Acht Jahre nach der ersten Ankündigung und einem kompletten Neustart der Entwicklung fühlt sich Metroid Prime 4: Beyond endlich greifbar an. Rund einen Monat vor dem Release hat Nintendo den Trailer „Survive“ veröffentlicht – ein düsteres, sorgfältig montiertes Stück Gameplay, das die Richtung klar macht: Samus Aran kehrt in eine feindselige ökologische Nische zurück, in der Überleben verdient werden muss. Keine Gnade, keine Abkürzungen – nur Beobachtung, Timing und kluge Entscheidungen.
Die Rhythmik des Trailers ist pures Prime: langsame, neugierige Schritte, die in Knotenpunkten aus Architektur, Geräuschkulisse und angedeuteter Mythologie zusammenlaufen. 
Wir sehen neue Biome, die über labyrinthische Korridore und monumentale, beinahe rituelle Bauwerke verbunden sind. Kämpfe wirken spürbar schneller und lesbarer: Gegner telegraphieren ihre Muster, Konterfenster sind knapp, Präzision wird belohnt. Und dann diese kurzen, aber prägnanten Einstellungen von Samus auf einem schlanken Bike – kein bloßer Showeffekt, sondern ein Signal für einen zusätzlichen Traversal-Takt, der lange Verbindungslinien, riskante Abkürzungen und Tempo-Entscheidungen ins Leveldesign einzieht.
Technisch steht ein spannender Cross-Gen-Moment an. Auf der Switch 2 sollen zwei Betriebsarten zur Wahl stehen: 4K/60 für Schärfe und 1080p/120 für maximale Flüssigkeit. Das verspricht spürbar direkteres Zielen und ein moderneres Bewegungsgefühl. Gleichzeitig bleibt die ursprüngliche Switch an Bord. Der Balanceakt: Parität im Spieldesign wahren, während das neue Gerät seine Leistungsreserven ausspielt – ohne dass die OG-Switch-Version in Bildstabilität oder Eingabelatenz einknickt. Wenn Retro hier sauber optimiert, profitieren beide Lager.
Die Entstehungsgeschichte war ungewöhnlich: 2017 angekündigt, 2019 komplett neu gestartet – und dann jahrelang Funkstille. Das Ergebnis wirkt nun nicht wie ein gehetztes „Hauptsache raus“, sondern wie eine selbstbewusste Rückkehr zum Markenkern: einsame, spannungsvolle Erkundung; Raumrätsel, die sich mit jeder erlernten Fähigkeit neu entfalten; Backtracking, das vertraute Räume in ein zweites, drittes Mal staunen verwandelt. Beyond strebt nicht nach Revolution um jeden Preis, sondern nach Relevanz durch handwerkliche Ruhe.
Frühe Hands-on-Eindrücke in diesem Jahr zeichneten ein Bild von Verfeinerung statt Brechstange: Steuereingaben greifen besser, die Kamera respektiert Momentum, und hohe Bildraten lassen die Serie endlich frei atmen. Genau diese Philosophie hat Metroid Prime stark gemacht – nicht das große Spektakel, sondern Atmosphäre, Lesbarkeit der Räume und die subtile Erzählung über Sound, Geometrie und kleine Belohnungen abseits der Hauptwege.
Das Bike dürfte mehr sein als ein cooles Gadget. Es deutet auf längere „Arterien“ im Kartenlayout hin, auf Abzweige, die nur mit Mut zur Geschwindigkeit zu finden sind, und auf Setpieces, die Kartengefühl und Reaktionsvermögen zugleich testen. Kombiniert mit neuen Feindtypen, die in Phasen denken, und Bosskämpfen mit klarer Struktur vergrößert sich der Risiko/Belohnungs-Rahmen. Überleben ist hier nicht nur Munitionsverwaltung – es ist das Lesen der Umgebung in Echtzeit.
In der Community kocht die Debatte: Day-one-Käufe treffen auf Spieler, die erst eine gebrauchte Switch-2-Disc einsacken; andere winken ab – „MEHtroid“ – weil ihnen der kontemplative Puls der Reihe nicht liegt. Und wie immer geistert das Augenzwinkern um Emulationen. Gerade diese Spannbreite an Reaktionen erklärt aber den Reiz von Prime: In einer Branche, die schnelle Kicks liebt, setzt Metroid auf Geduld, Neugier und das stille Glück, ein Geheimnis selbst zu knacken.
Entscheidend ist nun die Ausführung. Wenn Retro die Kämpfe knackig hält, Rätsel klar kommuniziert und Backtracking großzügig mit Aha-Momenten belohnt, könnte Beyond der zugänglichste Einstieg seit Jahren werden – ohne die Kanten zu schleifen, die Veteranen schätzen. Auf Switch 2 versprechen 4K/60 oder 1080p/120 ein überfälliges Modernitätsgefühl; auf der OG Switch bleibt die Hoffnung auf eine ausgesuchte Optimierung, die Stimmung vor Pixelpracht stellt.
Unterm Strich verkauft der „Survive“-Trailer keine Revolution, sondern Kohärenz. Ton, Tempo, Technik und Inszenierung greifen ineinander. Einen Monat vor Launch ist genau das der richtige Tonfall: das Versprechen, dass Metroid Prime 4: Beyond erneut diese ganz eigene Mischung liefert – aus Einsamkeit und Forscherdrang, aus vorsichtigem Vorantasten und der Freude, wenn sich ein Raum endlich öffnet.
2 kommentare
Bitte keine Pixel-Suppe auf der OG Switch 🙏
FitGirl-Vibes lol… am Ende kauf ich’s doch 😎