
GMKtec M3 Ultra im Test: Mini-PC mit Intel Core i7-12700H als kompakte Produktivitätsmaschine
Mini-PCs sind längst kein Spielzeug für Nerds mehr, sondern haben sich still und leise zu ernstzunehmenden Desktop-Alternativen entwickelt. Statt eines wuchtigen Towers unterm Schreibtisch steht plötzlich eine kleine Box neben dem Monitor, die kaum größer ist als ein Stapel Untersetzer – und trotzdem genug Leistung mitbringt, um den Arbeitsalltag souverän zu stemmen. Genau hier positioniert sich der GMKtec M3 Ultra: ein palmengroßer Mini-PC mit Intel Core i7-12700H, bis zu 64 GB RAM und zwei M.2-Slots, der preislich deutlich unter vielen High-End-Alternativen liegt. Sein Anspruch ist nicht, eine Konsole oder einen Gaming-Tower zu ersetzen, sondern ein kleiner, leiser Arbeitstier zu sein, das vom Home-Office bis zum Studenten-Schreibtisch vieles abdeckt.
GMKtec sitzt im Technik-Mekka Shenzhen und ist im Mini-PC-Sektor schon länger kein Unbekannter mehr. Während andere Hersteller ständig das allerneueste CPU-Flaggschiff hinterherjagen, setzt GMKtec beim M3 Ultra auf einen bewährten Mobilchip: den Intel Core i7-12700H aus der Alder-Lake-Generation. Der ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber dafür inzwischen deutlich günstiger zu haben – und in Sachen Produktivität nach wie vor sehr leistungsfähig. Genau diese Kombination macht den M3 Ultra interessant: Man bekommt viel Rechenleistung pro Euro, verpackt in einem Gehäuse, das problemlos auf jede Fensterbank passt.
Wer den M3 Ultra nur durch die „Gaming-Brille“ betrachtet, wird vermutlich enttäuscht sein. Die integrierte Iris Xe-Grafik kann mit aktuellen RDNA3-iGPUs von AMD oder Intels Arc-Grafik in Core-Ultra-Chips nicht mithalten. Wer hingegen primär in Office, Browser, Entwicklungsumgebung, Creative-Tools und Virtualisierung lebt und ab und zu eine Runde Dota 2, Valorant oder ein Indie-Spiel einlegt, sieht das Gerät mit völlig anderen Augen: als kompaktes Allround-System mit klarer Priorität auf CPU-Leistung, Speicher und Erweiterbarkeit.
Hardware im Überblick: Intel Core i7-12700H im Mini-Gehäuse
Im Zentrum des GMKtec M3 Ultra arbeitet ein Intel Core i7-12700H. Der Mobilprozessor bringt 14 Kerne und 20 Threads mit: 6 Performance-Kerne (P-Cores) für hohe Taktfrequenzen und 8 Effizienz-Kerne (E-Cores) für Hintergrundaufgaben und Dauerlast. Dazu kommen 24 MB L3-Cache und ein maximaler Turbotakt von bis zu 4,7 GHz – Werte, die man vor wenigen Jahren eher mit Gaming-Notebooks als mit Mini-PCs verbunden hätte. GMKtec konfiguriert den Chip standardmäßig auf ein Power-Limit von rund 45 Watt und erlaubt kurze Turbo-Spitzen, solange das Kühlsystem mitspielt.
Das Hybrid-Layout der Alder-Lake-Architektur passt sehr gut zur typischen Nutzung eines Mini-PCs. Während die P-Cores kurzfristig hohe Single-Core-Leistung für interaktive Aufgaben wie Programmstart, UI-Reaktionen oder Kompilieren liefern, kümmern sich die E-Cores im Hintergrund um Downloads, Virenscanner, Docker-Container, Chat-Apps und all das, was unter Windows ständig im Hintergrund werkelt. Im Alltag führt das zu einem System, das sich flott anfühlt, auch wenn viel gleichzeitig läuft.
