
Galaxy S26 im Härtetest: hohe Ziele, teure Teile – schafft Samsung den Spagat 2026?
Für Samsungs Mobilgeschäft beginnt 2026 als Drahtseilakt. Die MX-Sparte peilt rund 130 Billionen Won Umsatz an, getragen von etwa 240 Millionen Smartphones und rund 27 Millionen Tablets. Der Star der Planung: die Galaxy-S26-Familie, für die knapp 35 Millionen Geräte im Gesamtjahr anvisiert werden – davon ambitionierte 24 Millionen bereits im ersten Halbjahr 2026. Obendrauf sollen die neuen Fold- und Flip-Modelle nach dem Juli-Release zusammen weitere rund 5 Millionen Einheiten liefern. Die Tonlage erinnert an die Glanzzeit 2013, als MX mit 133 Billionen Won einen Rekord markierte. Doch die Rahmenbedingungen sind heute ungleich rauer.
Der größte Gegenwind kommt von der Stückliste. Kernelemente eines Premium-Smartphones verteuern sich gleichzeitig: Applikationsprozessoren (APs) liegen im Jahresvergleich rund 12 % höher, Kameramodule etwa 8 %. Noch heftiger wirkt der Trend bei Arbeitsspeicher und Flash. Weil Rechenzentren für KI-Workloads enorme Mengen an HBM abziehen, bleibt in den DRAM-Fabs weniger Kapazität für Mobil-LPDDR. Die Folge: LPDDR5 wird teurer – ein 96-Gb-Baustein kostet gegenüber dem ersten Quartal 2025 etwa 16 % mehr. Selbst LPDDR4X, die ältere Option, kletterte seit Ende September um 7–12 % und liegt je nach Konfiguration im Jahresvergleich zu Q4 2024 um 76–158 % höher. In preissensiblen Geräten bildet Speicher/Storage ohnehin eine der größten Kostenpositionen – diese Sprünge schlagen voll durch.
Dass Hersteller reagieren, ist bereits sichtbar. Xiaomi hat den Preis des Redmi K90 angehoben; auch Oppo und Vivo sondieren Aufschläge. Banken und Marktforscher zeichnen ein ähnliches Bild: Smartphone-Bruttomargen bleiben voraussichtlich 12 bis 18 Monate unter Druck. TrendForce hob seine Prognose für konventionelle DRAM-Preise im vierten Quartal 2025 von zuvor 8–13 % auf 18–23 % an – mit Spielraum nach oben, falls KI-Server weiterziehen. Gleichzeitig deutet vieles auf ein angespanntes DRAM/NAND-Verhältnis im Jahr 2026 hin, was die Preisrunde verlängern dürfte.
Wie sich das im Regal anfühlt, zeigen Rechenbeispiele. Beim Redmi Note 14 (299 US-$) kostet die uMCP-Kombination aus 8 GB LPDDR4X und 256 GB UFS 2.2 inzwischen rund 49 US-$ – etwa 16 % des Verkaufspreises; vor einem Jahr lag der Anteil bei ungefähr 10 %. Beim günstigen Redmi 15C (119 US-$) stieg die 4 GB/128 GB-Konfiguration von rund 18 US-$ (15 % des Preises) auf etwa 27 US-$ (23 %). Diese Verschiebungen erklären, warum der Mittelbau des Marktes in Richtung teurerer Preisschilder driftet.
Und genau hier beginnt Samsungs Dilemma im Premium-Segment. Preisleitern sind relativ, nicht absolut. Wenn Mittelklasse und Einsteiger anziehen, hat das Flaggschiff zwei Optionen: Preis halten, um den wahrgenommenen Gegenwert gegenüber dem Mittelstand zu vergrößern – oder mit nach oben gehen und das Risiko einer „zu teuer für zu wenig Mehrwert“-Reaktion eingehen. In Korea hielt Samsung beim Galaxy S25 (256 GB) noch den S24-Preis. Für das S26 gilt ein identischer Kurs allerdings als unwahrscheinlich. Die nüchterne Mathematik: Steigen AP, Kamera, DRAM und NAND parallel, frisst Preisstabilität die Marge auf – oder sie erzwingt Einschnitte an anderer Stelle. Ausstattung kürzen beschädigt die Produktstory, Marketing kürzen bremst die Drehzahl – beides Gift, wenn 35 Millionen Einheiten das Ziel sind.
