Resident Evil Requiem ist noch Monate vom Release entfernt und sorgt trotzdem schon jetzt für hitzige Diskussionen in der Community. Im Zentrum steht dabei eine vertraute Ikone der Reihe: Leon S. 
Kennedy. Angeblich soll er in Requiem als zweiter spielbarer Protagonist zurückkehren, angeblich gibt es geleakte Bilder, angeblich sogar Hinweise auf zusätzliche Outfits als DLC. Doch je lauter die Gerüchte werden, desto klarer positioniert sich Capcom: Ein Großteil dieses Hypes basiert auf nichts anderem als geschickt inszenierten Fakes.
In einem neuen Interview hat Producer Masato Kumazawa die Lage deutlich eingeordnet. Er erinnert daran, wie einfach es heute ist, mithilfe von KI realistisch wirkende Bilder und Videos zu erzeugen. Was auf den ersten Blick wie ein glaubwürdiger Leak wirkt, kann in Wahrheit innerhalb weniger Minuten am PC entstanden sein. Genau deshalb bittet er Fans, nur das ernst zu nehmen, was über offizielle Capcom-Kanäle veröffentlicht wird. Alles andere ist Spekulation, Wunschdenken – oder schlicht falsch.
Bestes Beispiel: das inzwischen berüchtigte Bild von Leon mit Augenklappe, das in sozialen Netzwerken und Foren fast schon überall aufgetaucht ist. Zusammen mit der Illustration verbreiteten sich Geschichten über ein besonderes DLC-Kostüm und angebliche Story-Details. Laut Kumazawa gehört dieses Material jedoch weder zum Marketingplan noch zum internen Artwork des Teams. Es stammt nicht von Capcom und soll nicht als versteckte Botschaft gelesen werden. Kurz gesagt: Es ist ein Fake, der durch die Sehnsucht der Fans nach Leon künstlich aufgeblasen wurde.
Interessant ist allerdings, was Kumazawa nicht sagt. Er stellt klar, dass man nichts bestätigen könne, solange Capcom nichts Offizielles ankündigt – aber er sagt auch nicht klar und deutlich, dass Leon garantiert nicht in Resident Evil Requiem auftaucht. Kein hartes Nein, keine endgültige Absage, nur ein Verweis auf die offiziellen Infos, die noch kommen. Genau diese Grauzone hält die Gerüchteküche am Brodeln: Viele Fans argumentieren, Capcom hätte einen kompletten Ausschluss längst direkt kommuniziert, wenn Leon überhaupt keine Rolle im Projekt spielen würde.
Dass die Figur so im Fokus steht, überrascht kaum. Leon S. Kennedy begleitet die Reihe seit Resident Evil 2 und ist spätestens seit Resident Evil 4 zum festen Aushängeschild geworden. Er steht für den Übergang von klassischem, statischem Survival Horror hin zu dynamischerem, actionorientiertem Gameplay. Für einen großen Teil der Spielerschaft ist er nicht nur ein Charakter, sondern ein Stück Seriengeschichte. Die Vorstellung, ihn in einem düsteren, moderneren Kontext wie Requiem wiederzusehen, entfacht automatisch die Fantasie – und macht es leichter, auch fragwürdigen "Leaks" Glauben zu schenken.
Das Interview dreht sich aber nicht nur um Gerüchte. Kumazawa spricht auch über eine zentrale Designentscheidung von Resident Evil Requiem: die Möglichkeit, zwischen Ego-Perspektive und Third-Person-Kamera zu wechseln. Diese Flexibilität kommt nicht aus dem Nichts. Das Team hat sehr genau beobachtet, wie positiv der Third-Person-Modus von Resident Evil Village aufgenommen wurde. Viele Spielerinnen und Spieler fühlten sich damit näher an den Wurzeln der Reihe, erinnern sich an das Spielgefühl von Resident Evil 4 und den jüngsten Remakes und fühlen sich damit schlicht wohler.
Parallel dazu besitzt Resident Evil VII Biohazard den Ruf, eine der intensivsten und gruseligsten Erfahrungen im Franchise zu sein – und zwar gerade wegen der festen Ego-Perspektive. Der enge Blickwinkel, der permanente Druck, der Sound, der einem direkt im Nacken sitzt: All das erzeugt eine extreme Nähe zum Horror, die nicht jeder dauerhaft aushält. Für Hardcore-Horror-Fans ein Traum, für empfindlichere Gemüter ein Albtraum im schlechtesten Sinne. Requiem versucht hier bewusst mehr Spielraum zu schaffen.
