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Samsung gewinnt Aufträge für 2-nm-GAA-Mining-Chips von MicroBT und Canaan

von ytools
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Samsung hat seiner noch jungen Foundry-Offensive einen weiteren prominenten Baustein hinzugefügt: Der Konzern wird 2-nm-GAA-Chips für zwei große chinesische Hersteller von Krypto-Mining-Hardware liefern. Für Außenstehende klingt das nach einem Nischendeal, in der Halbleiterwelt ist es jedoch ein deutliches Signal.
Samsung gewinnt Aufträge für 2-nm-GAA-Mining-Chips von MicroBT und Canaan
Wer es schafft, die brutal harte Mining-Branche mit Hochleistungschips zu versorgen, beweist nicht nur Technikkompetenz, sondern auch, dass der eigene Fertigungsprozess stabil genug für Dauereinsatz unter Extrembedingungen ist – genau das, was Samsung im Konkurrenzkampf mit TSMC dringend braucht.

Chinesische Mining-Schwergewichte setzen auf 2 nm von Samsung

Wie das koreanische Wirtschaftsblatt Hankyung berichtet, haben sich MicroBT und Canaan für Samsung als Fertigungspartner entschieden. Die beiden Firmen gehören zu den größten Anbietern von spezialisierten ASIC-Minern weltweit – sie belegen hinter Marktführer Bitmain Platz zwei und drei. Ihre kommenden Generationen von Mining-Chips sollen im 2-nm-GAA-Prozess von Samsung entstehen und damit das zentrale Rechenherz der neuen Rigs bilden.

In der Praxis heißt das: Jede Verbesserung beim Verhältnis Hashes pro Sekunde zu Stromverbrauch entscheidet darüber, ob eine Mining-Farm profitabel arbeitet oder nicht. Indem MicroBT und Canaan auf ein moderneres Fertigungsverfahren umsteigen, hoffen sie, mehr Rechenleistung in denselben Energie- und Platzrahmen zu packen – oder bei gleichem Ertrag deutlich Strom zu sparen. Dass sie dafür nicht TSMC, sondern Samsung wählen, zeigt, wie stark der Druck im Markt ist, jede denkbare Effizienzreserve auszuschöpfen.

Bitmain bleibt bei TSMC – und Samsung muss liefern

Spannend ist der Deal auch, weil Bitmain als unangefochter Spitzenreiter im Mining-Sektor weiterhin TSMC treu bleibt. Der taiwanische Auftragsfertiger gilt für viele Kunden als Goldstandard: verlässliche Lieferketten, schnelle Hochskalierung neuer Nodes und vor allem eine lange Historie darin, Anfangsprobleme bei Ertrag und Ausbeute in den Griff zu bekommen. Genau an diesem Punkt muss Samsung mit seinem 2-nm-GAA-Knoten noch beweisen, dass man nicht nur auf Folien im Investoren-Deck gut aussieht, sondern auch in der Serienfertigung.

Für Samsung sind MicroBT und Canaan deshalb mehr als nur zwei zusätzliche Namen in der Kundengalerie. Sie sind reale Stresstests: Mining-Chips laufen unter Volllast, 24/7, oft in riesigen Farmen unter schwierigen Umgebungsbedingungen. Wenn der Prozess hier stabil funktioniert, lässt sich dieses Argument später problemlos auf andere Segmente wie KI-Beschleuniger, Automobilchips oder High-End-Smartphones übertragen.

2 nm-Kapazität: Noch kleine Stückzahlen, aber strategisch wichtig

Rein zahlenmäßig sind die neuen Aufträge noch überschaubar. Nach aktuellen Informationen hat Samsung die Fertigung der MicroBT-Chips bereits gestartet, während Canaan seine ersten 2-nm-Designs Anfang 2026 in die Serienproduktion schieben will. Produziert wird auf der S3-Linie im Werk Hwaseong in der Provinz Gyeonggi – einer der modernsten Standorte des Unternehmens für Logikchips.

