
Exynos 2600: Single-Core auf M5-Niveau? Was der neue Geekbench-6-Leak wirklich aussagt
Samsung sorgt erneut für Gesprächsstoff: Ein angeblicher Geekbench-6-Run eines Engineering Sample des Exynos 2600 soll im Single-Core praktisch auf Augenhöhe mit Apples M5 landen. Für ein Smartphone-SoC wäre das ein Paukenschlag. Doch wie immer bei spektakulären Zahlen gilt: Kontext ist König. Wir ordnen die behaupteten Takte und Scores ein, erklären die technischen Hintergründe (2-nm-GAA), diskutieren die Hinweise zur Energieaufnahme und sagen, was davon in echten Geräten übrig bleiben könnte.
Aufbau und Takt: 1+3+6 Kerne, mutige Frequenzen
Dem 2600er wird eine deca-core-CPU im 1+3+6-Layout zugeschrieben: ein Spitzenkern, drei Performance-Kerne und sechs Effizienzkerne. Im geleakten Lauf sollen die Frequenzen bei 4,20 GHz (Prime), 3,56 GHz (Performance-Trio) und 2,76 GHz (Effizienz-Sechser) gelegen haben. Das ist für ein Mobil-SoC extrem ambitioniert, aber plausibel als Grenzabtastung auf einem frühen Engineering-Board. Hintergrund: Samsungs erster Prozess mit 2-nm Gate-All-Around (GAA) verspricht bessere Schaltcharakteristiken und niedrigere Leckströme – ideale Voraussetzungen, um kurzzeitig sehr hohe Burst-Takte zu testen. Wichtig: Solche Testprofile sind keine Zusage für Seriengeräte; sie dienen dazu, die Headroom auszuloten.
Die nackten Zahlen und ihr Gewicht
Der Leak nennt 4.217 Punkte im Single-Core und 13.482 Punkte im Multi-Core. Gegenüber einem früheren 2600-Run (Single 3.455 / Multi 11.621) wäre das ein Plus von +22 % bzw. +16 %. Als Referenz werden für den Apple M5 4.263 (Single) und 17.862 (Multi) genannt – nahezu Gleichstand im Single-Thread, aber rund −32 % im Multi, was angesichts deutlich höherer Leistungs- und Kühlbudgets des M5 nicht überrascht.
| Chip | Single-Core | Multi-Core | Änderung |
|---|---|---|---|
| Exynos 2600 (früherer Run) | 3.455 | 11.621 | – |
| Exynos 2600 (neuer Leak) | 4.217 | 13.482 | +22 % SC / +16 % MC |
| Apple M5 (erster Run) | 4.263 | 17.862 | – |
Warum das wichtig ist: Single-Core bleibt ein sehr guter Proxy für Alltags-Responsiveness – App-Start, UI-Flüssigkeit, „kurze“ Web-Workloads profitieren oft stärker vom Top-Thread als von der Gesamtkernzahl. Der Multi-Core-Rückstand relativiert das Bild nicht, sondern setzt es in Relation: Ein Smartphone kann beim Spitzen-Thread mit großen Chips flirten, darf aber beim Dauerfeuer nicht mit einem hochgezüchteten Desktop-/Laptop-SoC verwechselt werden.
Strombedarf: viel Hoffnung, wenig Methodik
Im Umfeld derselben Silizium-Revision kursierten zudem Zahlen zur Effizienz: Für den Multi-Core-Durchlauf von Geekbench 6 ist von rund 7,6 W Board Power die Rede – angeblich 59 % unter dem Apple A19 Pro in einem ähnlichen Szenario. Sollte das belastbar sein, wäre die Leistung pro Watt mindestens so spannend wie die rohen Scores. Aber: „Board Power“ ist heikel. Messaufbau, Hintergrundprozesse, Kühlung und Messpunkte entscheiden massiv über das Ergebnis. Ohne offene, reproduzierbare Instrumentierung gehört diese Aussage in die Schublade „vielversprechend, noch unbestätigt“.
Wie glaubwürdig ist der Leak?
Das Spurensuche führt zu @lafaiel auf X (Twitter). Mehrere Beobachter berichten, die betreffenden Einträge im öffentlichen Geekbench-Index nicht (mehr) zu finden. Gründe reichen von temporären Löschungen über umbenannte Gerätefelder bis hin zu geschönten Screenshots. Bench-Datenbanken speichern Geräte-IDs, OS-Builds und Run-Metadaten; wenn hier Inkonsistenzen auftreten, ist Vorsicht Pflicht. Das heißt nicht, dass Samsung keine extremen Tests fährt – im Gegenteil. Es heißt nur, dass wir daraus noch keine belastbaren Aussagen über Serien-Verhalten ableiten sollten.
Praxisrelevanz: Burst vs. Sustain
Angenommen, die Single-Core-Leistung in M5-Nähe stimmt: Spürbar schnellere App-Starts, zackige Kamera-Pipelines und weniger Ruckler auf schweren Webseiten sind realistische Gewinne. Für Multi-Core-Workloads – Fotostacks, Kompression, on-device-KI – ist das Plus ebenfalls attraktiv. Die Gretchenfrage lautet jedoch: Wie viel davon bleibt in einem dünnen Smartphone-Chassis ohne Throttling erhalten? 4,20 GHz im Labor-Burst beeindrucken, 4,20 GHz stabil im Alltag wären die eigentliche Sensation. Scheduler-Tuning, DVFS-Kurven, Kühlkonstruktion und Hersteller-Firmware entscheiden am Ende darüber, wie viel Bench-Glanz im Produktalltag ankommt.
Mehr als CPU: das Plattform-Puzzle
Flaggschiff-Feeling entsteht heute aus vielen Bausteinen: eine effiziente GPU für lange Gaming-Sessions, eine starke NPU für generative Modelle auf dem Gerät, ein moderner ISP für Computational Photography und niedrige Latenzen bei Speicher und UFS. Der 2-nm-GAA-Sprung bildet das Fundament, ersetzt aber keine echte Plattformanalyse. Daten dazu stehen noch aus.
Fahrplan und Erwartungen
In der Gerüchteküche wird der Exynos 2600 für die Galaxy-S26-Familie gehandelt, mit Launch-Fenster Februar 2026. Bis dahin werden weitere Läufe und Leak-Wellen folgen – manche zu optimistisch, manche nüchtern. Jeder neue Datensatz ist ein Teil eines beweglichen Puzzles. Erst wenn Firmware, Thermik und Modem-Stack final sind, zeigt sich das wahre Nutzungsverhalten.
Fazit
Unterm Strich: 4.217 Single und 13.482 Multi sind für ein freigeschaltetes Engineering Sample absolut denkbar – nur eben noch nicht verifiziert. Sollten die Werte halten, startet Samsungs 2-nm-Ära mit einem deutlichen CPU-Statement. Selbst wenn nicht, weist die Kurve klar nach oben: starkes Single-Thread-Plus und ein Multi-Core-Niveau, das für ein Smartphone-Powerbudget sehr gesund aussieht. Das kommende Performance-Kapitel im Mobilbereich verspricht jedenfalls mehr als bloße Spec-Kosmetik.
1 kommentar
Mir egal bis Kamera & Laufzeit stimmen. Benchmarks sind nur Vorspiel 😅