
Intel könnte kurz davor stehen, das Thema integrierte Grafik neu zu definieren: Laut einem frischen Leak soll die iGPU Intel Arc B390 in den kommenden Panther-Lake-Prozessoren rund 7.000 Punkte im 3DMark Time Spy Graphics erreichen – genug, um in synthetischen Benchmarks nicht nur die Radeon 890M und Intels eigene Arc 140T, sondern sogar eine GeForce RTX 3050 Desktop-GPU hinter sich zu lassen.
Bevor man jetzt jedoch vorschnell den Sekt kaltstellt: Es handelt sich klar um ein Gerücht, nicht um offizielle Zahlen aus einem Intel-Datenblatt. Die inoffizielle „Glaubwürdigkeitsbewertung“ lässt sich als ungefähr 65 % – also „wahrscheinlich, aber nicht sicher“ – zusammenfassen. Der bekannte Leaker OneRaichu hat ein solides Track Record, die Werte passen zur Roadmap und zur erwarteten Leistung der Xe3-Architektur, und auch der Zeitplan wirkt realistisch. Problem: Es gibt keine öffentlich einsehbaren Screenshots der Runs, und der ursprüngliche Source-Post soll bereits gelöscht worden sein. Wir diskutieren also derzeit im Kern weitergereichte Zahlen aus zweiter Hand.
Konkret geht es um eine 12-Kern-Xe3-iGPU mit dem Namen Intel Arc B390, integriert in eine Panther-Lake-CPU. In Time Spy Graphics soll dieses Paket rund 7.000 Punkte erzielen. Zum Vergleich: Der aktuelle Intel Arc 140T aus Arrow Lake-H liegt laut bisherigen Leaks ungefähr bei 3.720 Punkten, die RDNA-3.5-basierte Radeon 890M kommt etwa auf 3.374 Punkte. Sollte sich das bestätigen, würde B390 die Performance von 890M und 140T nahezu verdoppeln – wohlgemerkt bei einer Lösung, die sich den Strom- und Wärmerahmen mit CPU-Kernen teilt und keinen eigenen Grafikspeicher besitzt.
Dass solche Zahlen die Fantasie beflügeln, ist klar. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass 3DMark Time Spy ein synthetischer Benchmark ist, der bestimmte Architekturen und Optimierungen besonders gut aussehen lässt. Die Community kennt das Spiel seit Jahren und hat dem Test liebevoll den Spitznamen „time soy“ verpasst. Interessant ist, wie selektiv die Kritik ausfällt: Als eine Radeon RX 6900 XT in Time Spy eine RTX 3090 „aufgemischt“ hat, war der Aufschrei deutlich leiser. Jetzt, wo Intel offenbar in diesem Benchmark nach oben schießt, sind Skepsis und Spott plötzlich lauter – ein klassischer Fall von Fan-Lager-Dynamik.
Trotzdem lohnt ein Blick auf die Verhältniswerte. Mit rund 7.000 Punkten wäre Arc B390 in Time Spy etwa 12 % schneller als eine GeForce RTX 3050 für den Desktop, die im Schnitt um 6.323 Punkte liegt. Gegenüber Radeon 890M und Arc 140T würde sich – auf dem Papier – ein nahezu zweifacher Vorsprung auftun. Ganz oben im iGPU-Regal stehen weiterhin AMDs Strix-Halo-Varianten Radeon 8050S und 8060S mit etwa 9.278 bzw. 10.924 Punkten. Allerdings spielen diese Lösungen in einer anderen Gewichtsklasse: deutlich mehr Recheneinheiten, höheres Package-Power-Limit und Geräte, die eher im „Desktop Replacement“- und High-End-Gaming-Notebook-Segment zu Hause sind.
Der Leak nennt außerdem Werte für Steel Nomad Light, einen moderneren und deutlich härteren Test als Time Spy. Dort soll Arc B390 ungefähr 6.000 Punkte erreichen. Hochgerechnet wäre das fast 90 % mehr als Radeon 890M und rund 80 % mehr als Arc 140T. Steel Nomad Light legt den Fokus auf aufwendige Beleuchtung, viele Draw Calls und aktuelle Rendering-Techniken. Gute Ergebnisse hier deuten darauf hin, dass Intel mehr gemacht hat, als nur einen einzelnen Benchmark zu „tunen“: Xe3 scheint von Grund auf effizienter zu arbeiten – angefangen bei Caches und Scheduling bis hin zur besseren Ausnutzung der verfügbaren Speicherbandbreite.
