Startseite » Nicht kategorisiert » iPhone Air: Fehlgriff im Regal oder geheimes Testlabor für das erste faltbare iPhone?

iPhone Air: Fehlgriff im Regal oder geheimes Testlabor für das erste faltbare iPhone?

von ytools
0 kommentar 3 ansichten

Apple ist nicht gerade dafür bekannt, planlos Produkte in den Markt zu werfen. Und doch wirkt das iPhone Air für viele wie ein merkwürdiger Ausreißer in der aktuellen iPhone-Familie. Es ist beeindruckend dünn, extrem leicht und optisch genau das, was man von einem Design-Perfektionisten wie Apple erwartet – aber die Verkaufszahlen sollen hinter den Pro- und Plus-Modellen zurückbleiben.
iPhone Air: Fehlgriff im Regal oder geheimes Testlabor für das erste faltbare iPhone?
Da drängt sich ein anderer Gedanke auf: Vielleicht ist das iPhone Air gar nicht in erster Linie als Verkaufsschlager gedacht, sondern als Testlabor für etwas Größeres – das erste faltbare iPhone.

Blickt man nur auf die technischen Daten, wirkt das iPhone Air wie ein bewusst eingegangenes Risiko. Um Millimeter und Gramm einzusparen, hat Apple angeblich an mehreren Stellschrauben gedreht: eine kleinere Batterie, etwas weniger Spielraum bei der Kamera-Hardware, insgesamt mehr Fokus auf Form als auf pure Leistung und Ausdauer. Für Nutzerinnen und Nutzer, die auf maximalen Akku oder das vielseitigste Kamerasystem aus sind, wirken diese Entscheidungen schwer nachvollziehbar. Als direkter Ersatz für die Plus-Modelle scheint das Air fast fehlbesetzt. Stellt man es sich dagegen als Zwischenschritt in Richtung eines ultradünnen Falt-iPhones vor, bekommt die Strategie ein anderes Gesicht.

Der gut vernetzte Apple-Experte Mark Gurman beschreibt das iPhone Air deshalb als eine Art technisches Experiment. In seinem Newsletter "Power On" behauptet er, Apple sei sich völlig bewusst gewesen, dass die erste Generation des Air keine Rekorde brechen würde. Der Zeitpunkt des Launchs – ungefähr ein Jahr vor dem erwarteten Marktstart des faltbaren iPhones – sei kein Zufall, sondern Kalkül. Das Air soll intern beweisen, welche Kompromisse bei Dicke und Gewicht möglich sind, und extern die Produktionskette auf eine neue Klasse von Bauteilen vorbereiten.

Damit rückt ein Bereich in den Vordergrund, der sonst selten Schlagzeilen macht: die Lieferkette. Ein modernes High-End-Smartphone ist weniger ein einzelnes Produkt als vielmehr ein präzise choreografiertes Zusammenspiel aus Dutzenden Zulieferern. Jede Schraube, jedes Flexkabel, jede Kameralinse kommt von Spezialisten, die neue Fertigungstechniken erlernen und strengere Toleranzen einhalten müssen. Das iPhone Air zwingt diese Partner, deutlich kompaktere Logic Boards, dichter gepackte Akkus, verkleinerte Kameramodule und effizientere Kühllösungen in einem extrem schmalen Gehäuse zu realisieren. Genau diese Fähigkeiten werden für ein faltbares iPhone später überlebenswichtig sein.

Gurman und andere Beobachter gehen davon aus, dass Apple viele der beim Air eingeführten Technologien beim Falt-iPhone weiterverwendet. Dazu zählen neue Aluminium- oder Titanlegierungen, widerstandsfähige Glasvarianten, Akkupakete, die speziell für sehr dünne Gehäuse konstruiert wurden, und ein kompromissloser Ansatz bei der Miniaturisierung. Dadurch, dass diese Komponenten bereits im Air in nennenswerten Stückzahlen produziert werden, können Fabriken Prozesse verfeinern, Ausschussquoten senken und die Qualität absichern. Wenn das faltbare iPhone kommt, muss die Industrie nicht bei null anfangen, sondern greift auf erprobte Bauteile und Lieferketten zurück.

Gerade beim Falt-Design sind diese Vorarbeiten entscheidend. Ein aufgeklapptes Falt-Smartphone sollte nicht wie ein klobiger Ziegel wirken, sondern eher wie ein normales großes Phone oder ein schlankes Mini-Tablet. Im zugeklappten Zustand verdoppelt sich die Dicke jedoch automatisch – und jedes überflüssige Zehntelmillimeter verwandelt das Gerät in einen Hosentaschen-Klotz. Hinzu kommen die Mechanik des Scharniers, mehrere Display-Schichten, Schutzfolien und Verstärkungen, damit das Panel tausende Klappvorgänge übersteht. Ohne konsequente Miniaturisierung von Akku, Kameras und Sensoren wäre ein wirklich alltagstaugliches Falt-iPhone kaum zu realisieren.

