Startseite » Nicht kategorisiert » Max Payne 2 RTX Remix zeigt, wie gnadenlos Path Tracing die Performance auffrisst

Max Payne 2 RTX Remix zeigt, wie gnadenlos Path Tracing die Performance auffrisst

von ytools
1 kommentar 3 ansichten

Path Tracing steht inzwischen für die absolute Oberklasse bei Beleuchtung in PC-Spielen: physikalisch korrekte Lichtberechnung, realistische Reflexionen, weiche Schatten, die auf jede kleine Bewegung reagieren. Doch sobald man diese Technik ohne tiefgreifende Optimierung über einen alten Spieleklassiker stülpt, kippt das Ganze schnell: Das Bild sieht fantastisch aus, aber die Performance bricht brutal ein.
Max Payne 2 RTX Remix zeigt, wie gnadenlos Path Tracing die Performance auffrisst
Genau das zeigt aktuell der neue RTX-Remix-Mod für Max Payne 2, der vollständiges Path Tracing in die frühen Kapitel des Noir-Shooters bringt und den Titel von 2003 optisch fast in die Gegenwart zieht.

Im Vergleichsvideo von MxBenchmarkPC laufen die Originalversion und die gemoddete Fassung Seite an Seite – und der Unterschied springt sofort ins Auge. Die Vanilla-Version wirkt, selbst in 4K, wie ein typisches Spiel der frühen 2000er: scharfe Texturen, aber einfache Beleuchtung, harte Schatten, flache Innenräume. Mit RTX Remix aktiviert verändert sich die Atmosphäre komplett: indirektes Licht füllt Flure und Zimmer, Lampen erzeugen realistische Reflexe auf nassen Böden, Neon-Schilder werfen farbige Lichthöfe an die Wände, und jeder Schuss sorgt dafür, dass Schatten lebendig mitflackern. Auf Screenshots könnte man fast meinen, es handle sich um ein modernes Remake und nicht um ein Spiel, das viele noch von der alten DVD im Regal kennen.

Die Kehrseite dieser Grafikpracht ist allerdings dramatisch. Auf einem System mit einer RTX 5080 klettert die FPS-Zahl im originalen Max Payne 2 locker in den vierstelligen Bereich – in manchen Szenen sind rund 1.255 Bilder pro Sekunde drin, das Spiel ist für heutige Hardware schlicht lächerlich leicht. Schaltet man dagegen die RTX-Remix-Version mit vollem Path Tracing bei 4K und NVIDIA DLSS im Performance-Modus ein, bricht die Bildrate in denselben Szenen auf etwa 38 FPS ein. In der Praxis bedeutet das einen Verlust von über 1.200 Bildern pro Sekunde, also grob 97 Prozent weniger Rohleistung. Erst mit aktivierter Frame Generation kratzt das Spiel wieder an einer halbwegs komfortablen Marke oberhalb von 60 FPS – dem Wert, den viele als Minimum für ein flüssiges Action-Erlebnis ansehen.

Max Payne 2 ist damit keineswegs ein Ausreißer, sondern eher ein Lehrbuchbeispiel dafür, was passiert, wenn man vollständiges Path Tracing nachträglich auf alte Engines loslässt. Der erste Max Payne verliert in seiner eigenen RTX-Variante ähnlich viele Frames und rutscht von „jenseits der 1000 FPS“ auf Werte, die eher an Konsolen-Frameraten erinnern. Fanprojekte für Black Mesa oder Left 4 Dead 2 zeigen ein fast identisches Muster: spektakuläre Lichtstimmungen, filmreife Szenen – aber eine Performance, die ohne aggressives Upscaling und aktuelle High-End-GPUs kaum noch massentauglich ist.

Auf der anderen Seite stehen moderne Blockbuster, die Path Tracing von Anfang an im Design mitdenken. Alan Wake 2 und Cyberpunk 2077 sind Paradebeispiele dafür, dass die Technik zwar fordernd bleibt, aber mit viel Optimierung durchaus spielbar wird. Hier investieren Studios massiv in Engine-Tuning: begrenzte Ray-Anzahlen pro Pixel, ausgefeilte Denoiser, tief integriertes DLSS, umfangreiche Qualitäts-Presets je nach Szene. Anstatt einfach einen globalen „Path-Tracing-Schalter“ umzulegen, wird die Technik gezielt in den Renderpfad eingewoben, um deutlich bessere Bildqualität zu liefern, ohne dass jede Szene zur Diashow verkommt.

RTX-Remix-Mods bewegen sich dagegen in einer völlig anderen Realität. Es sind Leidenschaftsprojekte von kleinen Teams oder einzelnen Moddern, meist ohne Zugriff auf Quellcode, ohne interne Tools und ohne Produktionsbudgets im Millionenbereich. Das Ergebnis ist ein spannender, aber harter Kompromiss: Visuell entstehen Remaster, die viele offizielle Neuauflagen locker in den Schatten stellen – technisch sind sie jedoch für eine sehr kleine Zielgruppe gedacht, die mit Monster-GPUs spielt und bereit ist, massive FPS-Einbrüche in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig gibt es eine nicht zu unterschätzende Gruppe von PC-Veteranen, die mit der alten Fassung völlig zufrieden ist: Original-CD oder -DVD einlegen, installieren, keine Launcher, kein aggressives DRM, keine „moderne“ Interpretation von Remedy – und das Spiel rennt mit dreistelligen FPS-Zahlen.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Tech-Overkill positionieren sich die RTX-Remix-Remaster. Auf der einen Seite steht die klassische Erfahrung: Max Payne 2 einfach in hoher Auflösung und mit extrem stabiler Bildrate genießen. Auf der anderen Seite lockt eine experimentelle Version mit cineastischer Beleuchtung, die New York in ein modernes Noir-Setting verwandelt, dafür aber selbst teure Grafikkarten zum Schwitzen bringt. Grand Theft Auto 4 ist ein gutes Beispiel dafür, wohin die Reise gehen könnte: Betrachtet man die Remaster-Politik von Rockstar der letzten Jahre, wirkt ein offizielles Path Tracing-Update eher unrealistisch – gleichzeitig schreien die regennassen Straßen von Liberty City förmlich nach dieser Art von Beleuchtung in einem ambitionierten Fan-Mod.

Im Moment sind Projekte wie der Max Payne 2 RTX Remix vor allem ein Blick in die Zukunft der Spielepflege auf dem PC. Sie zeigen, was passiert, wenn man Klassiker nicht nur skaliert, sondern mit den aktuell härtesten Grafiktechnologien neu ausleuchtet. Praktisch sind diese Mods noch nicht der bequemste Weg, um alte Shooter durchzuspielen, doch je stärker GPUs werden und je besser DLSS und Frame Generation funktionieren, desto größer ist die Chance, dass aus diesen inoffiziellen Overhauls irgendwann die faktischen „Definitive Editions“ jener Spiele werden, die Publisher selbst längst abgehakt haben.

Das könnte Ihnen auch gefallen

1 kommentar

8Elite November 19, 2025 - 7:43 pm

Warten wir auf die RTX 9080 oder wie auch immer sie heißt – dann rennen die alten Games mit Path Tracing vielleicht endlich mit dreistelligen FPS 😏

Antworten

Einen Kommentar hinterlassen