Horizon Steel Frontiers könnte sich zu einem der spannendsten Abzweigungen der Horizon-Reihe entwickeln. 
Statt einer rein storygetriebenen Singleplayer-Reise rund um Aloy setzt dieses Projekt auf ein dauerhaftes Online-Erlebnis: eine Mischung aus Koop-Jagdspiel und klassischer MMORPG-Struktur mit Städten, Gilden, Raids und einer lebendigen Community. Schon die Ankündigung für PC und Mobilgeräte mit einer anvisierten Veröffentlichung Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 hat bei Fans eine zentrale Frage ausgelöst: Wie verwandelt man ein erzählerisch starkes Action-RPG in ein MMO, ohne die Seele der Marke zu verlieren?
Ein Teil der Antwort kommt von Executive Producer Sunggu Lee, der in einem Interview offen erklärte, dass sich das Team stark von Capcoms Monster-Hunter-Reihe inspirieren ließ. Der bekannte Loop aus Vorbereitung, Spurensuche und einem langen, fordernden Bosskampf gegen gewaltige Kreaturen passte aus ihrer Sicht perfekt zum Kern von Horizon: der Jagd auf kolossale Maschinen in einer gefährlichen, aber faszinierenden Welt. Statt einfach nur einen Online-Modus an ein bestehendes Spiel zu klammern, wurde Steel Frontiers von Anfang an als kooperative Jagderfahrung in diesem Universum konzipiert.
Monster-Hunter-DNA, aber ein klar eigenes Profil
Laut Lee war Monster Hunter ein wichtiger Startpunkt, aber nie die Blaupause, die man 1:1 kopieren wollte. NCSOFT und Guerrilla versuchen, die Idee der Maschinenjagd mit typischen MMO-Elementen zu verbinden, ohne den Eindruck eines austauschbaren Klons zu erzeugen. Die Vision: Du stellst ein Team zusammen, beobachtest eine bestimmte Maschine, lernst ihre Angriffsmuster und Schwachstellen kennen und nutzt dann Umgebung, Ausrüstung und Synergien deiner Gruppe, um sie in einem intensiven Gefecht Stück für Stück zu zerlegen. Die bekannten Mechaniken des Teile-Abschießens und gezielten Zerstörens bestimmter Module sollen dabei eine noch größere Rolle spielen, weil mehrere Spieler ihre Angriffe koordinieren können.
Gleichzeitig will Steel Frontiers die Faszination der Horizon-Welt bewahren. Die Maschinen sind nicht bloß dickere Lebensbalken, sondern Teil eines Ökosystems, das reagiert, sich wehrt und den Spielern immer wieder neue Situationen vorsetzt. Der MMO-Rahmen soll dieses Gefühl verstärken: Man bewegt sich nicht allein durch Ruinen und Wildnis, sondern begegnet überall anderen Jägern, Gildenmitgliedern und potenziellen Verbündeten.
MMORPG ja – aber mit übersichtlichen Raids
Offiziell ist Horizon Steel Frontiers ein MMORPG, doch das Team setzt klare Grenzen, was die Größe der Gruppen angeht. Wer an klassische Online-Rollenspiele denkt, hat oft Bilder von 40-Personen-Raids vor Augen, in denen der Bildschirm vor Effekten kaum noch zu erkennen ist. Genau dieses Chaos möchte man hier vermeiden. Lee betont, dass Lesbarkeit im Kampf oberste Priorität hat: Spieler sollen die Angriffstelegraphen der Maschinen erkennen, die eigenen Fähigkeiten gezielt einsetzen und innerhalb des Teams Rollen klar ausfüllen können.
Daher konzentriert sich Steel Frontiers auf kleinere Gruppen und mittelgroße Raids, die sich episch anfühlen, ohne die Übersicht zu zerstören. Jeder Fehler, jede gelungene Ausweichrolle und jede abgestimmte Kombo soll spürbar sein. Statt anonymem Schadensfeuer aus der Masse entsteht so eher das Gefühl einer eingespielten Jagdgruppe, in der man sich aufeinander verlassen muss.
Vom Fernkampf zur dynamischen Nahkampf-Action
Besonders deutlich wird dieser Ansatz beim Kampfsystem. Die bisherigen Horizon-Spiele sind klar auf Fernkampf ausgelegt: Bögen, präzise Schüsse auf Schwachpunkte und taktisch platzierte Fallen sind dort das Kern-Gameplay. Steel Frontiers dreht diese Gewichtung spürbar in Richtung Nahkampf. Erste Szenen zeigen Jäger, die dicht an den Maschinen dranbleiben, ausweichen, blocken, in Fenster für Konter hineinspringen und dabei trotzdem gezielt auf exponierte Teile zielen müssen.