Die Grafikausgabe übernimmt die im Prozessor integrierte Intel Iris Xe-GPU mit 96 Execution Units. Sie nutzt den Hauptspeicher als Videospeicher, unterstützt moderne Schnittstellen wie DirectX 12.1, OpenGL 4.6 und OpenCL 3.0 und bietet Hardware-Decoding für gängige Video-Codecs. Für 4K-Streaming, Medienwiedergabe und leichte Spiele ist sie völlig ausreichend – aber natürlich kein Ersatz für eine dedizierte Grafikkarte oder die aktuellsten High-End-iGPUs. Das ist wichtig zu wissen, bevor man die Leistungsfähigkeit des Systems nur anhand aktueller AAA-Titel bewertet.
RAM und Speicher: überraschend viel Aufrüstpotenzial
Der M3 Ultra setzt auf klassisches, steckbares DDR4-RAM statt verlötetem LPDDR5 – eine sehr bewusste Entscheidung. Ausgeliefert wird er meist mit 16 oder 32 GB DDR4-3200 im Dual-Channel-Betrieb. Unter der Haube stecken zwei SO-DIMM-Slots, die offiziell bis zu 64 GB aufnehmen. Für Entwickler, Power-User, Kreative mit großen Projekten oder Leute, die gerne mehrere virtuelle Maschinen parallel laufen lassen, ist das ein echter Pluspunkt. Während viele moderne Mini-PCs bei 32 GB hart Schluss machen, lässt sich der M3 Ultra auch in ein kleines Workstation-Monster verwandeln.
Beim Massenspeicher zeigt sich GMKtec ähnlich großzügig. Auf dem Mainboard sitzen zwei M.2-2280-Slots, beide mit PCIe Gen 3 x4 angebunden. Offiziell unterstützen sie jeweils SSDs bis 8 TB, theoretisch also bis zu 16 TB Speicherplatz – mehr, als die meisten Nutzer je benötigen werden. In den üblichen Konfigurationen kommt der M3 Ultra mit einer 1-TB-NVMe-SSD im ersten Slot, der zweite bleibt frei für spätere Upgrades. PCIe 3.0 mag nicht mehr ganz up to date sein, aber für Desktop-Anwendungen, Spiele-Loading, Foto- und Videoprojekte sind die Transferraten mehr als ausreichend. Gleichzeitig bleiben die Temperaturen der SSDs im Rahmen, und die Aufrüstung schlägt preislich nicht so stark zu Buche wie bei den schnellsten Gen-4-Laufwerken.
Praktisch bedeutet das: Wer zunächst mit 16 GB RAM und 1 TB SSD startet, kann später problemlos auf 32 oder 64 GB aufstocken, eine zweite SSD ergänzen oder das System komplett auf größere Laufwerke umziehen, ohne das Gerät zu ersetzen. Gerade in einer Zeit, in der viele Laptops und Mini-PCs alles verlöten, fühlt sich diese klassische PC-Philosophie fast schon nostalgisch – und gleichzeitig sehr zukunftssicher – an.
Lieferumfang, Design und Verarbeitung
Der GMKtec M3 Ultra kommt in einer schlichten, silbergrauen Kartonverpackung. Kein Hochglanz-Marketing-Feuerwerk, sondern eher die pragmatische „auspacken, anschließen, loslegen“-Schiene. Im Inneren findet man den Mini-PC selbst, ein kompaktes 120-Watt-Netzteil, das Kaltgerätekabel, ein HDMI-Kabel, eine Kurzanleitung und die üblichen Garantieunterlagen. In manchen Bundles liegt zusätzlich eine einfache VESA-Halterung bei, mit der sich der M3 Ultra hinter einem Monitor montieren lässt.
Optisch setzt GMKtec auf eine zweifarbige Gestaltung: Die Front ist in glänzendem Schwarz gehalten, die Oberseite und Seiten in einem neutralen Silber. Das wirkt unaufgeregt, aber modern genug, um sich in ein Home-Office, ein Wohnzimmer oder auch ein kleines Büro einzufügen. Der Formfaktor ist angenehm kompakt – etwa handtellergroß, mit niedriger Bauhöhe. Auf dem Schreibtisch nimmt der M3 Ultra weniger Platz ein als viele externe Festplatten.
