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Horizon Steel Frontiers: Das Rätsel um die fehlende PS5-Version

von ytools
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Horizon-Fans haben lange darauf gewartet, jetzt ist es offiziell: Mit Horizon Steel Frontiers bekommt das postapokalyptische Universum von Guerrilla Games ein eigenes MMO. Riesige Maschinen, vertraute Stämme, Hightech-Bögen, Koop-Schlachten – alles sieht genau so aus, wie man sich eine Online-Variante von Horizon vorstellt.
Horizon Steel Frontiers: Das Rätsel um die fehlende PS5-Version
Doch statt Jubel über Gameplay-Details oder Story dreht sich die Diskussion vor allem um eine unbequeme Frage: Warum erscheint ausgerechnet dieses Horizon-Spiel nicht direkt auf der PS5?

Auf dem Papier wirkt das nämlich völlig unlogisch. Horizon ist eine Markenikone von PlayStation, ein Aushängeschild der Sony-Studios. Guerrilla Games gehört zu PlayStation Studios, also zur ersten Reihe der hauseigenen Entwickler. Und NCSoft ist kein Newcomer, sondern ein Schwergewicht im MMO-Bereich, mit jahrzehntelanger Erfahrung im Betrieb von Online-Welten. Trotzdem nennt der erste offizielle Auftritt von Horizon Steel Frontiers nur PC und Mobile als Zielplattformen – die PS5 fehlt komplett.

Ein Interview mit dem japanischen Magazin 4Gamer, das später von westlichen Seiten aufgegriffen wurde, wirft nun ein spannendes Licht auf die Situation. Dort wird NCSofts Executive Producer Lee Song direkt gefragt, was hinter der fehlenden PS5-Version steckt. Seine Antwort ist bemerkenswert offen: Aus Sicht von NCSoft gäbe es keinen Grund, das Spiel nicht auf der PS5 zu veröffentlichen. Man würde Horizon Steel Frontiers sehr gern auf Sonys Konsole bringen, betont er. Weder technisch noch strategisch blockiere das Studio selbst diese Plattform.

Der entscheidende Punkt liegt an anderer Stelle: NCSoft besitzt die Marke Horizon nicht. Die Rechte am Universum, an den Figuren und am Namen liegen vollständig bei Sony. Das bedeutet, dass die letzte Entscheidung, wo Steel Frontiers erscheinen darf und wo nicht, bei Sony liegt. Lee Song macht klar, dass NCSoft das Thema PS5 nicht allein bestimmen kann und weitere Gespräche mit Sony nötig sind. Übersetzt heißt das: Die Entwickler sind bereit, aber ohne grünes Licht von Sony landet kein PS5-Logo im Trailer.

Damit verlagert sich die Diskussion automatisch: Nicht NCSoft muss erklären, warum die PS5 außen vor bleibt – sondern Sony. Offizielle Gründe gibt es bisher nicht, doch Sonys jüngste Strategie liefert einige mögliche Erklärungen. Der Konzern spricht seit Jahren davon, über die klassische Konsolen-Schiene hinauszuwachsen: mehr PC-Releases, neue Mobile-Projekte, ein stärkerer Fokus auf Live-Service-Titel. Ein großes Horizon-MMO zuerst auf PC und Smartphones zu starten, passt erstaunlich gut in dieses Bild.

Eine Lesart: Sony will zunächst dort Reichweite aufbauen, wo man bisher nicht so dominant ist. Wer Horizon sowieso mit Singleplayer-Epen wie Zero Dawn oder Forbidden West auf der PlayStation verbindet, wird vermutlich auch später noch auf eine PS5-Version von Steel Frontiers aufspringen. Die spannendere Frage aus Sonys Sicht ist daher: Kann man mit einem frühen PC- und Mobile-Release eine neue, breitere Community anziehen, bevor man die etablierten Konsolenfans ins Boot holt?

Genauso denkbar ist, dass Sony das Markenbild von Horizon bewusst aufteilt. Auf der Konsole bleibt Horizon das große, linear erzählte AAA-Abenteuer mit Fokus auf Story und Inszenierung. Steel Frontiers hingegen steht für das „zweite Gesicht“ der Marke: ein dauerhafter Service, gewachsene Ökonomie, Raids, Season-Modelle, regelmäßige Content-Drops. Wenn dieses MMO zunächst außerhalb der PlayStation-Blase stattfindet, verringert das das Risiko, dass Konsolenspieler das neue Projekt mit einer direkten Fortsetzung der Hauptreihe verwechseln oder falsche Erwartungen entwickeln.

Dann gibt es noch die nüchterne, aber oft realistische Variante: der gestaffelte Launch. MMOs und Live-Service-Games starten häufig auf weniger Plattformen, um Serverlast, Balancing und Monetarisierung in den Griff zu bekommen, bevor man die Reichweite hochdreht. Sollte Sony genau dieses Modell für Steel Frontiers wählen, wäre es nur logisch, den Namen PS5 erst dann offiziell ins Spiel zu bringen, wenn Zeitplan, Infrastruktur und Marketingfenster stehen. Ein zu frühes Versprechen in Richtung Konsole könnte später unangenehme Verschiebungen oder Enttäuschungen nach sich ziehen.

Für Spieler, die sich einfach auf ein neues Horizon auf ihrer PS5 gefreut haben, sind solche Überlegungen allerdings eher theoretisch. Fakt ist: Stand jetzt wird man Horizon Steel Frontiers zum Release nur auf PC oder Mobilgeräten spielen können. Wer Aloys Welt bisher fest mit Sofa, Controller und großem TV verbindet, schaut erst einmal von außen auf dieses neue Kapitel der Serie. Immerhin macht NCSofts Kommunikation deutlich, dass der Entwickler die PlayStation-Community nicht ignoriert, sondern selbst auf eine Konsolenfassung hofft – nur eben nicht darüber entscheiden darf.

Am Ende wird Horizon Steel Frontiers damit zu einem interessanten Testfall für Sonys Plattformstrategie. Wie stark will sich der Konzern wirklich vom klassischen „PlayStation zuerst, Rest später“ lösen? Welche Rolle soll die PS5 künftig bei großen Marken spielen, wenn PC und Mobile gleichzeitig als Wachstumsmotoren dienen? Und wie weit dürfen sich Live-Service-Ableger von den Singleplayer-Wurzeln einer Reihe entfernen, ohne das Gesamtbild zu beschädigen? Antworten darauf wird es wohl erst geben, wenn Sony sich klarer zu Steel Frontiers äußert – und vielleicht irgendwann doch das PS5-Logo nachreicht. Bis dahin bleibt eines sicher: Wer wissen will, warum das Horizon-MMO noch nicht für die Konsole angekündigt ist, muss die Frage an Sony richten, nicht an NCSoft.

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