OpenAI rückt ChatGPT ein Stück näher an den Alltag von Teams, Freundesgruppen und Familien heran: Mit dem neuen Pilotprojekt für Gruppenchats wird der Assistent vom privaten Helfer zum festen Mitglied einer Unterhaltung. Statt Antworten aus dem Chat zu kopieren und in Messenger-Gruppen einzufügen, können jetzt alle direkt gemeinsam mit ChatGPT in einem einzigen Thread diskutieren – egal ob es um Urlaubsplanung, Projektarbeit oder die ewig gleiche Frage geht, welche Pizza bestellt wird.
Ein ChatGPT-Gruppenchat ist im Kern ein gemeinsamer Raum, in dem mehrere Menschen und die KI denselben Verlauf sehen. 
Jede Gruppe hat ihr eigenes Protokoll, ihre eigenen Einstellungen und ihre eigene Teilnehmerliste. Deine bisherigen Einzelchats bleiben unverändert bestehen; der Gruppenchat ist ein zusätzliches Format, keine riskante Umbauaktion. So lässt sich klar trennen zwischen persönlichem Austausch mit der KI und Gesprächen, in denen mehrere Menschen beteiligt sind.
So startest du einen ChatGPT-Gruppenchat
Der Einstieg ist bewusst unkompliziert gehalten. In der Weboberfläche oder in der mobilen App öffnest du einen neuen oder bestehenden Chat und tippst oben rechts auf das Personen-Icon. Dort kannst du direkt einen neuen Gruppenchat anlegen oder aus einer bestehenden Unterhaltung eine Gruppe erzeugen. In diesem Fall wird eine Kopie der bisherigen Konversation erstellt, die als neuer Gruppenchat weiterläuft, während der ursprüngliche Einzelchat unverändert in deiner Seitenleiste bleibt.
Neue Teilnehmer gelangen über einen Einladungslink in die Gruppe. Laut OpenAI lassen sich bis zu 20 Personen einladen, und jeder, der bereits in der Gruppe ist, darf den Link weitergeben, bis das Limit erreicht ist. Beim ersten Erstellen oder Beitreten wirst du gebeten, ein kurzes Profil einzurichten: Name, Benutzername und ein Foto. Dadurch wird sofort klar, wer sich hinter welcher Nachricht verbirgt – gerade in lebhaften Diskussionen ein spürbarer Vorteil.
Alle Gruppenchats tauchen gesammelt in der Seitenleiste auf, getrennt von deinen Einzelchats. So findest du laufende Projektgruppen, Freundesrunden oder Familien-Chats mit einem Klick wieder. Ein Blick auf Namen und Profilbilder reicht meist, um zu erkennen, welcher Gruppenchat für welches Thema gedacht ist.
Rollen, Rechte und Moderation
Die Verwaltung der Teilnehmer orientiert sich an gewohnten Messenger-Funktionen. Alle Mitglieder können die aktuelle Teilnehmerliste einsehen und die Gruppe jederzeit verlassen. Außerdem besteht die Möglichkeit, andere Teilnehmer zu entfernen, wenn eine Diskussion aus dem Ruder läuft oder jemand versehentlich eingeladen wurde. Eine Ausnahme bleibt: Der ursprüngliche Ersteller der Gruppe kann nicht einfach herausgeworfen werden, sondern nur selbst aktiv gehen. Damit bleibt die Person, die die Gruppe ins Leben gerufen hat, immer in der Lage, Verantwortung für die Runde zu übernehmen.
Wie ChatGPT sich in der Gruppe verhält
Technisch arbeiten die Antworten im Gruppenchat mit ChatGPT 5.1 Auto. Das heißt: Der Dienst wählt automatisch das passende Modell, abhängig von der Anfrage und dem Abo-Typ der Person, der gerade geholfen wird – egal ob Free, Go, Plus oder Pro. Funktionen wie Recherche, Zusammenfassungen, Code-Beispiele, Textentwürfe oder kreative Ideen stehen weiterhin zur Verfügung, nur eben jetzt im Kontext einer Gruppe statt im eins-zu-eins-Chat.
Auch die Nutzungsbegrenzungen wurden an das Gruppenszenario angepasst. Nachrichten zwischen den menschlichen Teilnehmern zählen nicht gegen ein Limit. Gezählt werden ausschließlich die Momente, in denen ChatGPT selbst antwortet. Verrechnet wird dies mit dem Kontingent der Person, deren Eingabe gerade beantwortet wird. Das bedeutet: Die Gruppe kann so viel schreiben, wie sie möchte, während ChatGPT nur punktuell einspringt und keine gemeinsamen „Gruppen-Limits“ verbraucht.