Die Verarbeitung hinterlässt einen ordentlichen Eindruck. Das Gehäuse knarzt nicht, wenn man es leicht zusammendrückt, und die Spaltmaße sind sauber. Die Lüftungsschlitze sind großzügig dimensioniert, ohne billig zu wirken. Es ist klar, dass wir hier keinen CNC-gefrästen Premium-Alu-Block in Mac-Studio-Manier vor uns haben, aber für die Preisklasse stimmt das Gesamtpaket. Besonders angenehm: Die Standfüße sorgen für sicheren Halt auf dem Tisch, und durch die VESA-Option lässt sich der Mini-PC fast unsichtbar im Setup „verstecken“.
Anschlüsse: alles Wichtige an Bord
Die Frontseite des GMKtec M3 Ultra zeigt, dass die Entwickler an den Alltag gedacht haben. Dort finden sich zwei USB-A-Ports nach USB 3.2 Gen 2 mit 10 Gbit/s – perfekt für schnelle externe SSDs, Cardreader, Audio-Interfaces oder einfach den USB-Stick, den man ständig an- und absteckt. Daneben sitzt der Power-Button mit Status-LED sowie eine 3,5-mm-Kombi-Klinke für Headsets oder Kopfhörer. Gerade die Position der schnellen USB-Ports an der Front ist ein praktischer Pluspunkt, den man bei manchen Konkurrenzgeräten schmerzhaft vermisst.
Auf der Rückseite ist die restliche Konnektivität versammelt. Zwei HDMI-Ausgänge erlauben den gleichzeitigen Betrieb von zwei Monitoren – etwa einem 4K-Display für den Desktop und einem weiteren für Monitoring, Präsentationen oder Medien. Dazu kommt ein USB-C-Anschluss (je nach Revision primär für Daten, teils auch mit Display-Output), eine weitere USB-A-3.2-Gen-2-Buchse sowie ein etwas betagter USB-2.0-Port, der sich ideal für Tastatur, Maus oder Drucker anbietet. Ein echter Bonus in dieser Preisklasse ist der 2,5-Gigabit-Ethernet-Port: Wer ein passendes NAS oder einen Multi-Gig-Switch besitzt, kann Dateien deutlich schneller durch das Netzwerk schieben als mit dem klassischen 1-Gbit-Anschluss.
Die Stromversorgung erfolgt über einen klassischen Rundstecker, der ins externe 120-Watt-Netzteil führt. Das sorgt zum einen dafür, dass die Abwärme des Netzteils aus dem Gehäuse ausgelagert ist, zum anderen lässt sich das Netzteil bei einem Defekt leicht ersetzen. Im Inneren sitzt außerdem ein WLAN-Modul (je nach Variante mit Wi-Fi 6 oder 6E) samt Bluetooth. Für Office- und Wohnzimmer-Szenarien reicht das völlig: Ein Kabel für Strom, ein Kabel für Bild – der Rest läuft auf Wunsch kabellos.
Innenleben und Aufrüstbarkeit
Wer gerne schraubt, wird den M3 Ultra mögen. Um ins Innere zu gelangen, genügt es, vier Schrauben an der Unterseite zu lösen und die Bodenplatte abzunehmen. Danach liegen RAM und SSDs frei zugänglich vor einem. Zwei SO-DIMM-Slots warten auf DDR4-Module, zwei M.2-Slots auf NVMe-Drives – ohne dass man Adapter oder Spezialwerkzeug benötigt. Lüfter und Kühler sind so angeordnet, dass die Frischluft von unten angesaugt und seitlich wieder ausgestoßen wird.
Besonders angenehm ist, dass GMKtec auf Garantie-Siegel verzichtet, die beim Öffnen des Geräts sofort platzen. Upgrades sind hier ausdrücklich erwünscht. Wer zunächst zur günstigeren 16-GB-Variante greift, kann später also ohne weiteres aufrüsten. Gleichzeitig bedeutet das für Firmen und IT-Abteilungen: Ersatzteile sind Standardware, kein proprietäres Spezial-RAM oder fest verlötete Module. In Zeiten, in denen viele Hersteller Geräte lieber zu „Wegwerf-Elektronik“ machen, ist das ein wohltuender Gegenentwurf.
