Der OnePlus 15 hat eindrucksvoll gezeigt, dass OnePlus immer noch weiß, wie ein echtes Android-Flaggschiff aussehen muss: starkes Display, Highend-Chipset, schickes Design und eine schnelle, aufgeräumte Software. Nur ein Detail schreckt viele Käufer ab: der Preis. Rund 900 Euro beziehungsweise Dollar sind für viele Nutzer einfach zu viel, egal wie gut das Datenblatt aussieht. Genau an dieser Stelle kommt traditionell die R-Serie ins Spiel – Geräte, die sich wie ein Flaggschiff anfühlen, aber preislich deutlich näher an der Mittelklasse liegen. 
Und alles deutet darauf hin, dass das nächste Modell dieser Reihe OnePlus 15R heißt.
Offiziell hat OnePlus bisher nur bestätigt, dass ein 15R kommt. Es gibt noch keine vollständige Spezifikationsliste, keine finalen Pressebilder und auch keine konkrete Preisangabe. Doch in China läuft die übliche Vorab-Show bereits auf Hochtouren. Dort teasert das Unternehmen ein neues Performance-Modell namens OnePlus Ace 6T. Wer die Strategie der Marke kennt, ahnt schon: Genau dieses Gerät könnte als technische Grundlage für den OnePlus 15R in Indien und anderen Märkten dienen. Wer heute verstehen will, was der 15R bieten könnte, sollte sich also den Ace 6T sehr genau ansehen.
Um das besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Rollenverteilung innerhalb des OnePlus-Portfolios. In China steht die Ace-Reihe für rohe Leistung: hohe Bildwiederholraten, starke Snapdragon-Chips, aggressive Kühlung und extrem schnelle Ladegeschwindigkeiten. Die Geräte richten sich klar an Gamer und Power-User, die ihr Smartphone wirklich ausreizen. Außerhalb Chinas tauchen sehr ähnliche Geräte häufig unter dem Label R auf – minimal angepasst, leicht umkonfiguriert und preislich auf lokale Märkte zugeschnitten. Mit anderen Worten: Was in China als Ace startet, wird international nicht selten zum R-Modell.
Genau deshalb schauen so viele Fans auf den Ace 6T. Sobald klar ist, in welche Richtung dieses Modell geht, gibt das automatisch einen ziemlich guten Vorgeschmack auf den OnePlus 15R. Das Konzept ist bekannt: Möglichst viel Flaggschiff-Feeling, ohne dass der Preis auf Flaggschiff-Niveau klettert. Das heißt im Idealfall: viel Leistung, lange Akkulaufzeit, schnelle Ladefunktion, aber etwas konservativere Kamera-Hardware und weniger Luxus bei Materialien und Extras.
Die ersten offiziellen Teaser zum OnePlus Ace 6T konzentrieren sich auf ein Kernthema: Tempo. OnePlus rückt die Display-Technik in den Vordergrund und bewirbt eine Bildwiederholrate von satten 165 Hertz. Das ist ein Wert, den nicht einmal alle Oberklasse-Gaming-Phones erreichen und der in klassischen Mittelklasse-Geräten quasi nicht vorkommt. Für den Alltag bedeutet das extrem flüssiges Scrollen, butterweiche Animationen und ein besonders direktes Bediengefühl. Vor allem aber verschafft ein solcher Bildschirm in kompetitiven Spielen einen Vorteil, weil Eingaben und Bewegungen schneller sichtbar werden.
Parallel dazu spricht OnePlus von einem Chipsatz auf Flaggschiff-Niveau und einem groß dimensionierten Akku. In der Gerüchteküche fällt immer wieder der Name Snapdragon 8 Gen 5 in einer nicht Elite-Variante. Das würde den Ace 6T in die Liga der fast vollwertigen Highend-Prozessoren heben, nur mit etwas weniger Takt und damit geringeren Kosten sowie potenziell besserem Temperaturverhalten. Für Nutzer heißt das: mehr als genug Power für aktuelle Spiele, Video-Editing, Multitasking und langfristige Software-Support-Zyklen.
Auch wenn bisher nur die 165-Hz-Displayangabe offiziell ist, zeichnen Leaks ein immer klareres Bild. Der Ace 6T soll demnach etwas kompakter ausfallen als der reguläre Ace 6, was viele freuen dürfte, die sich keinen XXL-Klopper mehr in die Hosentasche stecken wollen. Gleichzeitig bleibt das Display groß genug für Serien, Social Media und Games. Unter der Haube ist von einem Akku im Bereich von 8.000 mAh die Rede, kombiniert mit 100-Watt-Schnellladen. Das wäre eine Kombination, die explizit auf Menschen zielt, die ihr Handy intensiv nutzen und es ungern zwischendurch an die Dose hängen.
