Zum Jahresende wird der indische Markt für High-End-Androids zur echten Spielwiese für Flagship-Fans. Kaum ein großer Hersteller lässt sich die Chance entgehen, nochmal ein Topgerät ins Rennen zu schicken – und mittendrin steht vivo mit der neuen X300-Serie. Am 2. 
Dezember sollen das vivo X300 und das X300 Pro offiziell in Indien vorgestellt werden, doch schon jetzt kursieren detaillierte Preisleaks. Sie zeigen ziemlich klar, in welcher Liga vivo spielen will – und wie offensiv man die direkte Konkurrenz aus dem eigenen Land, allen voran Oppos Find-X9-Reihe, angreift.
Besonders spannend ist das vermeintliche Spitzenmodell vivo X300 Pro. Laut aktuellen Gerüchten kommt es in Indien nur in einer einzigen, dafür maximal ausgestatteten Variante auf den Markt: 16 GB RAM und 512 GB Speicher. Preislich soll das Ganze bei 109.999 Rupien liegen, umgerechnet rund 1.240 US-Dollar bzw. 1.075 Euro. Damit positioniert sich das X300 Pro klar in der Ultra-Premium-Zone – dort, wo man normalerweise nur die absoluten Vorzeige-Androids findet. Dass vivo gleich auf eine Single-Konfiguration setzt, ist ein deutliches Statement: Dieses Gerät richtet sich an Nutzerinnen und Nutzer, die keine Lust auf Kompromisse haben, mit vielen Apps parallel arbeiten und Fotos sowie Videos lieber sammeln als löschen.
Das „normale“ vivo X300 soll deutlich breiter aufgestellt sein und mehr Spielraum beim Budget bieten. Für Indien werden drei Speichervarianten gehandelt: 12 GB RAM mit 256 GB Speicher für 75.999 Rupien, 12 GB RAM mit 512 GB für 81.999 Rupien und ein Topmodell mit 16 GB RAM und 512 GB Speicher für 85.999 Rupien. In etwa entspricht das 855, 925 und 970 US-Dollar. Im Premium-Segment sind das aggressive, aber nicht völlig abgehobene Preise. Vor allem die Staffelung ist interessant: Wer vor allem auf Leistung achtet, kann mit der kleinsten Version sparen, während Vielknipser und Power-User zu 512 GB greifen, ohne direkt in die Pro-Region hochzurutschen. Dass vivo hier gleich drei Optionen anbietet, ist ein deutlicher Kontrast zu vielen anderen Flagships, die völlig auf Speicher-Varianten verzichten oder nur minimal unterscheiden.
Richtig eigenständig wird die X300-Serie aber durch das Zubehör, das vivo parallel vorbereitet. Für Indien ist ein Photographer Kit geplant, das ganz klar Foto-Fans ins Visier nimmt. Herzstück dieses Pakets ist ein 2,35x-Telefoto-Extender, der mit der Telekamera des Smartphones zusammenspielt und den optischen Zoombereich erweitert. Die Idee: näher ans Motiv heran, ohne dass die Bildqualität wie beim digitalen Zoom sichtbar leidet. Der Leak spricht von 19.999 Rupien, also etwa 225 US-Dollar bzw. 195 Euro. Der Haken – oder je nach Sichtweise das Feature: Das Kit soll ausschließlich mit dem vivo X300 und X300 Pro kompatibel sein. Wer also ohnehin ein X300-Modell anpeilt und viel reist, Sportevents fotografiert oder Kinder auf dem Spielfeld ablichten möchte, bekommt hier eine spannende Alternative zur klassischen Kamera.
Gleichzeitig versucht auch Oppo, die Smartphone-Kamera zum System auszubauen. Zusammen mit der Find-X9-Reihe wurde in Indien der Hasselblad Teleconverter Kit vorgestellt. Der Name ist Programm: Das Zubehör entsteht in Kooperation mit dem Traditionshersteller Hasselblad, der für seine Mittelformatkameras bekannt ist. Das ist marketingtechnisch ein starkes Pfund, kostet aber auch: 29.999 Rupien, was rund 340 US-Dollar oder 295 Euro entspricht. Im direkten Vergleich zum angeblichen Photographer Kit von vivo liegt hier also ein Preisunterschied von rund 10.000 Rupien. Während Oppo auf Markenprestige und ein besonders „klassisches“ Farbprofil setzt, versucht vivo ganz offensichtlich, mit einem aggressiveren Preis-Leistungs-Verhältnis zu punkten – interessant vor allem für all jene, die am Ende das fertige Foto wichtiger finden als den Schriftzug auf der Schachtel.
