
Z890 AORUS Tachyon ICE: Gigabyte treibt DDR5 erneut ins Rekordland – 13.034 MT/s
Wer dachte, das aktuelle DDR5-Limit sei schon ausgereizt, hat Hicookie und Gigabyte unterschätzt. In einer klassischen Kälte-Session hat der hauseigene Overclocker auf der Gigabyte Z890 AORUS Tachyon ICE einen neuen Bestwert gesetzt: 13.034 MT/s. Der Lauf basierte auf einer bewusst schlanken Konfiguration: ein einzelnes ADATA XPG Lancer RGB-Modul mit 24 GB, ein Intel Core Ultra 9 285K mit deaktivierten E-Cores und beides unter flüssigem Stickstoff
. Trainiert wurde bei 6517,4 MHz effektiv (DDR verdoppelt = 13.034 MT/s) mit lockeren Primärlatenzen 68-127-127-127-2 – genau die Art Setup, mit der man Signalqualität über Komfort stellt.
Warum ist das spannend, wenn kaum jemand so seinen Alltags-PC betreibt? Solche Rekorde sind Härtetests für die gesamte Speicherplattform. Sie zeigen, wie weit IMC (Integrated Memory Controller), Leiterbahn-Layout und Module unter optimalen Bedingungen gehen können. Die Tachyon ICE ist dafür maßgeschneidert: ein kompromissloses 2-DIMM-Layout mit kurzen, sauberen Traces, reduzierten Störquellen und einem BIOS, das extremes Training zulässt. Ja, zwei Slots wirken spartanisch – und genau deshalb lieben Overclocker sie. Weniger elektrische Last bedeutet bessere Chancen, wenn die Frequenz in Regionen steigt, die eher nach Labor als nach Wohnzimmer klingen.
Ein Blick in den Kontext hilft bei der Einordnung: Hochwertige Retail-Kits liegen heute häufig um 6400 MT/s, der ursprüngliche JEDEC-Baseline für DDR5 startete bei 4800 MT/s. Hicookies Zahl mehr als verdoppelt das typische 6400-Niveau und entspricht grob 2,7× gegenüber 4800. Um dort oben stabil zu sein, werden Timings gelockert und Temperaturen brutal gedrückt. LN2 beruhigt den IMC des 285K, verringert Rauschen und hilft der Platine, den Trainingsprozess aufrechtzuerhalten – eine Symbiose aus Kälte, Stromversorgung, Layout und Siliziumqualität.
Heißt das automatisch mehr FPS? Nicht im gleichen Maß. Extrem hohe Transferraten mit langen Latenzen liefern selten lineare Zugewinne in Spielen oder im Alltag. Der Wert solcher Läufe liegt woanders: Hersteller gewinnen Daten über Spannungsfenster, Trainingsalgorithmen und Board-Toleranzen. Daraus entstehen BIOS-Updates, robustere XMP/EXPO-Profile und am Ende Kits, die für normale Nutzer etwas höher und verlässlicher takten – ganz ohne Tau auf dem Mainboard und Thermoskanne neben der Tastatur.
Auch die Detailentscheidungen verraten Methode. Ein einzelnes Modul entlastet den Controller, reduziert Kapazität und Reflektionen auf der Leitung. E-Cores deaktiviert heißt weniger thermische und elektrische Variabilität im Uncore. Die Tachyon ICE liefert dazu Schalter, Messpunkte und Rettungsanker im BIOS, falls das Training scheitert. Der XPG Lancer zeigt exzellentes Binning; der Core Ultra 9 285K wiederum beweist, dass sein Speichercontroller im Eiswasser nicht nur überlebt, sondern marschiert.
Die Community reagiert vorhersehbar ehrlich. Ein Lager jubelt „13k? Irre!“, das andere winkt ab: „nett, aber nicht alltagstauglich“. Beide haben Recht. Niemand wird Office-Makros mit LN2 beschleunigen. Aber genau diese Grenzläufe schieben die Praxis langsam voran: bessere Auto-Routinen fürs RAM-Training, feinere Signalführung in neuen Board-Revisionen, klarere Empfehlungen zu Slot-Bestückung und Spannungen. Rekordjagden sind kein Selbstzweck, sondern Forschung am offenen Herzen des PCs.
Und was bedeutet das für morgen? DDR6 steht in den Startlöchern der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Serien-Kits beginnen traditionell weit unter Rekordmarken und wachsen mit der Plattformreife. Während Enthusiasten weiter unter LN2 an die Decke stoßen, klettern Alltagsprofile in kleinen, zuverlässigen Schritten. Der heutige Wert von 13.034 MT/s ist damit weniger eine Alltagsempfehlung als eine Standortbestimmung: So weit kann man DDR5 treiben, wenn Board, IMC und Kühlung im Gleichschritt arbeiten.
Unterm Strich: Gigabytes Z890 AORUS Tachyon ICE, der Core Ultra 9 285K und ein stark selektierter ADATA XPG Lancer zeigen, was aktuelles DDR5 im Grenzbereich leisten kann. Kein 24/7-Profil, aber ein verlässlicher Nordstern für die nächsten BIOS-Versionen und Speicherkits – Schritt für Schritt, ohne Shownebel auf dem Schreibtisch.
1 kommentar
Cooler Run, aber für Daily? Nicht solange LN2 neben dem Monitor steht 😅