Die Bestellungen der beiden Mining-Firmen sollen rund 10 Prozent der derzeitigen 2-nm-Kapazität ausmachen. Konkret ist von etwa 2.000 300-mm-Wafern pro Monat die Rede. Die Auslieferung der ersten fertigen Chips wird für die zweite Jahreshälfte des kommenden Jahres erwartet. Bis dahin bleibt genug Zeit für Board-Designs, Kühllösungen, Firmware und das Finetuning der kompletten Rigs.

Im Vergleich zu Smartphone-SoCs oder großen Cloud-Aufträgen ist das Volumen zwar noch kein Blockbuster. Für Samsung ist es aber ein wertvoller Schritt in Richtung breiter Kundenbasis: Der 2-nm-Node hängt nicht nur an einem einzelnen Prestigeprojekt, sondern gewinnt langsam ein echtes Ökosystem aus unterschiedlichen Einsatzfeldern.

Warum gerade Mining so stark von 2 nm profitiert

Die ökonomische Logik im Mining ist brutal simpel: Wer mehr Hashes pro Watt und pro investiertem Dollar erzeugt, setzt sich durch. Strompreise steigen, Halvings drücken die Block-Belohnungen, die Netzwerkschwierigkeit klettert. In diesem Umfeld sind technologische Sprünge bei Effizienz keine Spielerei, sondern überlebenswichtig. Gate-All-Around-Transistoren (GAA) in Verbindung mit einem 2-nm-Knoten versprechen höhere Transistordichte, geringere Leckströme und ein besseres Verhältnis von Leistung zu Leistungsaufnahme als ältere FinFET-basierte Prozesse.

Für Betreiber großer Farms kann das schnell Millionenbeträge ausmachen: Weniger Abwärme bedeutet weniger Kühlung, ein geringerer Energiebedarf senkt laufende Kosten, und ein kompakteres Design ermöglicht dichter gepackte Racks. Gelingt es MicroBT und Canaan, diese Vorteile konsequent in ihren ASICs zu nutzen, könnte die nächste Generation von Mining-Hardware eine spürbare Effizienzlücke zur Konkurrenz reißen.

Das große Fragezeichen: Ausbeute und Kosten

All diese Vorteile haben jedoch eine Bedingung: Der Prozess muss reifen. Gerade in den ersten Jahren eines neuen Nodes kämpft jede Foundry mit Kinderkrankheiten – von Defekten auf den Wafern bis hin zu schwankenden Parametern bei Spannung und Takt. Je niedriger die Ausbeute, desto teurer werden die funktionsfähigen Chips. TSMC hat sich seinen Ruf unter anderem dadurch erarbeitet, solche Probleme vergleichsweise schnell zu glätten. Samsung steht mit 2 nm GAA genau an dieser Klippe und nutzt Mining als eine der ersten großen Bewährungsproben.

Für die Kunden ist das Chance und Risiko zugleich: Wer früh einsteigt, kann sich bei Erfolg einen deutlichen Vorteil sichern, muss aber auch mit möglichen Verzögerungen oder Anpassungsrunden rechnen, falls der Prozess nicht sofort rund läuft.

Exynos, Tesla, Snapdragon – und jetzt auch Krypto-Rigs

Die Mining-Aufträge sind nur ein Baustein in Samsungs 2-nm-Strategie. Als erster großer Serienchip auf dem neuen Node ist der hauseigene Exynos 2600 vorgesehen, der in künftigen Smartphones die Vorteile der neuen Fertigung demonstrieren soll. Parallel dazu kursieren Berichte über einen milliardenschweren Deal mit Tesla für Hochleistungs-Chips, mutmaßlich für autonomes Fahren und KI-Workloads im Fahrzeug.

Auch Qualcomm schaut genau hin: Muster des Snapdragon 8 Elite Gen 5 auf 2-nm-Basis wurden bereits zu Testzwecken verschickt. Eine echte Dual-Sourcing-Strategie, bei der sowohl TSMC als auch Samsung für ein Snapdragon-Flaggschiff fertigen, dürfte allerdings frühestens mit dem Snapdragon 8 Elite Gen 6 gegen Ende 2026 Realität werden. Für Qualcomm & Co. geht es dabei um mehr als nur Stückkosten – es geht um Versorgungssicherheit, Verhandlungsspielräume und geopolitische Diversifizierung.

