Über Jahre hat Apple den MacBook bewusst als Premiumnotebook inszeniert: schlankes Aluminium, hoher Preis, klar die Botschaft „das hier ist eine Klasse über dem Rest“. Jetzt zeichnet sich ab, dass der Konzern zum ersten Mal seit langer Zeit ernsthaft an einer deutlich günstigeren Einstiegsklasse arbeitet. Mehrere voneinander unabhängige Berichte deuten darauf hin, dass im Frühjahr 2026 ein neues, preisreduziertes MacBook erscheinen soll. 
Kaum waren die ersten Details bekannt, tauchte in Kommentarspalten allerdings sofort die gleiche Frage auf: Seit wann gilt ein Preisrahmen von 599 bis 899 US-Dollar bitte als „low budget“?
Beim Zeitplan sind sich die Insider mittlerweile erstaunlich einig. Schon im November berichtete Bloomberg-Journalist Mark Gurman, Apple teste ein günstigeres MacBook, das für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen sei. Nun legt der Analyst Jeff Pu von GF Securities nach: In einer Notiz für Investoren spricht er konkret vom Frühjahr 2026 und davon, dass Apple das neue Einstiegs-MacBook gemeinsam mit dem iPhone 17e und dem zwölften iPad-Jahrgang vorstellen wolle. Damit würde die Firma ihren Frühlingstermin ganz bewusst für breitere, weniger hochpreisige Produkte nutzen und die ganz großen Luxus-Modelle weiter im Herbst bündeln.
Aus Pus Bericht lässt sich außerdem eine neue Taktung für die iPhone-Familie herauslesen. Die Topmodelle iPhone 18 Pro, iPhone 18 Pro Max und das schon lange herumgeisternde iPhone Fold sollen weiterhin im klassischen Herbstfenster 2026 landen. Das Basismodell iPhone 18, ein abgespecktes iPhone 18e und ein iPhone Air 2 würden demnach erst im Frühjahr 2027 folgen. Das günstige MacBook fügt sich also in ein größeres Experiment ein: Apple streckt seine Roadmap und versucht, verschiedenen Preisklassen eigene Bühnen zu geben, statt alles in einen einzigen Mega-Event zu pressen.
Doch was macht dieses neue Gerät „günstig“ – zumindest nach Apple-Logik? Es ist weniger eine radikale Neuentwicklung, sondern eher eine Reihe gezielter Einsparungen. Die Gerüchte sprechen von einem Einstiegspreis irgendwo zwischen 599 und 899 US-Dollar. Zum Vergleich: Der aktuell günstigste Mac-Laptop, das MacBook Air mit M4-Chip, startet bei 999 US-Dollar, Studierendenrabatte drücken den Preis mancherorts auf etwa 899. Kein Wunder, dass ein viel geteilter Kommentar sinngemäß fragt, ob 899 Dollar jetzt offiziell die neue Definition von „Low-Cost“ seien, während in der Windows-Welt Geräte für die Hälfte dieses Betrags stapelweise im Regal liegen.
Optisch dürfte der Spar-MacBook auf den ersten Blick kaum auffallen. Erwartet wird, dass Apple das Aluminiumgehäuse des aktuellen MacBook Air nahezu unverändert übernimmt: das gleiche, keilförmig anmutende Profil, die gleiche schlichte Formsprache, die gewohnt solide Verarbeitung. Beim Display wird hingegen gespart: Statt Mini-LED oder OLED ist von einem 13,6-Zoll-LCD-Panel die Rede – absolut alltagstauglich, aber ohne die Spitzenhelligkeit und den Kontrast der teureren Varianten. Für viele Anwender ist das allerdings ein Kompromiss, mit dem sie gut leben können, solange der Gesamtpreis stimmt.