CPU-Leistung im Alltag: kleiner Kasten, große Reserven
In synthetischen Benchmarks wie Cinebench R23, Geekbench oder 3DMark CPU Profile reiht sich der GMKtec M3 Ultra dort ein, wo man ihn erwartet: unterhalb aktueller 65-Watt-Boliden wie Core i9- oder Ryzen-9-Mini-PCs, aber klar vor älteren Mobilprozessoren mit weniger Kernen und Threads. Im Multi-Core-Vergleich schlägt der i7-12700H viele 6- und 8-Kern-CPUs, die in älteren Offices oder Mittelklasse-Notebooks noch häufig anzutreffen sind. Im Single-Core-Bereich ist er zwar nicht mehr ganz an der Spitze, aber immer noch so schnell, dass sich Anwendungen subjektiv sehr flink anfühlen.
Interessanter als synthetische Balkendiagramme ist jedoch der Blick auf typische Workloads. Im Alltagsszenario – Browser mit 20+ Tabs, E-Mail-Client, Office-Dokumente, Slack oder Teams, Musikstreaming, vielleicht noch eine kleine VM – bleibt das System entspannt. Die CPU-Auslastung pendelt sich meist irgendwo in einem mittleren Bereich ein, kurze Spitzen werden schnell abgearbeitet. Wechsel zwischen Programmen gehen zügig vonstatten, und selbst wenn im Hintergrund ein Backup läuft oder große Dateien entpackt werden, bricht die Reaktionsgeschwindigkeit nicht dramatisch ein.
Wer Software entwickelt, merkt die Reserven vor allem bei Build-Prozessen. Projekte, für die ein älterer Quad-Core mehrere Minuten braucht, sind auf dem M3 Ultra spürbar schneller erledigt, insbesondere wenn viele Dateien parallel verarbeitet werden. Ähnliches gilt für Datenverarbeitung in Skriptsprachen, große Excel-Sheets, Tools wie Power BI oder ETL-Jobs: Die zusätzliche Thread-Anzahl zahlt sich aus. Und wer Docker oder andere Container-Lösungen nutzt, kann mehrere Dienste gleichzeitig laufen lassen, ohne dass der Rechner in die Knie geht.
Content Creation: Foto, Video & Co
Im kreativen Bereich ist der M3 Ultra eine Art „Sweet Spot“ für alle, die mit begrenztem Budget arbeiten. In Lightroom oder anderen RAW-Konvertern lassen sich auch große Fotobibliotheken komfortabel bearbeiten, besonders mit 32 oder 64 GB RAM. Vorschaurendering und Exportzeiten sind deutlich kürzer als auf vielen älteren Systemen, und das Scrollen durch Bilderserien bleibt flüssig.
Bei Video-Editing kommt es natürlich darauf an, wie ambitioniert man unterwegs ist. Kurze Tutorials, Screencasts, Social-Media-Clips, Interviews oder Vlogs in 1080p und moderatem 4K lassen sich gut schneiden, insbesondere wenn die Software Intels Quick-Sync-Videoeinheit nutzen kann. Wer allerdings mehrspurige 4K-Timelines mit RAW-Material, vielen Effekten und Color-Grading bearbeiten möchte, stößt schneller an die Grenzen – weniger wegen der CPU, sondern wegen der integrierten Grafik und des verfügbaren Speichers. Hier ist irgendwann eine Workstation mit dedizierter GPU die sinnvollere Wahl.
Gaming-Leistung: zwischen E-Sport und „slow trash“-Rufen
Spätestens beim Thema Gaming scheiden sich die Geister – und hier tauchen in Foren und Kommentarspalten gerne harte Urteile auf. Ein besonders typischer Kommentar lautet sinngemäß: „Langsamer Müll“ (oder im Original „slow trash“), wenn jemand versucht, aktuelle AAA-Titel mit hohen Einstellungen zu spielen. Und ja: Wer versucht, Cyberpunk 2077, Starfield oder Resident Evil 4 Remake in Full HD mit hohen Details auf der Iris Xe zu betreiben, wird wenig Freude haben. Das ist aber eher ein Erwartungsproblem als ein Versagen des M3 Ultra.
In E-Sport- und Multiplayer-Titeln mit moderater Anforderung sieht das Bild deutlich besser aus. Dota 2, League of Legends, CS2, Valorant, Rocket League & Co laufen bei angepassten Settings durchaus rund. In der Regel muss man bei den Grafikoptionen etwas Disziplin zeigen: Texturen auf Mittel, Schatten reduzieren, Post-Processing nicht übertreiben – und schon landet man bei spielbaren Framerates. Gerade bei kompetitiven Spielen ist ohnehin eher die Stabilität des FPS wichtiger als „Ultra“-Optik, und hier kann der M3 Ultra durchaus abliefern.
