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Bethany Weaver: Die versteckte Dorothy von Wicked: For Good, die der Film im Schatten ließ

von ytools
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Monatelang war Dorothy in Wicked: For Good eher ein Gerücht als eine Figur. Die Kamera weicht ihrem Gesicht aus, zeigt sie als Schattenriss, von hinten oder weit im Hintergrund. Selbst der ikonische Moment, in dem sie Elphaba mit Wasser übergießt, ist bewusst nur als Silhouette inszeniert.
Bethany Weaver: Die versteckte Dorothy von Wicked: For Good, die der Film im Schatten ließ
Alle wissen: Die Mädchen aus Kansas ist da. Aber wer sie spielt und wie sie aussieht, blieb bis nach Kinostart erstaunlich vage – bis sich Bethany Weaver jetzt selbst zu Wort meldet.

Die 30-jährige Britin, im Alltag auch als Pilates-Trainerin unterwegs, wurde schon vor der Premiere als Darstellerin von Dorothy enttarnt, blieb aber fast unsichtbar. Keine große PR-Tour, kaum Interviews, auf der Leinwand nur Sekundenbruchteile. Dabei ist die Rolle symbolisch enorm wichtig: Dorothy ist die Fremde, die in die Welt der Hexen einbricht und alles auf den Kopf stellt – nur diesmal aus Sicht von Elphaba und Glinda, nicht aus ihrer eigenen.

Die berühmteste Figur von Oz absichtlich verstecken

Regisseur Jon M. Chu hat diese Unsichtbarkeit nicht zufällig in der Postproduktion entdeckt, sondern von Anfang an so angelegt. Wicked: For Good versteht sich als Geschichte der beiden Hexen – ihrer Freundschaft, ihrer Politisierung, ihrer Dämonisierung – und nicht als zweiter Zauberer von Oz. Dorothy ist hier eher Auslöser als Heldin, ein Plot-Tsunami, der von außen über Oz hereinbricht.

Hätte Chu ihr große Nahaufnahmen, emotionale Monologe und ein klassisches „Coming-of-age“-Drama gegeben, wäre der Fokus schnell verrutscht. Das Publikum würde wieder mit der süßen Außenseiterin aus Kansas mitfiebern – und nicht mit der vermeintlich „bösen“ Hexe, um die es eigentlich geht. Indem Dorothy zur Silhouette reduziert wird, bleibt sie Mythos statt Mensch. Ihr Schatten reicht, um Elphabas Welt zu zerstören, aber der Film zwingt uns nicht, sie noch einmal neu als Kino-Ikone zu adoptieren.

Dazu kommt der übergroße Schatten von 1939: Judy Garlands Dorothy ist bis heute eine Figur, die sofort Bilder, Zitate und Songs im Kopf auslöst. Jede neue Schauspielerin in dieser Rolle landet automatisch im direkten Vergleich. Chu weicht dieser Falle aus, indem er den direkten Blick verweigert. Er ehrt die alte Dorothy, indem er die neue fast unsichtbar macht – und Bethany Weaver dadurch eher als Hüterin eines Symbols besetzt als als Thronfolgerin einer Legende.

Ein Instagram-Post zieht den Vorhang auf

Gerade deshalb wirkt Weavers Instagram-Post so elektrisierend. Auf einer Reihe von Fotos sehen wir sie endlich in voller Dorothy-Montur: blau kariertes Kleid, weiße Schürze, geflochtene Zöpfe, der gelbe Ziegelsteinweg unter den Füßen. Im Hintergrund: liebevoll überladene Sets, die Oz irgendwo zwischen Märchenbuch und Fantasy-Blockbuster verorten. Es sind Bilder, die im Film in dieser Klarheit gar nicht existieren – und plötzlich hat der Schatten ein Gesicht.

In der Bildunterschrift bedankt sich Weaver bei Kolleginnen und Kollegen wie Jonathan Bailey und Ethan Slater, nennt das Ensemble liebevoll „Witch Hunters“ und erwähnt sogar Hund Oscar, der Toto spielt. Sie schreibt davon, wie sehr die Produktion sie verändert habe, wie groß die Ehre sei, die Fußstapfen so vieler Dorothy-Darstellerinnen zu betreten, und dass sie hofft, diese Tradition nicht enttäuscht zu haben. Das klingt nicht nach „Statistin Nummer 47“, sondern nach jemandem, der sehr genau weiß, was diese Rolle kulturgeschichtlich bedeutet – auch wenn der Film sie nur andeutet.

Für Gesprächsstoff sorgt zusätzlich ein kurzer Clip vom Set-Monitor, auf dem offenbar eine Szene mit deutlich sichtbarem Gesicht zu sehen ist. Fans spekulieren, ob ursprünglich mehr Dorothy geplant war, vielleicht sogar eine kurze emotionale Szene, die dann im Schnitt geopfert wurde. Oder ob Chu schlicht mehr Material drehen ließ, um im Schneideraum alle Optionen zu haben, sich am Ende aber konsequent für das Prinzip „Dorothy als Schatten“ entschieden hat.

Anonymität auf dem roten Teppich

Der Gedanke der Unsichtbarkeit soll sich angeblich sogar bis in die reale Welt erstreckt haben. Boulevardblätter berichteten, Weaver sei von großen Premieren ferngehalten worden; andere Mitglieder von Cast und Crew seien angehalten worden, sie online nicht groß zu markieren oder ihre Rolle vorab zu bestätigen. Offiziell bestätigt ist das nicht, aber es fügt sich verblüffend gut in das Bild eines Studios, das eine kreative Entscheidung bis ins Extrem durchzieht.