Damit die Unterhaltung nicht von der KI dominiert wird, hat OpenAI ChatGPT neue soziale Verhaltensweisen beigebracht. Im Gruppenchat versucht der Assistent zuerst zu erkennen, ob wirklich eine Frage an ihn gerichtet ist oder ob sich die Menschen gerade untereinander austauschen. Nur wenn er eine klare Hilfsanfrage sieht – oder ausdrücklich erwähnt wird – meldet er sich mit einer Antwort. Wer sicher gehen will, erwähnt einfach den Namen „ChatGPT“ in der Nachricht oder antwortet direkt auf eine frühere KI-Antwort, um den Assistenten gezielt ins Gespräch zu holen.
Emojis, Persönlichkeit und Gruppen-Anweisungen
Damit das Ganze weniger nach trockenem Tool und mehr nach lebendiger Unterhaltung wirkt, kann ChatGPT in Gruppenchats mit Emojis auf Nachrichten reagieren. Das wirkt oft überraschend menschlich – und lockert Diskussionen auf, ohne jedes Mal einen langen Text liefern zu müssen. Außerdem kann der Assistent auf Profilfotos Bezug nehmen, wenn du etwa einen humorvollen Team-Steckbrief oder eine kreative Rollenverteilung für ein Event erstellen lassen möchtest.
Besonders spannend sind individuelle Anweisungen pro Gruppe. Du kannst ChatGPT in einem Projekt-Chat beispielsweise anweisen, wie ein strenger Projektleiter aufzutreten: strukturiert, knapp, mit Fokus auf Aufgaben, Deadlines und Zuständigkeiten. In einer Freundesgruppe darf die KI dagegen locker, verspielt und reiseaffin auftreten, mit Fokus auf Insider-Tipps, Restaurantvorschläge oder Ideen für gemeinsame Aktivitäten. Diese Regeln gelten nur für den jeweiligen Gruppenchat und verändern nicht dein generelles Profil oder Verhalten der KI in anderen Unterhaltungen.
Datenschutz, Erinnerung und Schutz jüngerer Nutzer
Ein wichtiger Punkt betrifft die Frage: Was merkt sich ChatGPT aus Gruppen? Laut OpenAI wird die persönliche ChatGPT-Memory in Gruppenchats weder verwendet noch aus diesen Unterhaltungen befüllt. Gespräche in Gruppen bleiben also von der langfristigen Erinnerung des Assistenten abgekoppelt. Parallel arbeitet OpenAI an feineren Einstellungen, mit denen Nutzer künftig selbst steuern können sollen, ob und wie Gruppenchats mit der Memory-Funktion interagieren dürfen.
Sobald eine Person unter 18 Jahren an einem Gruppenchat teilnimmt, schaltet das System automatisch in einen vorsichtigeren Modus. Inhalte mit sensiblem Charakter werden stärker gefiltert – und zwar für alle in dieser Gruppe, nicht nur für die jüngere Person. Der Gedanke dahinter: Sobald Minderjährige im Raum sind, sollen alle Antworten ein höheres Sicherheitsniveau einhalten.
Verfügbarkeit und Bedeutung für den Alltag
Aktuell läuft der Gruppenchat nur als Pilot in ausgewählten Regionen. Angemeldete Nutzer der Tarife Free, Go, Plus und Pro in Japan, Taiwan, Neuseeland und Südkorea können die Funktion auf Web und Mobilgeräten nutzen. Auf Basis des Feedbacks will OpenAI entscheiden, wie schnell und in welcher Form das Feature in weitere Länder ausgerollt wird.
Schon jetzt deutet sich an, wohin die Reise geht: Weg von der KI als isoliertem „Geheimtipp“ einer einzelnen Person hin zu einem gemeinsamen Werkzeug für ganze Gruppen. Wenn alle dieselben Antworten und Vorschläge sehen, werden Missverständnisse seltener, Entscheidungen transparenter und Diskussionen strukturierter. Gelingt es OpenAI, die Gruppenfunktionen weiter auszubauen – etwa mit mehr Steuerungsmöglichkeiten, feineren Rollen und flexibler Memory – könnte der ChatGPT-Gruppenchat zu einem zentralen Baustein werden, wie wir KI im Arbeitsalltag, in Studiengruppen oder in Freundeskreisen einsetzen.
3 kommentare
KI, die mit Emojis reagiert… warte nur drauf, bis sie passiv-aggressive Reaktionen verteilt 🙃
Feier ich, dass die Memory in Gruppen nicht aktiv ist, fühlt sich deutlich weniger creepy an
Wenn das in Deutschland live geht, wird der „Streber der Lerngruppe“ offiziell ein Bot sein