Kaum ist der Nintendo Switch 2 richtig auf dem Markt, steckt Nintendo schon wieder mitten in einem Shitstorm – diesmal wegen eines eigentlich unspektakulären Systemupdates. Seit der Firmware-Version 21.0.0 melden sich immer mehr Besitzer des Switch 2 zu Wort, deren bisher tadellos funktionierende Dritthersteller-Docks plötzlich kein Bild mehr liefern, nur noch sporadisch erkannt werden oder komplett den Dienst verweigern. Für alle, die bewusst zur günstigeren Reise-Dock oder zum kompakten Kabel-Hub gegriffen haben, fühlt sich dieses Update eher wie ein unfreiwilliges Hardware-Downgrade an.
Die Schilderungen ähneln sich auffällig: Vor dem Update lief die Dock eines Fremdherstellers problemlos, danach gibt es Aussetzer, kein HDMI-Signal oder gar keine Reaktion mehr. 
Auf Reddit, in Foren und sozialen Netzwerken entstanden innerhalb weniger Tage lange Threads, in denen Nutzer ihre Setups vergleichen, Modelle aufzählen und feststellen: Der gemeinsame Nenner ist die Version 21.0.0. Da liegt der Verdacht nahe, Nintendo habe still und leise an den Schrauben gedreht, um das Ökosystem stärker in Richtung offizielles Zubehör zu schieben.
Nintendo sah sich schließlich gezwungen, Stellung zu beziehen. Gegenüber IGN erklärte das Unternehmen, der Nintendo Switch 2 gebe – wie schon der ursprüngliche Switch – Audio und Video aus, sobald erkannt werde, dass die Konsole in einer Nintendo Switch 2 Dock steckt. Man habe keinerlei Absicht, die Kompatibilität zu „legalen Dritthersteller-Docks“ einzuschränken oder zu unterbinden. Beruhigend klingt das nur auf den ersten Blick. Was genau ist ein legales Dock? Wer entscheidet darüber? Und wenn die Einschränkungen wirklich nicht beabsichtigt sind, warum sind dann so viele Modelle exakt nach diesem Update unbrauchbar geworden?
Besonders viel Aufmerksamkeit bekam die Geschichte eines Nutzers, der sich endlich ein günstiges JEMDO-4K/60-Hz-Dockkabel gegönnt hatte – ein kleines USB-C-auf-HDMI-Hub, das bei Amazon um die 20 US-Dollar kostet. Perfekt für unterwegs, ohne klobige Station im Gepäck. Er schließt das Dock an, alles funktioniert, startet ein Spiel, bekommt die Aufforderung zum Systemupdate, installiert Version 21.0.0 – und plötzlich ist das Dock laut eigener Aussage „hart gebrickt“. Eine Stunde zuvor noch ein praktisches Reise-Accessoire, danach nur noch ein teures Stück Plastik mit Stecker.
Zusätzlich frustriert viele, dass in den offiziellen Patch Notes kein Wort über veränderte Dock-Erkennung, USB-C-Verhalten oder angepasste Energieverwaltung fällt. Version 21.0.0 wird als typisches Stabilitätsupdate beschrieben, wie man es von Nintendo kennt. In der Praxis bedeutet es für einen Teil der Spieler jedoch, dass ein zuvor funktionierendes Zubehör einfach aus der Gleichung verschwindet. Aus Kundensicht wirkt es so, als hätte die Firma einseitig die Spielregeln für bereits verkaufte Hardware geändert – ohne klare Begründung, ohne Vorwarnung.
Dabei ist leicht nachvollziehbar, warum der Markt für Fremd-Docks überhaupt existiert. Die offizielle Dock ist teuer, groß, nicht besonders reisefreundlich und wirkt in vielen Wohnzimmern eher wie ein weiterer schwarzer Kasten im TV-Regal. Andere möchten eine zweite Dock an einem weiteren Fernseher betreiben, ohne jedes Mal umstecken zu müssen. Dritthersteller reagieren darauf mit filigranen Falt-Docks, simplen Kabel-Hubs oder minimalistischen Ständern, die bequem in Rucksack oder Laptoptasche passen – und das oft für einen Bruchteil des Preises. Nintendos Original-Dock wird separat für rund 124,99 US-Dollar verkauft; da wundert es nicht, dass eine funktionierende 20-Dollar-Alternative sehr attraktiv ist. Fällt so ein Gerät nach einem Firmwarewechsel plötzlich aus, fühlt sich das für viele wie ein Schlag ins Gesicht an.
