Entlassungen bei Rockstar vor GTA 6: Gewerkschaftsvorwurf, „grobe Verfehlung“ und die offenen Fragen
Rockstar Games hat nach übereinstimmenden Berichten zwischen 30 und 40 Beschäftigte in Großbritannien und Kanada entlassen – und damit eine hitzige Grundsatzdebatte entfacht. Die Independent Workers’ Union of Great Britain (IWGB) spricht von „offenkundiger“ Gewerkschaftszerschlagung: Betroffen seien Personen, die in einer privaten Discord-Gruppe organisiert waren, teils Gewerkschaftsmitglieder, teils aktiv beim Aufbau von Strukturen. 
Publisher Take-Two, der für Rockstar spricht, weist das scharf zurück: Man habe ausschließlich wegen grober Verfehlungen gekündigt – und aus keinem anderen Grund.
Warum der Zeitpunkt so brisant ist
Die Personalmaßnahmen fallen in die heiße Phase vor Grand Theft Auto 6, das als potenziell größter Release der Dekade gehandelt wird. Prognosen reichen bis zu Milliardenumsätzen im ersten Jahr. Gleichzeitig fährt Rockstar seit Jahren eine knappe Informationspolitik. Nach dem massiven Leak 2022 und dem einen Tag zu früh veröffentlichten ersten Trailer im Folgejahr wurden Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Dazu zählt auch die umstrittene Rückkehr an den Arbeitsplatz an fünf Tagen pro Woche, intern mit Produktivität und Schutz sensibler Daten begründet – von Teilen der Belegschaft jedoch als Wortbruch und mangelnde Gesprächsbereitschaft kritisiert.
Zwei unvereinbare Erzählungen
Im Kern stehen sich zwei Narrative gegenüber. Die IWGB sieht eine gezielte Maßnahme gegen Organisierung. Rockstar verweist auf schwerwiegende Regelverstöße. Gross misconduct umfasst im englischen Arbeitsrecht typischerweise Fälle wie Belästigung, Betrug, Diebstahl – oder substanzielle Verletzungen von Vertraulichkeit und NDA. Skeptiker fragen, wie Dutzende Menschen gleichzeitig Verfehlungen dieser Größenordnung begehen konnten, ohne dass die Firma Beispiele nennt. Verfechter strenger Sicherheitskultur entgegnen: Bereits das Teilen sensibler Inhalte in Privat-Chats kann in NDA-Umgebungen Kündigungsgrund sein.
Was jetzt wahrscheinlich folgt
Ob Gewerkschaftsfeindlichkeit oder doch regelkonforme Kündigungen vorliegen, klären am Ende formale Verfahren – keine Pressemitteilungen. In UK und Kanada kommen Arbeitsgerichte oder Schiedsverfahren in Betracht. Dort wird geprüft, ob geschützte Organisierung sanktioniert wurde oder ob belastbare Nachweise für schwere Pflichtverstöße existieren. Nicht selten enden solche Konflikte in Vergleichen, die Details unter Verschluss halten – was die öffentliche Ungewissheit verlängert.
Arbeitskultur zwischen Sicherheit und Nachhaltigkeit
Der Streit ist Symptom einer größeren Branchenfrage: Wie balanciert man strikte Sicherheits- und Release-Disziplin gegen nachhaltige Arbeitsbedingungen? Studios argumentieren, dass enges On-Site-Arbeiten kurz vor Launch Risiken senkt und Iteration beschleunigt. Teams verweisen auf die Rückkehr des Crunch – lange Wochen, 12-Stunden-Tage, steigendes Burn-out-Risiko – und fordern echte Mitsprache. Wird nach hybriden Phasen abrupt auf Vollpräsenz umgestellt, leidet das Vertrauen – besonders, wenn es im Namen der Sicherheit geschieht.
Was bedeutet das für den GTA-6-Fahrplan?
Fans sind gespalten: Einige wittern Verzögerungen, andere halten den Kernzeitplan für robust genug, um Personalbeben zu verkraften. Fakt ist: Verifizierte Hinweise auf eine Terminänderung gibt es derzeit nicht. Die Debatte befeuert jedoch die Nervosität rund um einen Release, den die gesamte Branche beobachtet.
Signalwirkung über den Einzelfall hinaus
Unabhängig vom Ergebnis hat die Causa Tragweite. Gelingt es der IWGB, einen Zusammenhang zwischen Kündigungen und Organisierung nachzuweisen, wäre das ein deutliches Stoppschild für unionfeindliche Praktiken. Bestätigt sich hingegen Rockstars Verweis auf grobe Pflichtverletzungen und NDA-Brüche, stärkt das die Position von Studios, harte Compliance-Regeln durchzusetzen – gerade nach prominenten Leaks. Am Ende bleibt die Lehre: Transparente Verfahren, belastbare Kommunikation und echte Beteiligung sind unabdingbar, wenn Existenzen und ein Jahrhundert-Release auf dem Spiel stehen.
Fazit: Viele Entlassungen, zwei widersprüchliche Versionen, enorme Erwartungen – bis formale Stellen entscheiden, bleibt die Wahrheit im Spannungsfeld von Sicherheit, Arbeitskultur und öffentlicher Wahrnehmung.