Eine besonders heikle Baustelle dürfte die biometrische Entsperrung sein. Die aktuelle Face-ID-Hardware benötigt relativ viel Platz in der Höhe und lässt sich nur schwer in extrem schmale Displayränder oder kleine Außendisplays integrieren. Mehrfach war daher zu hören, Apple spiele mit dem Gedanken, bei seinem Faltmodell auf eine neue Variante von Touch ID zu setzen – etwa im Power-Button oder unter dem Display. Das muss keineswegs ein Rückschritt sein: Moderne Fingerabdrucksensoren sind schnell, präzise und funktionieren auch dann zuverlässig, wenn das Gerät halb aufgeklappt auf dem Tisch liegt oder mit einer Hand bedient wird.

Während Apple im Verborgenen tüftelt, drehen die übrigen Hersteller das Falt-Karussell weiter. Samsungs Galaxy-Z-Fold-Reihe, allen voran das Galaxy Z Fold 7, hat die Latte bei Haltbarkeit, Scharnierqualität und Multitasking-Erlebnis spürbar nach oben gelegt, und die Gerüchteküche zum Galaxy Z Fold 8 brodelt bereits. Gleichzeitig drängen chinesische Anbieter mit eigenen Faltkonzepten, dünneren Gehäusen und aggressiven Preisen nach. Wenn Apple schließlich sein erstes faltbares iPhone zeigt, tritt das Unternehmen nicht in einen jungen, experimentellen Markt ein, sondern in eine gereifte Produktkategorie mit klaren Erwartungen an Displayqualität, Knickstelle, Software und Preis.

Viele Details bleiben trotzdem offen. Interne Leaks deuten an, dass das faltbare iPhone bei reinen Leistungsdaten möglicherweise hinter Top-Geräten wie dem Galaxy Z Fold 7 oder 8 zurückliegt, sobald Apple wieder Design und Eleganz über die maximale Zahl im Datenblatt stellt. Hinzu kommt die Frage nach dem Preis. Ein völlig neuer Formfaktor, vollgestopft mit Spezialteilen und neu entwickelten Komponenten, wird sicherlich nicht im Einstiegssegment landen. Realistisch ist eher ein Premium-Gerät, das sich an Early Adopter, Apple-Fans und Tech-Enthusiasten richtet und vor allem als technologisches Aushängeschild dient.

Apple war selten die erste Firma in einer Produktkategorie, aber häufig diejenige, die sie massentauglich gemacht hat. Das galt für Smartphones, Tablets und Smartwatches. Statt nur auf möglichst hohe Benchmarks zu setzen, konzentriert sich das Unternehmen meist auf das Gesamtpaket: flüssige Software, ein starkes App-Ökosystem, Integration mit Mac, iPad und Apple Watch und das Gefühl, dass alles wie aus einem Guss funktioniert. Für ein faltbares iPhone bedeutet das: clevere Multitasking-Modi, nahtlose Wechsel zwischen zu- und aufgeklapptem Zustand, sinnvolle Nutzung der großen Innenfläche und Apps, die den Formfaktor wirklich ausnutzen, statt ihn nur als Gimmick zu behandeln.

Vor diesem Hintergrund wirkt das iPhone Air plötzlich weniger wie ein seltsamer Lückenfüller und mehr wie ein bewusster Zwischenschritt. Es erlaubt Apple, an die Grenzen des heute Machbaren bei Dünne und Gewicht zu gehen, ohne gleich in die hochriskante Faltwelt zu springen. Es bringt die Lieferkette in Form, testet, wie weit man die Hardware straffen kann, und zeigt, wie Nutzerinnen und Nutzer auf ein iPhone reagieren, bei dem Design und Haptik wichtiger sind als die üblichen "mehr ist besser"-Kennzahlen. Wenn das faltbare iPhone eines Tages tatsächlich auf der Bühne steht, könnte man rückblickend sagen: Das iPhone Air ist gelaufen, damit das Falt-iPhone sprinten kann – jetzt bleibt nur die Frage, ob Apple auf diesem neuen Parcours stolpert oder allen anderen davonläuft.

Das könnte Ihnen auch gefallen

Einen Kommentar hinterlassen