Bei großen Einzelspieler-Blockbustern hingegen ist Kompromissbereitschaft gefragt. Mit FSR, reduzierter Auflösung (900p oder 720p), niedrigen bis mittleren Einstellungen und etwas Tuning sind zwar 25–30 FPS in manchen Titeln drin, aber das ist weit entfernt vom Idealbild flüssigen AAA-Gamings. Wer rein aus Gaming-Sicht kauft, sollte daher lieber zu einem Mini-PC mit starker iGPU wie Radeon 780M, zu einem SFF-Desktop mit dedizierter Grafikkarte oder gleich zu einer Konsole greifen.
Wo die Iris Xe hingegen glänzt, sind Indie-Spiele, Retro-Titel und Emulation. Die riesige Bibliothek an kleineren Games – von pixeligen Roguelikes über Plattformern bis hin zu Strategie-Klassikern – läuft meist wie geschnitten Brot. Ältere 3D-Spiele, die vor einigen Jahren noch auf Konsolen erschienen sind, machen ebenfalls selten Probleme. Und Emulatoren für Systeme bis zu einer gewissen Generation kommen mit der Kombination aus CPU-Power und iGPU gut zurecht, solange man es mit Grafikfiltern und 4K-Upscaling nicht übertreibt.
Leistungsaufnahme, Temperaturen und Lautstärke
Ein wichtiger Vorteil von Mini-PCs gegenüber klassischen Desktops ist ihr Energiebedarf – und hier macht der GMKtec M3 Ultra eine gute Figur. Im Leerlauf oder bei sehr leichter Nutzung (Textverarbeitung, Browser ohne viele Tabs, Musikstreaming) liegt der Gesamtverbrauch häufig im Bereich um die 10 Watt. Unter Volllast, wenn alle Kerne inklusive iGPU arbeiten, klettert die Leistungsaufnahme in der Regel in die 50–60-Watt-Region, mit kurzen Spitzen darüber. Für eine 14-Kern-CPU in einem so kleinen Gehäuse sind das respektable Werte.
Thermisch spielt sich das erwartbare Szenario ab: Unter anhaltender Last pendeln sich die Kerntemperaturen im oberen 80er-Bereich ein, gelegentlich mit kurzen Ausreißern Richtung 90 °C, wenn der Turbo aggressiv zündet. Dank des 45-Watt-Profils bleiben die Werte jedoch kontrollierbar, ohne dass die CPU durch massives Throttling in die Knie gezwungen wird. Im Alltag bedeutet das: Auch bei längeren Export-Jobs, Builds oder renderlastigen Aufgaben bleibt das System stabil auf einem Niveau, das der angegebenen TDP entspricht.
Beim Geräuschpegel zeigt der M3 Ultra zwei Gesichter. Im Idle und bei Bürotätigkeiten ist der Lüfter meist sehr langsam unterwegs oder komplett aus. In einem normalen Wohn- oder Büroraum fällt das Gerät akustisch kaum auf. Erst wenn die CPU dauerhaft gefordert wird – etwa bei Benchmarks, umfangreichen Kompilierungen oder langen Videoexports –, dreht der Lüfter spürbar hoch. Das Geräusch ist dann als gleichmäßiges Rauschen wahrnehmbar, aber ohne den hochfrequenten Pfeifton, den viele Notebook-Lüfter an sich haben. Wer schon einmal neben einem Gaming-Laptop im Turbo-Modus gesessen hat, wird das als deutlich angenehmer empfinden.
Preisgestaltung und Position im Mini-PC-Markt
Der große Trumpf des GMKtec M3 Ultra ist seine Preis-Leistungs-Relation. Die barebone-Version ohne RAM und SSD liegt oft um die 299 US-Dollar, manchmal je nach Aktion sogar darunter. Wer noch ältere DDR4-Module oder eine NVMe-SSD herumliegen hat, kann hier sehr günstig ein sehr leistungsfähiges System zusammenstellen. Die vorkonfigurierten Varianten mit 16 oder 32 GB RAM und 1–2 TB SSD bewegen sich im Bereich zwischen rund 300 und 450 US-Dollar, abhängig von Händler, Region und Angebot.