Auch bei den eigentlichen Smartphones deutet alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Der Oppo Find X9 Pro wird in Indien ebenfalls mit 16 GB RAM und 512 GB Speicher erwartet – und das zum gleichen Preis von 109.999 Rupien, der auch für das vivo X300 Pro gehandelt wird. Zwei Pro-Flaggschiffe, identische Speicher-Konfiguration, identische Preisregion: Hier entscheidet nicht mehr der nackte Zahlenvergleich, sondern die Gesamtwirkung. Beim regulären Find X9 ist die Staffelung ein wenig anders: 12 GB / 512 GB sollen bei 74.999 Rupien liegen, 16 GB / 512 GB bei 84.999 Rupien. Damit schiebt sich Oppo ganz dicht an die Preisstufen des vivo X300 heran, vor allem an dessen mittlere und obere Variante. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: Die Wahl wird sich weniger an der Frage „Wie viel Speicher bekomme ich für mein Geld?“ orientieren, sondern vielmehr an Design, Kameraabstimmung, Software-Oberfläche und Updatepolitik.
Genau an dieser Stelle werden die Markenprofile spannend. In den letzten Jahren hat sich vivo mit konsequenter Investition in Rechenfotografie, Nachtmodi und Stabilisierung einen Namen gemacht. Vor allem spezielle Features wie gimbalartige Kamerastabilisierung haben techaffine Nutzerinnen und Nutzer aufmerksam werden lassen. Oppo wiederum setzt stark auf die Partnerschaft mit Hasselblad: Hauttöne, Farbcharakter, Schwarz-Weiß-Looks – all das soll an klassische Kameras erinnern und Fotos einen gewissen „Signature-Look“ geben. Wenn dann noch optionale Telekonverter hinzukommen, verschwimmt die Grenze zwischen Smartphone und Systemkamera ein Stück weit. Die Frage ist weniger, welcher Sensor größer ist, sondern welche Bildästhetik dem eigenen Geschmack näherkommt.
Komplett ignorieren darf man in diesem Kontext die Performance-Schiene von vivo nicht. Unter dem iQOO-Label spricht der Hersteller gezielt Nutzer an, die in erster Linie schnelle SoCs, hohe Bildwiederholraten und starkes Kühldesign suchen. Noch bevor die X300-Serie in Indien an den Start geht, soll am 26. November das iQOO 15 vorgestellt werden. Erwartet wird ein Gaming- und Power-Flaggschiff mit Fokus auf FPS-starke Displays, zügiges Laden und Dauerlast ohne Throttling. Erste Eindrücke von Pressebriefings deuten aber darauf hin, dass die Kamera trotzdem nicht völlig zur Nebensache degradiert wird. Für viele Interessierte ergibt sich damit ein interessantes Dreieck: ein kameraorientiertes vivo X300, ein Hasselblad-geadeltes Oppo Find X9 und ein performanceoptimiertes iQOO 15 – alle innerhalb weniger Tage nacheinander.
Ob die jetzt kursierenden Preise am Ende wirklich stimmen, entscheidet sich am 2. Dezember, wenn vivo in Indien offiziell die Bühne betritt. Sollte sich der Leak bewahrheiten, steht Käuferinnen und Käufern ein ungewöhnlich breites Angebot im Premium- und Ultra-Premium-Segment bevor: vom voll ausgestatteten X300 Pro oder Find X9 Pro zum identischen Toppreis über die etwas günstigeren, aber immer noch hochwertigen Varianten von X300 und Find X9 bis hin zum iQOO 15 für alle, die ihre Priorität klar bei Leistung und Gaming setzen. Mit den optionalen Tele-Kits wird die Entscheidung noch komplexer – und genau das macht die diesjährige Flaggschiff-Saison im indischen Markt so spannend.
1 kommentar
Wenn das iQOO 15 preislich drunter liegt und im Gaming alles wegballert, werden viele die Kamera-Kits einfach ignorieren lol