Crowsworn ist zurück auf der Bildfläche – und zwar nicht mit einem kurzen Teaser, sondern mit einem richtig dicken Lebenszeichen. 
Im Rahmen der aktuellen Xbox Partner Preview zeigte das Indie-Studio Mongoose Rodeo einen neuen Gameplay-Trailer zu seiner düsteren Metroidvania und bestätigte gleichzeitig, dass das Spiel nicht nur auf dem PC, sondern auch auf Nintendo Switch, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheinen soll. Für alle, die das Projekt seit Jahren im Blick haben, fühlt sich dieser Auftritt weniger wie eine neue Ankündigung an und mehr wie ein „Ja, wir existieren, und ja, es geht voran“.
Gerade für Metroidvania-Fans ist dieser Trailer deutlich mehr als nur hübsches Marketing-Material. Crowsworn hatte sich schon beim ersten Auftritt als kleiner Geheimtipp positioniert: handgezeichnete 2D-Grafik, flüssige Animationen, eine rabenschwarze Fantasy-Welt und ein Protagonist, der mit Hut, Maske und Sense irgendwo zwischen Albtraum und Stil-Ikone pendelt. Der neue Trailer knüpft genau dort an: schnelle Ausweichmanöver, saubere Treffer-Feedbacks, Magiesalven und akrobatische Sprünge, eingebettet in enge Gassen, hoch aufragende Kirchtürme und verwucherte Ruinen.
Ein Metroidvania mit klaren Vorbildern – und eigenen Ambitionen
Dass Crowsworn nicht im luftleeren Raum entstanden ist, erkennt man in Sekundenbruchteilen. Die düstere Architektur erinnert an Bloodborne, die verschachtelten Areale und das Gefühl, sich immer tiefer in einen fremden, feindlichen Organismus hineinzuarbeiten, wecken unweigerlich Erinnerungen an Hollow Knight. Sobald der Kampf anzieht und der Held Gegner in der Luft jongliert, ist der Einfluss von Devil May Cry kaum zu übersehen: Kombos, Canceln, Tempo – hier soll es nicht nur ums Überleben gehen, sondern auch darum, wie elegant man überlebt.
Mongoose Rodeo verschweigt diese Inspirationsquellen nicht, sondern nennt sie offen – gleichzeitig betont das Team aber, dass Crowsworn kein reiner Mash-up ist. Das neue Gameplay-Material zeigt, wohin die Reise gehen soll: ein deutlich aggressiveres Metroidvania, in dem Gegner von allen Seiten Druck machen, Ausweichrollen und Sprünge nahtlos in Angriffe übergehen und Bosse so inszeniert sind, dass man ihre Muster lernen, aber auch kreativ kontern kann. Das Ziel scheint klar: fordernd wie Soulslikes, präzise wie klassische Metroidvanias und spektakulär wie ein Hack-and-Slash.
Kickstarter-Erfolg mit langen Schatten
Die Erfolgsgeschichte – und Geduldsprobe – rund um Crowsworn begann im Juli 2021. Damals landete das Projekt auf Kickstarter und schoss praktisch sofort durch die Decke: Über 19.600 Unterstützerinnen und Unterstützer sorgten für eine Endsumme von rund CA $1.258.068. Die Grundfinanzierung war in weniger als drei Stunden erreicht, Stretch-Goals wurden reihenweise freigeschaltet, die Feature-Liste immer länger und die Erwartungen entsprechend höher.
Mit dem Hype kam aber auch die Realität eines kleinen Teams, das all diese Versprechen umsetzen muss. Während andere Crowdfunding-Spiele aus dieser Zeit bereits erschienen und teilweise wieder aus dem Gespräch verschwunden sind, werkelt Mongoose Rodeo weiter an Crowsworn. Backer bekommen alle paar Monate exklusive Updates, GIFs, Auszüge aus dem Leveldesign – doch für das breite Publikum wirkte es lange so, als wäre das Projekt einfach im Nebel verschwunden. Kein Wunder, dass viele inzwischen scherzen, Crowsworn sei ihr „ältestes unerfülltes Kickstarter-Projekt“, das sie nur noch in der Kickstarter-Historie oder der verstaubten Bestätigungsmail wiederentdecken.
