Wer dachte, zwei der rätselhaftesten Sci-Fi-Projekte dieser Konsolengeneration seien endgültig im Entwicklungs-Nirwana verschwunden, darf wieder hoffen: Die südkoreanische Prüfbehörde GRAC (Game Rating and Administration Committee) hat Pragmata und Romeo Is a Dead Man offiziell eingestuft. 
Für die Branche ist das deutlich mehr als eine Formalität – in Korea bekommt ein Spiel in der Regel erst dann ein Rating, wenn der Content weitgehend fertig ist und der Release-Fahrplan steht.
Entdeckt wurden die Einträge von Gematsu und anschließend über soziale Netzwerke und Foren verbreitet. Wer den koreanischen Markt kennt, weiß: GRAC-Bewertungen sind so etwas wie der letzte große Checkpoint, bevor Vorbestellungen und Marketing voll hochgefahren werden. Dass nun sowohl Pragmata als auch Romeo Is a Dead Man auf dieser Liste stehen, ist ein ziemlich klares Signal: Beide Titel bewegen sich in die Zielgerade und sind keine vagen PowerPoint-Träume mehr.
Pragmata hat bisher eine regelrechte Achterbahngeschichte hinter sich. Capcom kündigte das neue Sci-Fi-Universum im Juni 2020 im Rahmen der frühen PS5- und Xbox-Series-Präsentationen an. Der erste Teaser – ein Astronaut, ein mysteriöses Mädchen und eine verzerrte Stadt unter einer Art Kuppel – wirkte wie ein Versprechen auf etwas komplett Neues und Mutiges. Ursprünglich war von einem Release 2022 die Rede, doch es folgten Verzögerungen, Funkstille und irgendwann der Eindruck, das Projekt sei intern vielleicht entgleist.
2025 begann Capcom, dieses Bild aktiv zu korrigieren. Ein ausführlicher Gameplay-Trailer zeigte endlich, wohin die Reise gehen soll: ein Third-Person-Action-Adventure mit ruhigen Momenten, in denen die Beziehung zwischen Protagonist Hugh und der Androidin Diana im Mittelpunkt steht, aber auch mit intensiven Kämpfen gegen abtrünnige Drohnen, schwer bewaffnete Roboter und andere KI-gesteuerte Gegner. Auf der Gamescom 2025 durften Medienvertreter eine längere Demo sehen, inklusive Abschnitten in orbitalen Anlagen, Bereichen mit veränderter Schwerkraft und surrealen Landschaften, die eher zum Nachdenken anregen als nur zum Dauerfeuer.
Gleichzeitig nutzte Capcom die Bühne, um eine hartnäckige Fan-Theorie zu beerdigen: Nein, Pragmata ist kein geheimer Mega-Man-Ableger und auch kein versteckter Teil eines bestehenden Capcom-Universums. Der Publisher betonte mehrfach, dass es sich um eine komplett neue IP mit eigenem Kanon, eigener Mythologie und eigenem Tonfall handelt. Die Einstufung durch die GRAC passt dazu: Das Spiel wurde für Spieler ab 12 Jahren freigegeben. Laut Beschreibung geht es um eine Action-Adventure-Reise von Hugh und Diana, die sich zusammenschließen, um feindliche KI-Systeme und Maschinen zu bekämpfen und irgendwie zur Erde zurückzukehren. Gewalt ist zwar vorhanden, richtet sich aber primär gegen mechanische Gegner und verzichtet auf überzogene Splatter-Effekte.
Romeo Is a Dead Man schlägt eine völlig andere Richtung ein. Der Titel entsteht bei Grasshopper Manufacture unter der kreativen Leitung von Goichi Suda, besser bekannt als “Suda51”. Wer schon einmal Killer7 oder No More Heroes gespielt hat, weiß: Dieser Entwickler steht für radikale Stilbrüche, grelle Inszenierung, schwarzhumorige Gewalt und Szenen, die man entweder liebt oder fassungslos anschaut.
