Die lang erwartete Halbleiterfabrik von Samsung in Taylor (Texas) nähert sich dem Moment, der wirklich zählt: High-end-Equipment einschalten und Chips in Serie fertigen. Der Dreh- und Angelpunkt ist ASML. 
Ohne die EUV-Scanner (Extreme Ultraviolet) der Niederländer ist echtes 2-nm-Fertigen mit Gate-All-Around-Transistoren (GAA) schlicht nicht machbar. Mit EUV – und mit konsequenter Prozessabstimmung – kann Samsung den Sprung vom Pilotbetrieb zum belastbaren Output für Mobile- und KI-Designs schaffen.
Frische Indizien deuten genau darauf hin. ASML hat in der Region Austin neue Stellen ausgeschrieben, u. a. für Field Service Engineers, mit der klaren Aufgabe, den Erststart von Samsungs EUV-Anlagen zu begleiten. Solche Ausschreibungen sind in unserer Branche oft bessere Zeitmesser als jede Pressemitteilung. Ein EUV-Roll-out ist Orchesterarbeit: Baugrund und Fundament mit Schwingungsisolierung, Energie- und Gasqualifikation, Reinraumzertifizierung, Lieferung des Scanners in Modulen, Wiederaufbau, dann die lange Abfolge von Kalibrierung, Dosis-Feintuning, Overlay-Optimierung und Defektreduktion. Parallel dazu baut ASML ein dediziertes Taylor-Team auf und richtet zusätzlich eine Serviceeinheit ein, die Systeme bereits vor der Auslieferung testet – ein klares Signal, dass Installation und Inbetriebnahme in die Zielkurve gehen.
Warum der Zeitdruck? Taylor soll Hochleistungs-KI-Chips und weitere Nodes der Spitzenklasse fertigen; als erstes Produkt wird in der Szene der Exynos 2600 gehandelt. Zuvor war von einem begrenzten Produktionsanlauf Ende September die Rede – rund 15 000 Wafer pro Monat –, während die Ausbeute (Yield) hochgezogen wird. Das ist der übliche Pfad: Leading-Edge-Nodes starten klein und wachsen, wenn Defektdichten fallen, Fotostacks stabil werden und Design-Technologie-Koo ptimierung (DTCO) die Kinderkrankheiten ausräumt.
Im Zentrum steht die EUV-Belichtung. Bei 13,5 nm Wellenlänge vereinfacht sie Strukturen, die im DUV nur mit aufwendigem Multi-Patterning abbildbar wären – mit weniger Overlay-Fehlern und geringerer Prozessvarianz. Gerade bei GAA, wo Nanosheets extrem präzise definiert und der Gate den Kanal gleichmäßig umschließen muss, zahlt sich Lithografiegenauigkeit direkt in Drive-Strom, Leckströme und Zuverlässigkeit aus. Mehr EUV-Scanner bedeuten nicht nur höhere Durchsätze, sondern vor allem ein breiteres, robusteres Prozessfenster – also echte Skalierbarkeit. Hinzu kommen bessere Pellicles, reifere Belichtungsrezepte sowie Fortschritte in Metrologie und Defektinspektion.
Die Wettbewerbslage macht den Hochlauf zusätzlich brisant. Qualcomm soll Muster des Snapdragon 8 Elite Gen 5 evaluieren, gefertigt im 2-nm-GAA-Prozess von Samsung. Treffen die Ziele bei Performance, Power und Area (PPA) sowie Stabilität der Yields, könnte Qualcomm Samsung wieder als Foundry-Partner einplanen – ein Prestige- und Volumenschub. Bleibt die Ausbeute hinter der Kurve zurück, landen Programme rasch im Evaluations-Limbo. Genau deshalb sind schnelle Installationen, zusätzliche EUV-Systeme und erfahrene ASML-Teams vor Ort so entscheidend wie jede Spezifikation des Nodes.
Für Zentraltexas reicht die Wirkung weit über einen einzelnen Chip hinaus. Eine aktive EUV-Fertigung zieht ein spezialisiertes Ökosystem an: Gas- und Chemielieferanten, Präzisionskomponenten, Messtechnik, dazu eine wachsende Talentschmiede für Lithografie, Vakuumtechnik und Kontaminationskontrolle. Jeder Scanner verlangt kontinuierlichen Service, Upgrades, Pellicle-Verbesserungen und Software-Tuning. Mit anderen Worten: Ist EUV erst qualifiziert, entsteht Schwungmasse. Taylor dürfte mit priorisierten Designs wie dem Exynos 2600 beginnen und das Portfolio erweitern, sobald Prozess-Corner „einrasten“ und Designbibliotheken reifen.
Unterm Strich: ASMLs Taylor-Spezialeinheit, flankiert von Vorab-Tests und klaren Start-Rollen, markiert den Wechsel von Vorbereitung zu Ausführung. Sobald die Scanner validiert sind und die Prozessfenster aufgehen, kann Samsung den 2-nm-GAA-Hochlauf beschleunigen, KI- und Mobile-Roadmaps stärken und neues Foundry-Geschäft anziehen. Die nächste Phase ist kein simples Umschalten, sondern der Aufbau eines stabilen, yield-starken Takts – damit der texanische Megastandort zu einem tragenden Pfeiler der globalen Advanced-Node-Lieferkette wird.
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ASML-Jobanzeigen sind die neuen Leaks lol