Fearanndal: Ein verfluchtes Königreich als Spielfeld
Herzstück des Spiels ist das Königreich Fearanndal, der Schauplatz der Geschichte. Offiziell heißt es, eine dunkle Verfluchung habe das einst lebendige Land verschlungen; von der Menschheit sind nur noch letzte Spuren übrig, der Rest wird von blinden Albtraumwesen beherrscht. Leere Straßen, verlassene Kirchen, halb überwucherte Dörfer und bizarre Kreaturen, die durch alles kriechen, was einmal Zivilisation war – Crowsworn setzt bewusst auf diese Mischung aus Verfall und geheimnisvoller Schönheit.
Aus Gameplay-Sicht ist Fearanndal wie gemacht für eine klassische Metroidvania-Struktur. Wege verzweigen und verschachteln sich, Abkürzungen verbinden entfernte Bereiche, jede neue Fähigkeit öffnet Türen, die vorher undurchdringlich wirkten. Wer gern jeden Winkel einer Karte abklopft, dürfte hier reichlich zu tun haben. Der Trailer deutet Tempel an, in denen vermummte Figuren Rituale vollführen, Dörfer, in denen Pflanzen fast alles verschlungen haben, und gigantische Bosse, die eher wie Manifestationen der Verfluchung selbst wirken als wie einfache Gegner.
Warum die Plattform-Bestätigung so wichtig ist
Auf dem Papier wirkt die Plattformliste wie eine nüchterne Randnotiz: PC, Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S – fertig. In der Praxis ist das aber ein entscheidender Punkt für ein Genre, das unglaublich von Eingabeverzögerung, Bildrate und Komfort lebt. Wer sich durch enge Trefferfenster und komplexe Sprungpassagen kämpfen soll, will das auf dem System seiner Wahl tun: Für einige ist das der Schreibtisch mit Maus, Tastatur oder Gamepad, für andere die Couch vor dem Fernseher oder der Switch-Handheld im Zug.
Dass Crowsworn explizit für all diese Plattformen angekündigt wird, wirkt wie ein Versprechen, die Zielgruppe nicht künstlich zu beschneiden. Gleichzeitig legt es die Messlatte höher: Die Fans erwarten, dass das Spiel sich überall gut anfühlt – ob auf leistungsstarken Konsolen oder auf der technisch deutlich schwächeren Switch.
Zwischen Frust und Vorfreude: Was Crowsworn noch leisten muss
Jahrelang auf ein Crowdfunding-Spiel zu warten, ist selten die Wunschvorstellung von Spielerinnen und Spielern. Viele haben Crowsworn deshalb längst zu einem Running Gag erklärt: das Projekt, das man irgendwann 2021 spontan unterstützt hat und das nun als Dauererinnerung an die eigene Ungeduld im Account hängt. Gleichzeitig zeigt die Reaktion auf den neuen Trailer, dass die Faszination noch da ist. Nicht viele Indie-Spiele schaffen es, nach so langer Funkstille mit einem einzigen Auftritt wieder groß in Diskussionen, Wunschlisten und Timelines aufzutauchen.
Am Ende wird Crowsworn sich daran messen lassen müssen, ob es mehr ist als nur eine liebevolle Mischung aus Bloodborne, Hollow Knight und Devil May Cry. Wenn Mongoose Rodeo die Stimmung, das Weltdesign und das Kampfsystem wirklich zu etwas Eigenständigem formen kann, könnte das Spiel sich einen Platz neben den modernen Genre-Größen sichern, statt nur als „sehr guter Klon“ abgestempelt zu werden. Der neue Gameplay-Trailer und die bestätigten Plattformen sind kein Finale, aber ein Wendepunkt: Fearanndal rückt näher – und mit ihm die Antwort auf die Frage, ob sich die jahrelange Geduldsprobe für Backer und neugierige Metroidvania-Fans gelohnt hat.
2 kommentare
Auf der Switch wird’s für mich ernst: Wenn das da sauber läuft, ist Fearanndal mein neues Stammziel für Bahnfahrten
Trailer ballert, aber ich glaub’s erst, wenn der Button „Installieren“ in Steam leuchtet und nicht nur ein neuer Dev-Post in meinem Postfach landet lol