Die GRAC-Beschreibung für Romeo Is a Dead Man liest sich entsprechend deutlich. Das Spiel wurde für Minderjährige komplett gesperrt und mit heftiger, detaillierter Gewaltdarstellung, häufigen Blutspritzern, expliziten körperlichen Verletzungen und einem Horror-Flair begründet, das gezielt Ekel und Angst erzeugen soll. Im Zentrum steht Romeo Stargazer, ein FBI-Space-Time-Special-Agent mit dem Codenamen Deadman, der Verbrecher jagt, die mithilfe von Zeitparadoxen durch verschiedene Epochen fliehen. Erwähnt werden der Einsatz verschiedenster Waffen, brutale Auseinandersetzungen quer durch Raum und Zeit und Dialoge, die nicht mit vulgärer Sprache sparen. Genau die Art Mischung also, die Fans von Suda51 erwarten – und die jedem USK-Prüfer sofort die Stirn runzeln lassen dürfte.
Für Anhänger von Grasshoppers schrägen Kulttiteln klingt das nach einem Wunschpaket: Ein Spiel, das sich konsequent weigert, massentauglich zu sein, und stattdessen bewusst aneckt. Romeo Is a Dead Man hat das Potenzial, zu einem dieser Spiele zu werden, die nie die ganz großen Verkaufszahlen knacken, aber über Jahre hinweg als Geheimtipp gehandelt und in langen Foren-Threads seziert werden.
Spannend ist allerdings nicht nur, was die GRAC schreibt, sondern wann. In den letzten Jahren hat sich ein klares Muster abgezeichnet: Große Titel werden in Südkorea eher spät eingestuft. Death Stranding 2: On the Beach erhielt sein Rating nur wenige Monate vor Release, und Beyond Good and Evil Anniversary Edition wurde 2024 ebenfalls kurz vor Veröffentlichung klassifiziert. Vor diesem Hintergrund wirkt es sehr plausibel, dass Capcom und Grasshopper ihre Sci-Fi-Projekte bereits fest im Release-Kalender haben.
Am wahrscheinlichsten ist eine Veröffentlichung in der ersten Jahreshälfte 2026. Für Capcom ergibt das ein sehr rundes Bild: Resident Evil Requiem ist bereits auf den 27. Februar 2026 datiert und deckt das Horror-Segment ab. Pragmata könnte das große Story-getriebene Sci-Fi-Abenteuer für Frühjahr oder Frühsommer werden, während Onimusha: Way of the Sword die zweite Jahreshälfte mit stylischer Samurai-Action füllt. Ein dichtes Programm, das deutlich macht, wie offensiv Capcom im nächsten Jahr auftreten will.
Romeo Is a Dead Man fügt sich als völlig anders gefärbter Akzent in dieses Gesamtbild ein. Während Pragmata auf stille Momente, Einsamkeit im All und nachdenkliche Töne setzt, wirkt Grasshoppers Projekt wie ein spielbarer Mitternachtsfilm: laut, blutig, zynisch – und garantiert nicht darauf ausgelegt, allen zu gefallen. Genau dieser Kontrast dürfte allerdings dafür sorgen, dass beide Spiele 2026 viel Gesprächsstoff liefern.
Als nächster logischer Schritt drängt sich The Game Awards auf. Die Show hat sich zur bevorzugten Bühne für konkrete Release-Termine, World-Premiere-Trailer und längere Gameplay-Präsentationen entwickelt. Jetzt, da die koreanischen Ratings feststehen und Publisher ihre 2026-Strategien sortieren, wäre das Event der perfekte Ort, um konkrete Erscheinungstermine für Pragmata und Romeo Is a Dead Man zu nennen – und gleichzeitig neue, ausführlichere Einblicke zu geben.
Egal, welche Monate Capcom und Grasshopper am Ende im Kalender markieren: Die Phase der reinen Spekulation ist vorbei. Mit den GRAC-Einstufungen sind Pragmata und Romeo Is a Dead Man von vagen Hoffnungsträgern zu realen Releases geworden, die sich klar am Horizont des Jahres 2026 abzeichnen. Für Fans von Sci-Fi, Horror und eigenwilligen Autoren-Games dürfte das kommende Jahr damit zu einem der spannendsten der gesamten Generation werden.
2 kommentare
Ich war fest überzeugt, dass Pragmata heimlich eingestellt wurde – und dann kommt plötzlich das Korea-Rating um die Ecke 😂
Wenn die bei den Game Awards wirklich die Releasedates droppen, war’s das wieder mit Schlaf in dieser Nacht