Vergleicht man das mit Mini-PCs auf Basis von Ryzen 7 8845HS/8945HS oder Intel Core Ultra 7/9, wird der Unterschied deutlich. Diese Geräte bieten zwar moderneren Unterbau und vor allem deutlich stärkere integrierte Grafik, kosten aber spürbar mehr und kommen fast immer mit verlötetem LPDDR5X. Das bedeutet: Die Konfiguration, die man beim Kauf wählt, ist endgültig. Mehr RAM später? Fehlanzeige. Beim M3 Ultra hingegen muss man mit einer älteren iGPU leben, erhält dafür aber ein System, das sich an veränderte Anforderungen anpassen lässt.
Stellt man dem M3 Ultra einen klassischen Desktop gegenüber, sieht die Rechnung ähnlich interessant aus. Ein Midi-Tower mit vergleichbarer CPU-Leistung, ordentlich Mainboard, guter PSU, Gehäuse und Aufrüstpotenzial landet schnell deutlich teurer – und belegt zudem massiv mehr Platz. Der Energieverbrauch klettert ebenso in andere Regionen. Wer keine dedizierte Grafikkarte benötigt, verschenkt in einem großen Desktop-Gehäuse häufig viel Potenzial, das nie genutzt wird.
Praxis-Szenarien: für wen lohnt sich der GMKtec M3 Ultra?
Am einfachsten lässt sich der Wert eines solchen Mini-PCs illustrieren, wenn man konkrete Szenarien durchspielt. Nehmen wir einen Studenten in einer kleinen Wohnung oder im Wohnheim: Es braucht einen Rechner, der Office, Recherche, Videokonferenzen, Programmierübungen, vielleicht etwas Bildbearbeitung und gelegentliches Gaming für zwischendurch abdeckt. Ein klobiger Tower ist unpraktisch, ein leistungsstarker Laptop teuer und oft laut. Hier passt der M3 Ultra perfekt: Hinter den Monitor geschraubt oder neben der Steckdosenleiste geparkt, erledigt er seine Arbeit unauffällig – und wenn das Budget knapp ist, kann man ihn erst mit 16 GB RAM starten und später aufrüsten.
Ein anderes Beispiel ist der klassische Remote-Entwickler. Er arbeitet mit lokalen Docker-Stacks, Datenbanken, Messaging-Systemen, Browser-Frontends und IDEs – oft alles gleichzeitig. Für diesen Nutzer ist der M3 Ultra im Prinzip ein kompakter „Core- und Thread-Block“ mit schnellem Speicher- und Netzanschluss. Mit 32 oder 64 GB RAM und einer großen SSD wird die kleine Box zum Mini-Server, der unter dem Schreibtisch läuft und im Zweifel auch ein paar Dienste für andere Geräte im Netzwerk bereitstellen kann. Die 2,5-Gigabit-LAN-Schnittstelle ist hier ein echter Bonus, gerade in Kombination mit einem halbwegs modernen Heimnetzwerk.
Auch kleine Unternehmen können von solchen Systemen profitieren. Statt jede Arbeitsstation mit einem lauten Desktop auszustatten, lassen sich mehrere M3-Ultra-Boxen hinter Monitore hängen oder im Kabelkanal unter dem Tisch verstecken. Für Büroanwendungen, ERP-Systeme, Browser-basierte Tools und Telefoniesoftware reicht die Leistung vollkommen aus. Gleichzeitig sinken Stromverbrauch, Platzbedarf und Wartungsaufwand. Muss ein PC aufgerüstet werden, tauscht die IT-Abteilung einfach RAM oder SSD – ganz ohne Spezialteile.
Im Wohnzimmer wiederum spielt der M3 Ultra eine andere Rolle. Hier geht es weniger um CPU-Benchmarks und mehr um Bedienkomfort und Lautstärke. Als Mediacenter hinter dem Fernseher, kombiniert mit genug Speicher für Filme, Serien, Musik und Fotos, ist das Gerät fast überqualifiziert: 4K-Streaming, lokale Medienwiedergabe, emulierte Klassiker und Indie-Games laufen problemlos. Ein kabelloser Controller, ein Bluetooth-Gamepad und eine Couch – und schon wird der Mini-PC zur Hybridlösung aus Mediaplayer und Casual-Gaming-Konsole.