Damit sind wir bei einem entscheidenden, aber noch offenen Detail: dem Speichersystem. Jede integrierte GPU steht und fällt mit der angebundenen RAM-Konfiguration. Bei Radeon 890M gibt es Geräte mit klassischem DDR5-4800-SO-DIMM, aber auch Notebooks mit deutlich schnellerem LPDDR5X-Speicher, der in Regionen um 10.700 MT/s unterwegs ist. Diese Bandbreitenunterschiede können je nach Szenario zweistellige Prozentwerte kosten oder bringen. Ohne klare Angaben, in welchem System 890M getestet wurde und welche Speicherbestückung bei dem geleakten Arc-B390-Run zum Einsatz kam, bleiben harte Vergleiche ziemlich wackelig. Ein 7.000-Punkte-Resultat auf einem High-End-LPDDR5X-Setup wirkt anders, als wenn dasselbe iGPU auf mittelmäßiger DDR5-Konfiguration abliefert.
Hinzu kommt die schiere Größe der verschiedenen iGPUs. AMDs 8050S und 8060S bringen rund 40 Compute Units mit und sind im Grunde kleine diskrete GPUs auf einem Package. Intel Arc B390 muss mit 12 Xe3-Cores auskommen. Sowohl Intel als auch AMD basieren aktuell pro Compute-Einheit grob auf 64 Shadern, während Nvidia je nach Generation 32 bis 128 Shader pro SM nutzt. Reine Einheiten-Zählerei taugt also wenig als Leistungsmaßstab. Entscheidend ist vielmehr, auf welches Marktsegment die jeweiligen Chips zielen: Strix Halo kann man sich eher in 16-Zoll-Gaming-Boliden und Workstations vorstellen, Panther Lake mit Arc B390 dagegen in dünneren 14- oder 15-Zoll-Notebooks und leistungsstarken Handheld-Konsolen.
Die Reaktionen aus der Community fallen entsprechend gespalten aus. Die Skeptiker rechnen fest damit, dass Intel wieder vor allem für synthetische Tests optimiert und die unangenehmen Kanten erst in echten Spielen sichtbar werden: unausgereifte Treiber, flackernde Effekte, wechselhafte Frametimes. Andere sehen den Leak deutlich positiver und hoffen schlicht darauf, dass jemand AMD im Bereich starker integrierter Grafik ernsthaft Konkurrenz macht. Denn je mehr Leistungsdruck von Intel kommt, desto geringer ist die Gefahr, dass die Preise für APU-basierte Gaming-Notebooks und Handhelds dauerhaft nach oben ziehen.
Spannend ist auch die Frage, in welchen Geräten Arc B390 überhaupt landen wird. Viele Beobachter gehen davon aus, dass diese iGPU zunächst fast ausschließlich in teureren Modellen mit hochauflösenden Displays und üppiger Ausstattung verbaut wird – also eher 1.200-Euro-Plus-Notebooks und Premium-Handhelds statt günstiger 700-Euro-Maschinen. Schlankere Panther-Lake-SKUs dürften mit weniger Xe3-Kernen ausgestattet werden, um Kosten, Stromverbrauch und Abwärme im Rahmen zu halten. Für den Massenmarkt wären große Performance-Sprünge dann erst mit der zweiten Welle an Geräten realistisch.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Arc B390 ist aktuell vor allem ein extrem spannendes Gerücht. Die angeblichen 3DMark-Ergebnisse passen technisch und wirken nicht aus der Luft gegriffen, aber ohne Eintrag in der öffentlichen Benchmark-Datenbank, ohne unabhängige Tests und ohne klare Angaben zu Speicher, TDP und Plattform ist Vorsicht angesagt. Sollte sich allerdings auch nur ein guter Teil der versprochenen Mehrleistung in fertigen Notebooks und Handhelds wiederfinden, könnte Panther Lake das Image der „Intel-iGPU nur für Office“ endgültig beerdigen – und integrierte Grafik erstmals ernsthaft als vollwertige Gaming-Option in der Mittelklasse etablieren.