Laut Kumazawa kann die Third-Person-Ansicht den Schrecken etwas entschärfen, ohne ihn komplett zu verwässern. Wer sich maximal hineinziehen lassen möchte, bleibt in der Ego-Ansicht, nimmt jede Bedrohung ungefiltert wahr und erlebt Jumpscares aus nächster Nähe. Wer lieber die komplette Figur im Blick behält, Animationen und Bewegungen lesen möchte und sich mit etwas Distanz wohler fühlt, wechselt in die Schulterperspektive. So will Requiem sowohl alte als auch neue Fans abholen, ohne den Kern von Resident Evil – das Gefühl, ständig einen Schritt vom Tod entfernt zu sein – zu verlieren.
Weniger erfreulich sind Kumazawas Aussagen zur Frage nach einer Demo. Auf die Nachfrage nach einer spielbaren Testversion reagierte er ungewöhnlich deutlich: Aktuell gebe es keinerlei Pläne für ein Demo zu Resident Evil Requiem. Das Team konzentriere sich voll und ganz darauf, die fertige Version rechtzeitig zur Veröffentlichung im Februar 2026 zu finalisieren. Zusätzliche Ressourcen für eine separate Demo seien in dieser Phase schlicht nicht eingeplant.
Ganz ausschließen lässt sich ein späteres Umdenken natürlich nicht, doch im Moment stehen die Chancen eher schlecht. Trotzdem klammern sich viele Fans an die Vergangenheit: Zahlreiche aktuelle Einträge der Reihe – von den Remakes bis zu Village – haben vor Release eine Demo oder zeitlich begrenzte Testphasen erhalten. Capcom ist dafür bekannt, kurz vor knapp noch Überraschungen aus dem Hut zu zaubern. Offiziell gilt zwar "kein Demo geplant", aber die Hoffnung auf einen spontanen Ankündigungstrailer wenige Wochen vor Release bleibt.
Während der Nebel um Leon weiterhin dicht bleibt, rückt eine andere Figur stärker in den Vordergrund: Grace. Alles deutet darauf hin, dass sie das eigentliche Zentrum von Resident Evil Requiem bildet. Erste Anspielmöglichkeiten auf Messen wie der Gamescom zeichneten das Bild einer Protagonistin, die deutlich verletzlicher wirkt als viele ihrer Vorgänger. Grace ist kein Supersoldat, kein perfekt ausgebildeter Agent – eher eine Person, die in einen albtraumhaften Ausnahmezustand stolpert und versucht, irgendwie durchzuhalten.
Diese Verletzlichkeit verändert die Tonlage des Spiels spürbar. Statt sich nach den ersten Stunden in eine Machtfantasie zu verwandeln, könnte Requiem den Druck konsequent hochhalten. Wenn Capcom sich traut, Grace über die gesamte Kampagne als alleinige spielbare Figur zu belassen, ohne später auf eine "Power-Figur" umzuschwenken, könnte dies zu einem der psychologisch eindringlichsten Teile der Reihe führen. Das Gefühl, nie wirklich sicher zu sein, könnte sich durch jeden einzelnen Abschnitt ziehen.
Das hätte auch Auswirkungen auf das Kampfsystem. Eine physisch weniger dominante, unerfahrenere Heldin liefert eine natürliche Grundlage für andere Prioritäten: Flucht, Verstecken, taktisches Ausweichen und Ressourcenmanagement könnten wichtiger werden als wildes Draufhalten. Wenig Munition, unbeholfene Nachlade-Animationen, das konstante Gefühl, bei einem Fehler alles zu verlieren – all das kann aus Standard-Kämpfen kleine Horror-Geschichten machen. Wenn Requiem diesen Ansatz wirklich durchzieht, könnte es sich stärker über Atmosphäre und Anspannung definieren als über pure Action.
Am Ende bleibt die Leon-Frage vorerst offen. Doch je mehr man über Resident Evil Requiem erfährt, desto deutlicher wird: Die Qualität des Spiels wird nicht daran hängen, ob der Fanliebling einen Auftritt hat oder nicht. Mit der flexiblen Kamera, der Möglichkeit, das Ausmaß des Horrors an den eigenen Geschmack anzupassen, und einer Protagonistin, die mehr Mensch als Superheld ist, zeichnet sich ein moderner Survival Horror ab, der sowohl Veteranen als auch Neulinge ansprechen kann. In einer Zeit, in der jeder Screenshot gefälscht und jedes Video per KI generiert sein kann, ist Misstrauen gegenüber "Leaks" gesund – die Vorfreude auf den Februar 2026 aber genauso.
2 kommentare
Ich wette immer noch, dass Capcom kurz vor Release irgendeine Überraschungs-Demo dropt
RE7 in Ego-Perspektive hat mich komplett fertig gemacht, Third Person in Requiem ist für mich Pflicht