Kit Harington und Sophie Turner stehen wieder gemeinsam vor der Kamera – aber diesmal fühlt es sich für viele Fans an wie ein kleiner Reality-Schock. Statt als Jon Snow und Sansa Stark Seite an Seite durch Winterfell zu stapfen, spielen die beiden im neuen Gothic-Horrorfilm The Dreadful ein Liebespaar. Aus ehemaligen Zieh-Geschwistern werden plötzlich romantische Hauptfiguren, und Harington gibt offen zu: Ganz ohne Fremdscham ging das nicht über die Bühne.
Der kurioseste Moment passierte nicht einmal am Set, sondern viel früher. 
Sophie Turner war es, die ihm das Drehbuch zuschickte, mit der entspannten Nachricht, dass sie ihn perfekt für die Hauptrolle fände. Harington blätterte los, las sich in die düstere Welt des Films ein – und stolperte irgendwann darüber, wie oft in den Regieanweisungen Begriffe wie Kuss, Intimität und Sex auftauchten. In seinem Kopf klingelten sofort alle GoT-Glocken. Wie er später erzählte, schrieb er ihr sinngemäß zurück, dass das alles ziemlich seltsam werden könnte, wenn ausgerechnet sie seine Partnerin wird.
Turner wiederum scherzte in Interviews, dass sie erst nach dieser Nachricht wirklich begriffen habe, wie intensiv die Liebesgeschichte zwischen ihren Figuren angelegt ist. Jahrelang hatten sie in Presse-Interviews über die Stark-Familie gesprochen, Witze über die schräge Moral von Westeros gemacht – und nun sollte sie dem Mann, den die Welt als ihren Serienbruder kennt, verliebt in die Augen schauen.
Als ob das nicht genug Stoff für peinliche Momente wäre, kam am Set noch ein ganz praktisches Problem dazu: die Körpergröße. Sophie Turner ist sichtbar größer als Harington, und die Kamera verzeiht keine schiefen Proportionen. Also bekam Jon Snow ein neues, sehr bodenständiges „Reittier“: die Apfelkiste. Für viele Kuss-Szenen musste Harington auf den klassischen Holzblock steigen, den Filmcrews ohnehin ständig durch die Gegend schleppen. Später erzählte er lachend, es habe sich so angefühlt, als wäre Turner einen ganzen Fuß größer, auch wenn das in der Realität nicht ganz stimmt.
Im Netz ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Fans durchforsteten sofort Datenbanken und Klatschseiten, verglichen Größenangaben und stellten fest, dass der Abstand auf dem Papier gar nicht so dramatisch wirkt. Aber genau das macht den Charme der Geschichte aus: Die Vorstellung, wie ein weltbekannter Schauspieler kurz vor dem Kuss noch schnell auf einen Kasten klettert und versucht, dabei maximal ernst und romantisch zu wirken, ist fast zu filmreif, um wahr zu sein. Viele witzelten, die Apfelkiste verdiene eigentlich einen eigenen Credit im Abspann.
Unter der Oberfläche steckt aber ein ernstes Thema: die Serien-Vergangenheit der beiden. Für einen Großteil des Publikums sind Harington und Turner untrennbar mit ihren GoT-Figuren verbunden. Jon und Sansa wurden als Familie inszeniert, als Geschwister, die sich nach Jahren der Trennung wiederfinden und gemeinsam gegen politische Monster kämpfen. Ja, Game of Thrones war voll von Inzest, allen voran bei den Lannisters, aber genau deshalb fühlte sich das Verhältnis zwischen Jon und Sansa bewusst anders, fast schon „sauberer“ an. Kein Flirt, keine zweideutigen Blicke – nur ein schweres, aber klares Band aus Loyalität.