Das macht Timing, Positionierung und Teamwork wichtiger denn je. Wenn ein Tank-artiger Charakter die Aufmerksamkeit einer Maschine auf sich zieht, kann ein anderer Jäger seitlich oder von hinten Module herausbrechen, die den Kampfverlauf komplett verändern. Zu viele Spieler gleichzeitig würden diese Art von Choreografie nur verwässern – ein weiterer Grund, warum gigantische Massenschlachten hier keinen Platz haben.
Städte, Gilden und soziale Strukturen
Abseits der Jagden braucht ein MMO starke soziale Ankerpunkte – und genau das sollen die Städte in Horizon Steel Frontiers liefern. Lee beschreibt sie als Herz der Community: Hier kehren Spieler nach Einsätzen zurück, um Ausrüstung zu reparieren und zu verbessern, neue Aufträge zu holen, Handel zu treiben oder einfach mit anderen im Chat ins Gespräch zu kommen. Wer möchte, nutzt die Gelegenheit, seinen neuesten Rüstungsset zu präsentieren oder direkt im Stadttrubel eine Gruppe für die nächste Großjagd zu organisieren.
Gilden sind die langfristige Klammer für all diese Interaktionen. Sie bieten feste Strukturen für wiederkehrende Raids, gemeinsame Ziele und eine eigene Identität auf dem Server. Ob man eine entspannte Feierabend-Gilde oder eine ehrgeizige Progress-Truppe sucht – Steel Frontiers will beide Spielertypen abholen. Im offenen Gelände wiederum können Allianzen spontan entstehen: Trifft man auf eine andere Gruppe, die dieselbe Maschine jagt, ist es naheliegend, sich kurz zusammenzutun und die Beute zu teilen.
Damit diese Dynamik funktioniert, setzt das Spiel auf die vertrauten Komfortfunktionen des Genres: Freundeslisten, verschiedene Chat-Kanäle, Gruppensuche und flexible Party-Systeme gehören zum Standardumfang. Ziel ist, dass Koop nicht wie eine Pflichtaufgabe wirkt, sondern wie eine natürliche Folge der Welt, in der ständig andere Jäger unterwegs sind.
Schwerpunkt PvE statt Dauer-PvP
Der Ankündigungstrailer deutete zwar Rivalität zwischen Stämmen an, doch Lee stellt klar: Der Kern von Horizon Steel Frontiers ist PvE. Im Mittelpunkt stehen Maschinenjagden, Raids und das gemeinsame Meistern immer härterer Herausforderungen. Direkte Spieler-gegen-Spieler-Duelle könnten in Form von Ranglisten, Wettläufen um First-Kills oder speziellen Modi auftauchen, sollen aber nicht das Rückgrat des Spiels bilden.
Für Fans, die Horizon vor allem wegen seiner Geschichten, Figuren und Welt schätzen, ist das eine beruhigende Botschaft. Statt endloser Frustschlachten gegen andere Spieler liegt der Fokus auf Kooperation, Fortschritt und dem Gefühl, als Gruppe einen scheinbar übermächtigen Gegner besiegt zu haben.
Unreal Engine 5, Plattformen und offene Fragen
Technisch schlägt Steel Frontiers ebenfalls einen neuen Weg ein. Statt auf Guerrillas hauseigener Decima-Engine setzt das Projekt auf Unreal Engine 5. Für ein groß angelegtes, vernetztes und plattformübergreifendes Spiel ist das ein nachvollziehbarer Schritt: UE5 ist erprobt, flexibel und erleichtert die Entwicklung für PC und Mobile parallel. Gleichzeitig deutet der Einsatz moderner Rendering-Features darauf hin, dass die charakteristischen Maschinen und Landschaften auch in der Online-Variante imposant in Szene gesetzt werden sollen.
Geplant ist ein Release-Fenster zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 für PC und Mobilgeräte. NCSOFT hat zudem offen den Wunsch geäußert, Horizon Steel Frontiers auch auf die PlayStation 5 zu bringen, konkrete Zusagen gibt es hier allerdings noch nicht. Ebenso unklar bleibt, ob bekannte Figuren wie Aloy auftauchen werden. Die Entwickler halten sich bedeckt – denkbar sind Gastauftritte, subtile Verweise oder eine komplett eigene Geschichte mit einem neuen Cast von Jägern.
Klar ist schon jetzt: Horizon Steel Frontiers will mehr sein als nur ein „Horizon mit Online-Modus“. Es versteht sich als eigenständige Interpretation der Marke, die die Faszination von Maschinenjagden mit der Langzeitmotivation eines MMORPG verknüpft. Gelingt der Balanceakt zwischen forderndem Kampf, motivierender Progression und einer lebendigen Community in Städten und Gilden, könnte Steel Frontiers am Ende zu den interessantesten neuen Online-Rollenspielen dieser Generation gehören.
1 kommentar
Kleine bis mittelgroße Raids klingen deutlich besser als dieser 40-Mann-Effektbrei aus anderen MMOs