Einige Zubehörhersteller sitzen jedoch nicht tatenlos daneben. Erste Marken haben bereits eigene Firmware-Updates für ihre Docks angekündigt oder ausgerollt, um die Kommunikation mit dem Switch 2 wiederherzustellen. In manchen Fällen berichten Nutzer tatsächlich von Erfolgen. Das deutet darauf hin, dass Nintendo weniger gezielt einzelne Produkte blockiert, sondern eher den Handshake über USB-C, die Power-Delivery-Grenzwerte oder die Aushandlung der Video-Modi verschärft hat. Technisch versierte Spieler spekulieren über strengere Toleranzen bei Spannung, Timing und Protokolltreue. Hat ein Hersteller bei der Umsetzung der USB-C-Spezifikation gespart oder nur knapp innerhalb der Norm gearbeitet, kann ein strengeres Verhalten der Konsole das Produkt plötzlich disqualifizieren.
Trotzdem sehen viele Fans darin nicht nur eine technische Randnotiz, sondern eine weitere Episode im bekannten Kontrollreflex von Nintendo. Die Firma geht seit Jahren aggressiv gegen Emulatoren, ROM-Seiten und alles vor, was in Richtung Piraterie oder unerwünschter Modifikation ihrer Hardware deutet. Geräte wie das MIG-Switch-Modul haben bereits Bannwellen und Berichte über unbrauchbar gewordene Konsolen ausgelöst. Im aktuellen Fall geht es zwar „nur“ um Docks, nicht um Raubkopien, aber das Gefühl bleibt: Nintendo kann per Knopfdruck darüber bestimmen, was an der Konsole willkommen ist – und was von heute auf morgen ausgesperrt wird.
Der bittere Beigeschmack wird noch größer, wenn man sich vor Augen führt, dass hier eigentlich Standardtechnik im Spiel ist. USB-C und HDMI sind genau dazu gedacht, Geräte herstellerübergreifend zu verbinden. Der Begriff „Universal Serial Bus“ steht schließlich für ein Versprechen: Stecker rein, es funktioniert. Bei einem abgeschotteten System wie dem Switch 2 entscheidet am Ende jedoch nicht der Stecker, sondern der Code im Hintergrund. Dass Nintendo die gleichen Ports nutzt wie Smartphone- oder Laptop-Hersteller, heißt noch lange nicht, dass sich die Konsole genauso offen verhält.
Parallel dazu flammt eine Grundsatzfrage auf: Wie viel Kontrolle hat ein Nutzer über Hardware, die er gekauft hat, wenn sie sich ständig per Update verändern kann? Moderne Konsolen sind keine statischen Geräte mehr, sondern daueraktualisierte Plattformen. Jede neue Firmware kann Funktionen hinzufügen, aber auch still und leise wegnahmen – oder, wie in diesem Fall, die Kompatibilität verschieben. Heute trifft es Reise-Docks, morgen vielleicht bestimmte Controller, Adapter oder Softwarefeatures. Wer auf „Aktualisieren“ klickt, weiß immer seltener genau, was sich im Detail ändert.
Für Besitzer betroffener Docks bleiben im Moment nur wenige Optionen. Man kann hoffen, dass Nintendo ein weiteres Update nachschiebt, das die Situation entschärft. Man kann sich auf den Hersteller des Zubehörs verlassen, der mit einem Firmware-Patch das Verhalten der Konsole umschifft. Oder man beißt in den sauren Apfel und nutzt nur noch die offizielle, klobige Dock, die der Switch 2 mitbringt. Keine dieser Varianten ist wirklich zufriedenstellend – vor allem nicht für Leute, die bewusst in ein anderes Setup investiert haben.
Umso heikler ist das Ganze, weil der Switch 2 der bislang erfolgreichste Konsolenstart von Nintendo ist, mit über zehn Millionen verkauften Geräten in kürzester Zeit. Das Unternehmen sitzt auf einer massiven Nutzerbasis und damit auf enorm viel Macht. Wie man mit dieser Macht umgeht, entscheidet darüber, wie lange die anfängliche Euphorie anhält. Wenn ein simples Stabilitätsupdate reicht, um funktionierendes Zubehör in die Bedeutungslosigkeit zu schicken, sinkt das Vertrauen schneller, als die Verkaufszahlen steigen. Eine offene Erklärung, was sich mit Version 21.0.0 wirklich geändert hat und welche technischen Kriterien eine „legale“ Dock erfüllen muss, wäre nur ein kleiner Schritt – aber ein wichtiger, wenn Nintendo langfristig nicht als besonders kundenfeindlicher Platzhirsch dastehen möchte.