Jetzt dieselben Gesichter in eindeutig romantischen Szenen zu sehen, löst bei vielen Fans einen kurzen Schockmoment aus. Man muss sich aktiv daran erinnern, dass das neue Figuren sind, eine andere Welt, eine andere Zeit. Harington und Turner scheinen diesen Effekt zu kennen und nutzen ihn sogar als Gesprächsanlass. Beide betonen, wie wichtig ihre langjährige Freundschaft und das Vertrauen am Set waren. Intime Szenen seien nie so glamourös, wie sie im fertigen Film aussehen: Überall stehen Leute herum, jemand zählt an, jemand justiert das Licht, und mittendrin sollen zwei Schauspieler so tun, als gäbe es nur sie beide.
Dass die beiden so offen mit der eigenen Befangenheit umgehen, macht die Sache fast sympathischer. Sie sprechen darüber, machen Witze, nehmen der Situation die Schwere – und genau diese Lockerheit hilft, die Szenen am Ende glaubhaft zu spielen. Es ist weniger ein Skandal als eine selten ehrliche Einordnung, wie sich solche Szenen wirklich anfühlen, wenn man jahrelang als „Bruder“ und „Schwester“ vermarktet wurde.
Gleichzeitig passt der Film selbst erstaunlich gut in den Schatten, den Game of Thrones hinterlassen hat. The Dreadful spielt zur Zeit der Rosenkriege im 15. Jahrhundert, einem blutigen Machtkampf um die englische Krone, der George R. R. Martin nach eigener Aussage massiv inspirierte. Wieder geht es um Familienclans, Intrigen, Verrat und einen Krieg, der wie ein zähes, endloses Fieber über dem Land liegt. Statt Drachen und weißen Wanderern regieren in diesem Fall Nebel, Aberglaube und das Grauen der eigenen Vergangenheit. Dass ausgerechnet zwei der bekanntesten GoT-Gesichter hier ein Liebespaar spielen, wirkt fast wie ein meta-textueller Seitenhieb auf ihre gemeinsame Seriengeschichte.
Auch der Blick auf ihre privaten Wege seit dem Serienfinale spielt in die Wahrnehmung hinein. Harington hat seine Liebe am Set von GoT gefunden und Rose Leslie geheiratet, die Ygritte spielte. Turner hingegen ist längst vom Stark-Mantel in andere Franchise-Welten gewechselt, hat Superhelden, Dramen und Comedy ausprobiert – und nebenbei erlebt, wie es ist, dauerhaft im Fokus von Paparazzi und Social Media zu stehen. Wenn sich diese beiden nun wieder treffen und vor laufender Kamera in den Liebesmodus wechseln, schwingt all das unausgesprochen mit.
Die Reaktionen online sind entsprechend gemischt und meist ironisch. Einige kommentieren, dass es wohl schlimmere Jobs gäbe, als bezahlt Sophie Turner zu küssen – Apfelkiste inklusive. Andere unterstellen Harington halb im Spaß, halb im Ernst, er übertreibe die Peinlichkeit nur, damit Schlagzeilen entstehen. Wieder andere ziehen Parallelen zu Hollywood-Geschichten, in denen Schauspieler innerhalb weniger Jahre vom Liebhaber zur Film-Mutter oder zum Film-Sohn derselben Person werden. Am Ende bleibt aber vor allem eine Frage: Wird das Publikum in der Lage sein, Jon und Sansa im Kopf auszublenden, wenn The Dreadful endlich startet?
Ein offizielles Startdatum gibt es noch nicht, also bleibt erstmal viel Raum für Memes und Spekulationen. Klar ist nur: Die GoT-Ära ist für Harington und Turner nicht vorbei, sie verändert lediglich die Form. Aus Geschwistern werden Liebende, aus Winterfell wird ein vom Krieg zerfressenes England, und irgendwo zwischen Nebel, Blut und Apfelkiste versucht ein einstiger Serienbruder, die Zuschauer davon zu überzeugen, dass es diesmal wirklich um eine andere Art von Liebe geht.
2 kommentare
99 Prozent der Typen würden ohne zu meckern auf fünf Apfelkisten klettern, wenn sie dafür Sophie Turner küssen dürften, come on 🙃
alle so: oh gott wie unangenehm, und ich nur so: brudi, du wirst bezahlt um Sophie Turner zu küssen, das ist kein Leid, das ist ein Upgrade 😆