Spannend ist auch der Blick auf die Kamera. Statt eines überladenen Triple- oder Quad-Setups sprechen die meisten Berichte von einem Dual-System mit 50-Megapixel-Hauptsensor und einem 8-Megapixel-Zweitmodul, vermutlich als Ultraweitwinkel. Das zeigt die Priorität: Alltagsfotos, Social-Media-Schnappschüsse und solide Low-Light-Leistung sind wichtig – aber der Fokus liegt klar nicht darauf, die besten Zoom- oder Portrait-Fotos der Branche zu liefern. Sollte der OnePlus 15R auf genau diesem Paket aufbauen, würde er sich klar als Performance- und Akkumonster im oberen Mittelklasse-Segment positionieren.
Gleichzeitig gibt es ein zweites, realistisches Szenario. Manche Beobachter gehen davon aus, dass der 15R nicht auf dem Ace 6T, sondern auf dem regulären Ace 6 basiert. Dann wäre ein noch größeres Display im Spiel – rund 6,83 Zoll –, was vor allem Heavy-User und Streaming-Fans ansprechen dürfte. Der Akku soll dort bei etwa 7.800 mAh liegen, was minimal weniger Kapazität bedeutet, dafür aber mit noch schnellerem Laden von bis zu 120 Watt kombiniert wird. Ebenfalls im Gespräch: der Snapdragon 8 Elite der vorherigen Generation als Herzstück dieses Modells.
Auf dem Papier klingt ein Vorjahreschip zunächst weniger attraktiv als ein brandneuer Snapdragon 8 Gen 5. Praktisch gesehen liefern diese Oberklasse-SoCs aber oft über Jahre hinweg mehr Leistung, als die meisten Nutzer überhaupt ausschöpfen. Im Alltag wird der Unterschied eher in Details wie Effizienz, Hitzeentwicklung unter Dauerlast und dem psychologischen Faktor „neuste Generation oder nicht“ spürbar sein. Egal ob 8 Elite oder 8 Gen 5 non Elite – beide Varianten würden den OnePlus 15R ziemlich sicher in die Kategorie „schnell genug für alles“ katapultieren.
Unabhängig davon, welches Ace-Modell letztlich als Vorlage dient, deutet alles darauf hin, dass der OnePlus 15R ein extrem starker Konkurrent in der Upper-Midrange werden könnte. Erwartbar sind eine sehr flüssige Bedienung, lange Screen-on-Zeiten, kurze Ladepausen und ein Preis, der deutlich unter dem des OnePlus 15 liegt. Im Gegenzug muss man wahrscheinlich auf Premium-Extras wie kabelloses Laden, besonders hochwertige Materialien oder einen aufwendigen Telezoom verzichten. Für viele Nutzer, die ihr Smartphone vor allem für Social Media, Messaging, Games und Streaming nutzen, ist genau das aber ein sehr fairer Deal.
Aktuell wird damit gerechnet, dass der OnePlus 15R zuerst in Indien gegen Ende des Jahres aufschlägt. Dort würde er sich direkte Duelle mit Samsungs Galaxy-A-Reihe, diversen Redmi- und Poco-Modellen von Xiaomi sowie Googles Pixel-A-Geräten liefern. All diese Smartphones versprechen ein Stück Flaggschiff-Erlebnis ohne Flaggschiff-Preis. OnePlus dürfte versuchen, sich über drei Punkte abzusetzen: kompromisslose Geschwindigkeit, große Akkus mit Turbo-Laden und eine Software, die trotz vieler Funktionen angenehm schlank und reaktionsschnell bleibt.
Damit zeichnet sich schon jetzt recht klar ab, für wen der OnePlus 15R interessant sein dürfte. Mobile Gamer, die hohe Bildraten und stabile Performance suchen; Vielnutzer, die morgens von der Steckdose losziehen und abends noch genug Restakku für Netflix haben wollen; und langjährige OnePlus-Fans, denen der 15er einfach zu teuer ist. Wer hingegen vor allem die beste Kamera will, wird möglicherweise weiter in Richtung Pro-Modelle oder andere Marken schauen. Für alle, die Leistung und Ausdauer höher gewichten als Kamera-Experimente, könnte der 15R genau die richtige Balance treffen.
Die ersten Ace-6T-Teaser verraten zwar noch nicht jedes Detail, lassen aber die Philosophie dahinter klar erkennen. Der OnePlus 15R will offenbar kein perfekter Allrounder sein, sondern ein Spezialist für Tempo, Display und Akkulaufzeit – zu einem Preis, der deutlich weniger weh tut als die absolute Oberklasse. Wenn OnePlus dieses Konzept sauber umsetzt und die Preisgestaltung nicht überzieht, könnte der 15R einer der spannendsten Android-Midranger seines Jahrgangs werden und so manchem etablierten Hersteller Kopfschmerzen bereiten.
1 kommentar
Lieber zwei brauchbare Kameras als vier sinnlose Sensoren nur fürs Datenblatt, da hat OnePlus recht