Wie könnte Samsung den Knoten lösen? Wahrscheinlich nicht mit einem großen Hebel, sondern mit vielen kleinen:
- Trade-in und Finanzierung als Puffer: Selbst wenn die UVP etwas steigt, lässt sich der „Monatsbetrag“ via großzügigem Eintausch alter Galaxy-Modelle und Betreiber-Ratenplänen vertraut halten.
- Speicher-Mix als Margenventil: Ein Einstiegs-S26 nahe am Vorjahrespreis, darüber fein abgestufte RAM/Storage-Schritte mit klar erkennbarem Nutzen – so wandert ein Teil der Nachfrage in profitablere SKUs.
- Regionale SKU-Tuning und Lieferantenmix: Wo sinnvoll, alternative Kameramodule oder Chipsets einsetzen, ohne die globale Heldengeschichte zu verwässern – das glättet lokale Kostenspitzen.
- Wertbundles zum Launch: Galaxy Buds als Beigabe, Cloud-Speicher für mehrere Monate, vielleicht in einzelnen Ländern ein Ladegerät im Karton: geringe Herstellkosten, hoher wahrgenommener Mehrwert.
- KI, die man spürt – nicht nur hört: Live-Übersetzung in Anrufen, robustere Nachtfotos dank Multiframe-Fusion, smarte Schreib- und Videoschnitt-Hilfen, spürbar bessere Laufzeitsteuerung. Wenn das täglich Zeit spart, toleriert der Kunde moderate Aufpreise.
Natürlich bleiben Risiken. Die Nachfrage im Android-Premium-Segment ist elastisch. Chinesische Konkurrenten liefern rasante Ladezeiten und starke Kameras oft zu einem niedrigeren Ticket. Wenn die gefühlte Qualitätsdifferenz kleiner ist als der Preisabstand, verliert Samsung Boden. Wechselkurse können moderate Aufschläge in heimischer Währung schmerzhaft vergrößern. Und hält die HBM-Welle an, bleibt die DRAM-Knappheit länger akut – mit entsprechend zähem Preisplateau bei LPDDR.
Wie sähe ein „gelungenes“ Jahr aus? Gelingt es, im ersten Halbjahr nahe an die 24 Millionen S26 zu kommen und die Foldables nach dem Juli-Start bei rund 5 Millionen zu halten, sind die 35 Millionen S26 über das Gesamtjahr erreichbar. Voraussetzung: straffe Kanalsteuerung. Keine Ausreißer bei Farben und Speichergrößen, die alle wollen; keine Panikrabatte, die Käufer an „warte auf den Sale“ gewöhnen; fein austarierte Kampagnen je Region. Hinter den Kulissen zählen früh fixierte Speicher- und NAND-Kontingente samt Preis-Hedging. Denn ein paar eingesparte Dollar pro Gerät werden auf Millionenstückzahlen zu echtem Ergebnishebel.
Bleibt der Realitätscheck aus der Community: Steigt der Preis ohne klar fühlbaren Mehrwert, knickt die Nachfrage ein. Beim S25 kam die Preiskonstanz gut an – das Echo ist noch im Markt. Wer 2026 weiterhin bei einer Einstiegsvariante mit 8/128 bleibt, dürfte Gegenwind spüren; viele sehen 12/256 auf Top-Niveau als zeitgemäßes Minimum. Dazu gibt es konkrete Wünsche: verlässlicher Nachtmodus, zwei Tage Laufzeit bei normalem Einsatz, keine Performance-Erosion über Updates hinweg. Im Foldable-Lager gilt Ähnliches: Der Flip begeistert, aber außerhalb der USA ist die Schmerzgrenze schnell erreicht.
Fazit: Samsung plant die Rückkehr in die Offensive in einem der ungemütlichsten Phasen des Komponentenzyklus. Marke, Reichweite und Engineering sind starke Trümpfe – entscheiden wird am Ende die Balance aus Preis und spürbarem Nutzen. Wenn das Galaxy S26 einen etwaigen Aufpreis in sofort erlebbare Vorteile übersetzt, wird aus der Zielmarke 2026 eine plausible Kurve nach oben. Wenn nicht, bestimmt der Markt die Spielregeln – schneller, als es einer Jahresplanung lieb ist.
1 kommentar
S25 hielt den Preis und lief gut. Beim S26 wird’s eng, wenn es teurer wird ohne „Aha-Erlebnis“