
Rockstar, Leaks und Arbeitsrecht: Was die Entlassungen für GTA VI bedeuten
Rockstar Games hat jüngst eine bemerkenswerte Personalentscheidung verteidigt: Zwischen dreißig und vierzig Entwicklerinnen und Entwickler sollen in Studios in Kanada und Großbritannien ihren Job verloren haben. Laut einem Unternehmenssprecher habe man Personen entlassen, die „in einem öffentlichen Forum vertrauliche Informationen verbreitet oder diskutiert“ hätten – ein klarer Verstoß gegen interne Sicherheitsrichtlinien. Der britische Gewerkschaftsverband IWGB sieht darin hingegen kein Sicherheits-, sondern ein Arbeitsrechts-Thema: Die Betroffenen seien aktive Organisierende gewesen, und die Kündigungen sollten eine mögliche gewerkschaftliche Vertretung ausbremsen. Der Verband kündigte rechtliche Schritte an und demonstriert vor dem Take-Two House, 30 Cleveland Street, in London – aus Solidarität mit den Entlassenen.
Im Kern prallen hier zwei Realitäten aufeinander, die in der Spielebranche seit Jahren nebeneinander bestehen: Studios wachen zunehmend drakonisch über noch unveröffentlichte Inhalte, während Beschäftigte das Recht haben, sich zu organisieren und bessere Bedingungen einzufordern. Der Verweis auf „öffentliche Foren“ ist für GTA-Fans kein Zufall: Plattformen wie GTAForums sind seit jeher Sammelbecken für Gerüchte, Teaser und gelegentliche Leaks. Ein riesiger neuer Leak ist dort jüngst zwar nicht sichtbar gewesen, doch die Erfahrung sitzt tief: Am 18. September 2022 traf Rockstar der größte Sicherheitsvorfall seiner Geschichte rund um GTA VI. Damals betonte Take-Two-Chef Strauss Zelnick, die Entwicklung bleibe auf Kurs – seither fährt Rockstar allerdings eine Null-Toleranz-Linie mit strengeren Zugriffsrechten und harten Konsequenzen.
Juristisch könnte der Fall weitreichend werden. Der IWGB-Präsident Alex Marshall wirft dem Management vor, Beschäftigte wegen privater Gespräche über Mitbestimmung ins Visier genommen zu haben. Im britischen Arbeitsrecht sind Kündigungen im Zusammenhang mit gewerkschaftlicher Betätigung angreifbar. Entscheidend wird deshalb die Beweisführung: Ging es um Organizing – oder tatsächlich um das Teilen von Inhalten, die unter NDA fallen? Rockstar behauptet Letzteres, der IWGB Ersteres. Bis belastbare Dokumente, interne Protokolle oder Urteile vorliegen, werden beide Narrative nebeneinander existieren und die Debatte über Grenzen von Loyalität, Whistleblowing und kollektiven Rechten weiter anheizen.
Parallel blickt die Community auf den Release-Fahrplan. Statt des früher anvisierten Fensters „Herbst 2025“ steht nun der 26. Mai 2026 im Kalender – zunächst für PlayStation 5 sowie Xbox Series X|S. Dass Rockstar bei Bedarf verschiebt, ist historisch belegt; „fertig, wenn es fertig ist“ bleibt die DNA der Marke. Eine PC-Version dürfte wieder nach den Konsolen folgen; in der Branche kursiert die Hoffnung, die Wartezeit könne diesmal kürzer ausfallen, auch wenn es dafür noch keine offizielle Bestätigung gibt. Vor diesem Hintergrund erscheint der Sicherheitskurs der Firma als kalkulierte Risikominimierung: Ein substantieller Leak jetzt würde nicht nur Storybeats ruinieren, sondern Kampagnenrhythmus, Partnerpläne und Erwartungsmanagement Richtung Börse durcheinanderbringen.
Inhaltlich wird über die Tonalität gestritten. Ein Teil der Fans fürchtet eine weichgespülte Satire – GTA war stets bissig und „gleich verteilter“ Spott gehörte zum Markenkern. Andere wünschen sich vor allem einen Simulationssprung: spürbar klügere NPCs, glaubwürdige Routinen, eine Stadt, die nicht nach Script, sondern nach System reagiert. Gerüchte über besonders smarte NPC-Verhaltensmodelle befeuern die Fantasie, bleiben aber unbestätigt. Klar ist: Die Messlatte liegt weniger bei Spiegelungen in Pfützen als bei emergentem Verhalten, das sich organisch anfühlt und jede Session anders wirken lässt.
Auch die Marktperspektive zählt. Der Leak von 2022 zeigte, wie schnell Stimmungen kippen können: Schlagzeilen dominieren, Kurse von Take-Two reagieren kurzfristig, Diskussionen entgleiten dem offiziellen Messaging. Langfristig entscheiden natürlich Pipeline, Qualität und Monetarisierung – kurzfristig aber zwingt Volatilität die Führungsetagen zu strengen Kontrollen: fein granulierte Berechtigungen, Asset-Tracking, forensische Audits, interne Untersuchungen. In verteilten Teams mit Hunderten Teilprojekten kann eine Unachtsamkeit zur Kettenreaktion werden.
Wie geht es weiter? Gelingt Rockstar der Nachweis, dass vertrauliche Materialien tatsächlich öffentlich geteilt wurden, könnten die Kündigungen Bestand haben. Belegt der IWGB hingegen, dass primär gewerkschaftliche Aktivität sanktioniert wurde, ist ein Präzedenzfall für britische AAA-Studios denkbar – mit Signalwirkung für Policies in der gesamten Branche. Für Spielende bleibt die Gleichung einfacher: Bis 2026 ist mit kontrollierten Häppchen, strikter Kommunikationsdisziplin und einem Produktionsbetrieb hinter dickem Glas zu rechnen. Im Idealfall schützt diese Abschottung Überraschungen, ohne die Kreativität zu erdrosseln – damit GTA VI nicht nur das meist erwartete, sondern auch das lebendigste Kapitel der Reihe wird.
3 kommentare
Wenn die NPC-Gerüchte ansatzweise stimmen, tschüss Wochenende 😂
Job riskieren für nen Leak und dann Überraschung spielen? Der Markt ist grad gnadenlos, sorry
Wenn’s wirklich um Gewerkschaft ging, wird das ne Lehrstunde im britischen Arbeitsrecht