine ordentliche Saison voller Magie und Chaos“, heißt es in der Kritik.
Publikum Reaktionen: Eine Mischung aus Hoffnung und Unzufriedenheit
Obwohl die Serie ihre Fangemeinde gefunden hat, wird die Kritik aus den Reihen der Fans nicht leiser. Einige äußerten ihre Unzufriedenheit in sozialen Medien: „Warum etwas verändern, das bereits perfekt ist? Macht doch einfach eine neue Serie, wenn ihr eine andere Geschichte erzählen wollt“, schrieb ein Kommentator. Ein weiterer stimmte zu: „Es scheint, als würden sie etwas Eigenes machen wollen, aber dabei verlieren sie das, was ‘The Witcher’ so besonders gemacht hat.“ Diese Frustrationen kommen sowohl von langjährigen Fans der Bücher als auch von neuen Zuschauern, die eine treuere Adaption erwartet hatten.
Es gibt jedoch auch viele, die die kreativen Änderungen verteidigen. „Ich verstehe, warum sie Veränderungen vornehmen“, sagte ein weiterer Zuschauer. „Die Serie muss sich von den Büchern abheben, um für sich selbst zu bestehen. Wenn sie zu nah am Original bleiben würden, wäre es nur ein Remake und keine Adaption. Es ist ein schwieriger Balanceakt, aber ich denke, sie machen das gut.“
Am Ende müssen die Fans selbst entscheiden, ob die Änderungen die Serie verbessert oder verschlechtert haben. Eines ist jedoch sicher: ‘The Witcher’ bleibt ein kulturelles Phänomen, das Gespräche anregt, die Bücher, Spiele und Fernsehen miteinander verbinden.