Software, Betriebssysteme und Alltagstauglichkeit
Wer den GMKtec M3 Ultra kauft, bekommt je nach Konfiguration eine vorinstallierte Windows-11-Lizenz oder ein Barebone ohne OS. In der Windows-Variante hält sich GMKtec mit Bloatware erfreulich zurück. Neben den üblichen Intel-Treibern und ein paar kleinen Tools bleibt das System relativ clean. Updates für Chipsatz, Grafik und WLAN werden in der Regel bequem über Windows Update nachgereicht, alternativ lassen sie sich natürlich auch direkt von den Herstellerseiten beziehen.
Für Linux-Fans ist der M3 Ultra ebenfalls interessant. Dank der weit verbreiteten Intel-Plattform funktionieren aktuelle Distributionen meist ohne Nacharbeit: WLAN, LAN, Sound, Grafik – alles läuft mit den Standard-Treibern. Damit eignet sich der Mini-PC nicht nur als Desktop-System mit Linux-Desktop, sondern auch als kleiner Server für Docker, Kubernetes-Spielwiesen, Home-Assistant-Instanzen, Git- oder Backup-Server und vieles mehr. In Kombination mit der 2,5G-LAN-Schnittstelle ist er eine attraktive Basis für ein leises Heimlabor.
Grenzen, Kompromisse und Fazit
So viel Lob der M3 Ultra auch verdient, er ist kein Wunderding ohne Grenzen. Die offensichtlichste Einschränkung ist die Grafikleistung. Wer ernsthaft aktuelle AAA-Spiele mit hohen Details und Bildraten genießen möchte, wird mit der Iris Xe nicht glücklich. Auch GPU-beschleunigte Workloads wie anspruchsvolles 3D-Rendering, komplexe Simulationen oder Machine-Learning-Modelle sind nicht sein Terrain. Hier braucht es entweder eine dedizierte Grafikkarte oder zumindest eine deutlich stärkere iGPU in einem anderen System.
Hinzu kommt, dass die Plattform technisch nicht mehr „neu“ ist. Alder Lake wurde mittlerweile von mehreren Generationen abgelöst. Das muss nicht schlecht sein – im Gegenteil, preislich ist das gerade der Charme –, aber wer unbedingt das Allerneueste im Schrank stehen haben möchte, greift eher zu Core Ultra oder aktuellen Ryzen-Modellen. Dafür geben viele Nutzer hier Geld für etwas aus, das sie im Alltag kaum nutzen würden: marginal mehr CPU-Leistung, die in typischen Office- und Dev-Szenarien selten fühlbar ist, und Grafikreserven, die sie gar nicht abrufen.
Der härteste Kritikpunkt, der immer wieder auftaucht – sinngemäß „langsamer Müll“ – ist vor diesem Hintergrund nur dann fair, wenn man den M3 Ultra an Maßstäben misst, für die er nie gebaut wurde. Als Gaming-Basis für maximalen AAA-Genuss ist er schlicht das falsche Werkzeug. Als kompakter Produktivitäts-PC, Home-Office-Begleiter, Studenten-Rechner, kleine Dev-Box oder Wohnzimmer-Mediacenter sieht das Bild komplett anders aus: Hier spielt er seine Stärken voll aus.
Unterm Strich ist der GMKtec M3 Ultra ein sehr rundes Angebot für alle, die CPU-Leistung, Erweiterbarkeit und ein kompaktes Format höher gewichten als Spitzenwerte in Spiele-Benchmarks. Er kombiniert einen immer noch starken 14-Kern-Prozessor mit solider Ausstattung, vielen Anschlussmöglichkeiten und einem sehr angenehmen Formfaktor. Wer seine Erwartungshaltung klar definiert – viel Produktivität, ein bisschen Gaming, hohe Effizienz und wenig Lärm –, bekommt für rund 300 bis 450 US-Dollar einen Mini-PC, der den klassischen Tower in vielen Szenarien glaubwürdig ersetzt. „Slow trash“ ist er höchstens für diejenigen, die im falschen Regal eingekauft haben.