Spannend wird es beim Prozessor. Statt eines Chips aus der M-Familie soll im günstigen MacBook ein A-Chip aus der iPhone-Reihe stecken, konkret der A18 Pro. Diese SoCs sind traditionell auf Smartphones zugeschnitten: maximale Effizienz, starke Single-Core-Performance, extrem niedriger Stromverbrauch. Seit Apple mit Apple Silicon jedoch den Schritt vom iPhone in den Mac geschafft hat, ist klar, wie gut diese Architektur nach oben skalieren kann. Ein MacBook mit A18 Pro dürfte für Browser, Office, Uni-Apps, Videocalls, etwas Bildbearbeitung und gelegentlichen Videoschnitt mehr als genug Reserven bieten – wer regelmäßig 8K-Material oder riesige Xcode-Projekte durchhämmert, ist ohnehin nicht die Zielgruppe.
Auch der Rest der technischen Daten wirkt bewusst pragmatisch. Statt Thunderbolt-Gigantismus ist von USB 3.2 Gen 2 mit bis zu 10 Gbit/s (etwa 1,25 GB/s) die Rede. Für externe SSDs, Drucker oder ein Display reicht das völlig, Power-User mit Docking-Station, mehreren 4K-Monitoren und schnellen RAID-Systemen werden dagegen eher zum Air oder zu den Pro-Modellen greifen. Die Basisvariante soll mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher kommen – kein Luxus, aber ein brauchbarer Ausgangspunkt, solange man nicht sein gesamtes Fotoarchiv lokal bunkert oder jede Steam-Bibliothek mitnehmen will.
Beim Eingabegerät mischt Apple gewohnte Qualität mit spürbarer Sparsamkeit. Der haptische Trackpad, den viele Nutzer inzwischen als beste Maus-Alternative im Notebook-Bereich sehen, soll bleiben. Der Knackpunkt dürfte die Tastatur sein: Mehrere Leaks behaupten, dass Apple bei diesem Modell auf eine Hintergrundbeleuchtung verzichten könnte. In Zeiten, in denen selbst viele 500-Euro-Windows-Notebooks leuchtende Tasten besitzen, wirkt das mutig, um es freundlich zu formulieren. Für Nutzer, die oft abends oder in dunklen Hörsälen tippen, könnte genau das zum Argument werden, doch lieber zum minimal teureren Air zu greifen.
Die Zielgruppen sind trotzdem klar umrissen. Zum einen will Apple Studierende und Schüler abholen, für die ein MacBook bislang schlicht außerhalb des Budgets lag. Zum anderen peilt der Konzern Firmenkunden an, die größere Stückzahlen beschaffen, aber nicht jedem Mitarbeitenden ein High-End-Gerät hinstellen müssen. Und dann ist da der riesige Block an Windows-10-Nutzern: Mit dem Auslaufen des Supports werden Millionen von Menschen gezwungen, über neue Hardware nachzudenken. Wenn im gleichen Zeitraum ein vergleichsweise günstiger Mac auf den Markt kommt, könnte das für einige der Anlass sein, den Sprung ins Apple-Ökosystem zu wagen – vorausgesetzt, der Preis fühlt sich nicht nach Mogelpackung an.
Ganz neu ist der Gedanke eines günstigeren Macs nicht. Als der MacBook Air mit M1 über Händler wie Walmart kurzfristig unter die Marke von 700 US-Dollar rutschte, war die Resonanz deutlich: Es gibt eine enorme Nachfrage nach einem „echten“ Mac im unteren Preissegment. Damals handelte es sich aber um Abverkaufsaktionen älterer Modelle. Jetzt scheint Apple zum ersten Mal eine eigene Linie zu planen, die von Anfang an auf ein niedrigeres Preisniveau zugeschnitten ist. Ob ein Einstieg bis 599 Dollar und ein Topmodell knapp unter 899 Dollar reichen, um die Skepsis vieler Nutzer zu entkräften, wird sich erst zeigen, wenn das Gerät real im Regal steht. Wer seinen nächsten Laptopkauf ohnehin erst 2026 plant, sollte den „Billig-MacBook“ zumindest im Hinterkopf behalten – er könnte die Art verändern, wie wir über den Einstieg in die Mac-Welt sprechen.
2 kommentare
Wenn das Teil real bei so 599 landet und es noch Student:innenrabatt gibt, könnte das echt mein erster Mac werden tbh
A-Serie im Mac klingt erst komisch, aber wenn die Kiste dafür den ganzen Tag ohne Steckdose überlebt, nehm ich das gerne mit