Roadmap: Zweite und dritte 2-nm-Generation sowie Ausbau in Texas

Um mit TSMC Schritt zu halten, arbeitet Samsung bereits an der nächsten Ausbaustufe seines 2-nm-Portfolios. Der grundlegende Entwurf für eine zweite Generation des 2-nm-GAA-Prozesses ist abgeschlossen, parallel entsteht eine dritte Variante unter dem Namen SF2P+. Ziel ist es, Leistung und Effizienz weiter zu steigern und zugleich die Herstellbarkeit zu vereinfachen – vom Lithografie-Schritt bis hin zum Testen und Packaging.

Ein wichtiger Teil des Plans ist auch die geografische Expansion. Neben den koreanischen Standorten soll 2-nm-Fertigung künftig im neuen Werk im texanischen Taylor stattfinden. Der niederländische EUV-Spezialist ASML hat dafür ein eigenes Team abgestellt, das Lieferung und Installation der hochkomplexen Belichtungsanlagen übernimmt. Wenn die Fabrik vollständig hochgefahren ist, soll sie bis mindestens 2027 mehr als 15.000 Wafer pro Monat produzieren können.

Für große Kunden, die Risiken über verschiedene Regionen verteilen wollen, ist das ein starkes Argument: Spitzentechnologie nicht nur in Ostasien, sondern auch in den USA verfügbar zu haben, reduziert politische und logistische Unsicherheiten.

Alle gewinnen – nur Intel schaut zu?

Die Deals mit MicroBT und Canaan fügen sich in ein größeres Bild der Foundry-Rivalität ein. TSMC dominiert nach wie vor die meisten Premium-Designs, von Bitmain über Smartphone-SoCs bis hin zu Cloud-Prozessoren. Samsung baut parallel Schritt für Schritt ein eigenes Cluster an Leuchtturmprojekten auf – von Exynos über Tesla bis zu potenziellen Snapdragon-Generationen und jetzt eben auch Mining-ASICs.

Etwas abseits steht derzeit Intel, das sich mit seiner Foundry-Offensive noch in der Aufbauphase befindet. Die Roadmaps sind ambitioniert, die Marketingfolien voll, doch viele große 2-nm-Design-Wins landen aktuell bei den asiatischen Wettbewerbern. In der Krypto-Szene lässt sich das spöttisch auf die Formel bringen: „Alle gewinnen, nur Intel nicht“ – zumindest vorläufig.

Was das alles für Miner und für Samsung bedeutet

Für Betreiber von Mining-Farmen können die neuen 2-nm-Chips von Samsung zum entscheidenden Hebel werden, um auch in den nächsten Zyklen mit steigender Netzwerkschwierigkeit und unsicheren Strompreisen mithalten zu können. Wer früh auf effizientere Hardware umsteigt, verschafft sich Spielraum, während weniger effiziente Konkurrenten aus dem Markt gedrängt werden.

Für Samsung sind die Aufträge vor allem ein strategischer Sieg. Sie zeigen, dass der Konzern im Rennen um modernste Fertigung nicht nur auf Smartphone- und Autochips setzen kann, sondern auch in einem extrem kosten- und leistungssensiblen Segment wie Krypto-Mining ernst genommen wird. Gelingt es, hier stabile Ausbeuten und starke Effizienzwerte zu liefern, wird es deutlich leichter, weitere Kunden aus den Bereichen KI, Rechenzentren und Consumer-Elektronik von 2 nm GAA zu überzeugen. Die Mining-Deals allein machen Samsung noch nicht zum neuen Foundry-König – sie sind aber ein weiteres wichtiges Puzzleteil auf dem Weg dorthin.

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1 kommentar

Speculator3000 December 29, 2025 - 11:57 am

Wenn Samsung bei diesen Mining-ASICs ordentliche Ausbeute schafft, werden Qualcomm & Co. sehr schnell ernsthaft über Dual-Sourcing nachdenken

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