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NetEase tritt den Rückzug an: Bad Brain schließt, „The Midnight Riders“ sucht Publisher

von ytools
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Die globale Einkaufstour von NetEase schlägt in Rekordtempo in einen Rückzug um. Noch vor zwei Jahren finanzierte der Publisher neue Studios in Nordamerika, Europa und Japan – heute werden Projekte mitten in der Produktion gestoppt und Teams aufgelöst. Jüngstes Beispiel ist das in Montréal ansässige Bad Brain Game Studios. Die Verantwortlichen teilten mit, dass der Betrieb bis zum 17. November eingestellt wird.
NetEase tritt den Rückzug an: Bad Brain schließt, „The Midnight Riders“ sucht Publisher
Studioleiter Sean Crooks – bekannt durch seine Arbeit an Ubisofts Watch Dogs – macht jedoch klar: Das in Entwicklung befindliche The Midnight Riders sowie die zugehörigen Rechte (IP) stehen für Übernahme oder Partnerschaft bereit. Kurz gesagt: Die Welt existiert, es fehlt nur noch ein neuer Geldgeber.

Vom Investitionsrausch zur Vollbremsung

Bad Brain ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. In den vergangenen Monaten hat NetEase mehrere geförderte Studios im laufenden Betrieb geschlossen. Worlds Untold – angeführt von einem Autor mit Mass Effect-Vergangenheit – arbeitete an einem Sci-Fi-Action-Adventure, das nie das Licht der Welt sehen wird. Jar of Sparks, gegründet von Veteranen aus Halo Infinite, wurde ebenfalls dichtgemacht. Eine seltene Ausnahme war Ouka Studios: Das Team veröffentlichte zwar Visions of Mana, wurde anschließend aber trotzdem abgewickelt. Zuletzt traf es T-Minus Zero Entertainment und Fantastic Pixel Castle. Letzteres trägt denselben Stichtag 17. November, während Gründer Greg Street bis zur letzten Minute nach Finanzierung sucht. Immerhin erhielt T-Minus Zero eine überraschende Wiederbelebung: Branchenveteranen investierten, um den Namen und damit ein Stück Identität zu retten.

Wofür Bad Brain stand: Spielberg trifft King, mit Neon der 1980er

Bei The Midnight Riders ging es nie um eine weitere Open-World mit Quest-Markern, sondern um eine Coming-of-Age-Geschichte mit deutlicher Genre-Handschrift. Crooks beschrieb die Vision 2023 als „Steven Spielberg trifft Stephen King“ – Vorortkulisse, Freundesclique auf Fahrrädern, unterschwelliger Schrecken, der sich langsam in den Alltag frisst. Die Handlung war fest in den 1980er Jahren verankert: Musik, Mode, Technik, alles auf Zeitreise getrimmt. Ein intern gezeigtes Sizzle-Reel transportierte genau diesen Ton, der schnell Assoziationen an ein „echtes“ Stranger-Things-Spiel weckte – nur mit stärkerem Fokus auf Figuren, Beziehungen und einer Stadt, die mit jedem Blick fremder wird.

Ungewisse Zukunft für weitere Teams

Nicht alle NetEase-Partner haben Klarheit. Jackalyptic Games arbeitet an einem MMO im Warhammer-Universum, doch offizielle Updates fehlen – die Gerüchteküche behauptet, dass Jack Emmert und sein Team bereits nach neuen Publishern Ausschau halten. Selbst große Namen scheinen nicht vor Einschnitten sicher: Berichten zufolge darf Toshihiro Nagoshi, der Schöpfer von Yakuza, sein Spiel zwar fertigstellen, doch für das Marketing will NetEase angeblich nicht mehr aufkommen. Die implizite Botschaft: „Wenn ihr shippen könnt, shippt – aber rechnet nicht mit einem langen Nachlauf.“

Warum die Kehrtwende jetzt?

Publisher legen selten alle Karten auf den Tisch, aber der Kontext ist deutlich. Produktionskosten steigen, Plattformökonomien verschieben sich, und der Markt ist hitgetrieben wie nie. Verzögerungen werden weniger verziehen, Portfolios werden verschlankt, und weltweit häufen sich Kündigungen und Projektabbrüche. Das erklärt zwar die Strategie, nicht jedoch die menschlichen Konsequenzen: Karrierewege brechen ab, Visa stehen auf der Kippe, Prototypen verschwinden in Datenarchiven. Dass ein grünes Licht aus 2022 im Jahr 2025 auf Rot springt, ist Ausdruck dieser tektonischen Verschiebungen.

Was passiert mit der Arbeit?

Bei Studio-Schließungen droht der „IP-Limbo“: wertvolle Assets verstauben, während Verhandlungsfenster zufallen. Bad Brain will das vermeiden, indem The Midnight Riders samt Technologie-Stack aktiv angeboten wird. Es gibt erprobte Routen: Ein Käufer erwirbt die Rechte und holt den Kern des Teams zurück; ein Publisher steigt als Co-Finanzierer ein; oder – wie bei T-Minus Zero – bleibt zumindest die Marke erhalten, um später neu aufzubauen. Doch die Uhr tickt: Ein harter Endtermin wie der 17. November verwandelt Due-Diligence-Prozesse in Sprints und drückt die Entscheidungslage.

Auswirkungen auf Spielerinnen, Spieler und Markt

Für das Publikum bedeutet das: weniger Veröffentlichungen im mittleren Budgetbereich – genau jene Spiele, die die Tonpalette jenseits endloser Fortsetzungen erweitern. Für den Markt entsteht die bekannte „Hantel-Form“: auf der einen Seite gigantische Live-Service-Wetten, auf der anderen Seite Mini-Indies; dazwischen ein zusammengequetschtes Segment, in dem erzählgetriebene Originale um lange Runways kämpfen. Wenn The Midnight Riders doch noch ein Zuhause findet, dann weil Partner den Wert von eigenständiger Weltgestaltung, klarer Zielgruppe und der anhaltenden 80er-Resonanz erkennen.

Fazit

Der Kurswechsel von NetEase hat aus großzügiger Anschubfinanzierung eine harte Konsolidierung gemacht. Bad Brains offener Appell – „Unsere Welt steht, lasst sie irgendwo fertig werden“ – bringt die Lage auf den Punkt. Hinter jeder Einstellung stehen nicht nur Budgets, sondern Teams, die an eine Idee geglaubt haben. Wenn die Branche mehr mutige, autorengetriebene Spiele will, braucht sie Finanzierungsmodelle, die ein paar verfehlte Meilensteine überleben – und Partner, die lang genug dabeibleiben, bis Spielerinnen und Spieler diese Welten endlich betreten können.

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1 kommentar

ZloyHater January 12, 2026 - 7:50 am

Uff, die 80er-Coming-of-Age-Idee klang so gut… echt schade 😭

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