Genau dieser Punkt spaltet die Fans. Die einen finden es konsequent und irgendwie charmant, dass hier ausnahmsweise mal keine „Geheimrolle“ durchs Marketing ausgeschlachtet, sondern wirklich bis zum letzten Moment geschützt wurde. Die anderen sehen vor allem den Preis: Eine Nachwuchsschauspielerin landet aus dem Nichts in einem Mega-Musical und soll diesen Karrieresprung dann möglichst still genießen, während alle anderen über Premieren laufen und in Talkshows sitzen. Kunst hin oder her – fair fühlt sich das für viele nicht an.

Alter, Aussehen und der ewige Garland-Vergleich

Kaum waren die Fotos draußen, startete der übliche Internet-Gerichtshof. Einige kommentierten, Weaver wirke „zu alt“ für eine Dorothy, die in vielen Köpfen noch immer wie ein Teenager auf der Farm aussieht. Andere fanden genau das angenehm: eine echte junge Frau statt ein auf jugendlich getrimmtes Gesicht, das zwanghaft an Judy Garland erinnern soll. Positive Stimmen lobten, dass die Produktion weder eine Lookalike-Show noch einen peinlichen digitalen „Judy-Clone“ versucht hat.

Parallel lief eine zweite Debatte: War es nicht eine verschenkte Chance, Dorothy diverser zu besetzen – etwa mit einer nicht-weißen Schauspielerin? Gerade weil die Figur in Wicked: For Good keinen klassischen Handlungsbogen bekommt, hätte eine modernere, offenere Interpretation die Symbolik von Oz deutlich verschieben können. Wieder einmal zeigt sich: Der Film balanciert zwischen Nostalgie und Gegenwart, zwischen Respekt vor dem Klassiker und dem Wunsch, neue Akzente zu setzen. Bei Dorothy fiel die Entscheidung klar zugunsten der Nostalgie.

Großes Kino, gespaltene Reaktionen

All die Diskussionen haben die Kassen bislang wenig gestört. Der zweite Teil der Wicked-Saga ist mit rund 226 Millionen US-Dollar weltweit ins Startwochenende gecrasht und gehört damit zu den stärksten Filmstarts des Jahres – in einem Umfeld, in dem viele teure Produktionen kaum ihre Kosten einspielen. Wer Oz, Hexen, große Balladen und üppige Sets sehen will, bekommt hier eindeutig „Big Screen“-Futter.

Kritikerinnen und Kritiker sind dagegen deutlich vorsichtiger. Immer wieder fallen Worte wie „opulent“, „überwältigend“ und „emotional“, aber genauso häufig tauchen Klagen über Längen, Tonbrüche und einen überfrachteten Finalakt auf. Eine große Spiele- und Entertainmentseite vergab etwa 6 von 10 Punkten: stark gesungen, wunderbar ausgestattet, aber als Film nicht durchgängig rund. In den Kommentarspalten reicht das Spektrum von „großartig, genau so muss ein Musical im Kino aussehen“ bis „in jeder Hinsicht misslungen“ – je nachdem, ob man eher für Spektakel oder für straffes Erzählen ins Kino geht.

Dorothy als Idee, nicht als Hauptdarstellerin

Auf eines haben sich die Macher aber klar festgelegt: Bethany Weaver sollte nie die „neue große Dorothy“ werden. Ihre Figur ist in Wicked: For Good weniger Person als Prinzip. Sie verkörpert die naive Außenwelt, die in eine komplexe politische Realität platzt und sie unwissentlich eskalieren lässt. Dass der Film ihr Gesicht versteckt, passt genau dazu: Die Handlung dreht sich nicht darum, wer Dorothy ist, sondern was ihr Erscheinen auslöst – für Elphaba, für Glinda und für Oz.

Gerade deshalb wirkt der Blick hinter die Kulissen so stark. Die Fotos machen sichtbar, was der Film absichtlich ausblendet: eine Schauspielerin, die Text gelernt, choreografierte Wege gegangen, unter Scheinwerfern geschwitzt und ihren Platz in einer langen Reihe von Dorothy-Interpretinnen gefunden hat. Für Weaver ist Wicked: For Good schon jetzt ein biografischer Wendepunkt, ganz egal wie viele Sekunden sie im fertigen Schnitt bekommen hat. Und für das Publikum ist ihre späte Enthüllung ein kleiner Epilog zum Film: eine Erinnerung daran, dass hinter jeder Schattenfigur eine reale Person steckt – selbst dann, wenn der Regisseur alles daransetzt, sie nicht ins Rampenlicht zu stellen.

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3 kommentare

SassySally December 4, 2025 - 6:44 pm

Bin immer noch sauer auf die Seiten, die am Release-Tag fett „DOROTHY IST DABEI“ auf die Startseite knallen. Spoilerkultur einfach komplett im Eimer 😒

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ZedTechie January 1, 2026 - 12:56 am

Hätte mir eine etwas mutigere, diversere Dorothy gewünscht. Wenn man sie eh kaum zeigt, hätte man wenigstens da was Neues ausprobieren können 😂

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Freestyle January 12, 2026 - 7:20 am

Wenn es stimmt, dass sie nicht zu den Premieren sollte, ist das schon hart. Riesenrolle landen und dann heißt es: bitte im Hintergrund bleiben, danke

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