Disney ist mit einem echten Paukenschlag in die Feiertagssaison gestartet. „Zootopia 2“ – hierzulande vielen noch als der Nachfolger zu „Zoomania“ ein Begriff – legt einen Einstand hin, den kaum jemand in dieser Größenordnung erwartet hatte: 556 Millionen US-Dollar weltweit am ersten Wochenende. 
Damit ist der Film nicht nur ein Hit für Familien, sondern auch eine klare Kampfansage an alle, die das klassische Kinogeschäft schon halb abgeschrieben hatten.
In Nordamerika holte die Fortsetzung rund 156 Millionen Dollar über das verlängerte Thanksgiving-Wochenende (fünf Tage). Für einen Film ohne Superheldenlogo auf dem Plakat ist das bereits beeindruckend. Richtig spektakulär wird es aber international: Rund 400 Millionen Dollar stammen aus den Auslandsmärkten, mehr als die Hälfte davon aus China. Rechnet man nur die „normalen“ drei Tage von Freitag bis Sonntag, kratzt „Zootopia 2“ trotzdem schon an der Marke von einer halben Milliarde – für eine animierte Krimikomödie mit sprechenden Tieren ist das eine Hausnummer.
Mit diesen Zahlen katapultiert sich der Film direkt in die Geschichtsbücher: „Zootopia 2“ verzeichnet die vierthöchste globale Kinoeröffnung aller Zeiten. Darüber rangieren nur noch drei Marvel-Giganten: „Avengers: Endgame“, „Avengers: Infinity War“ und „Spider-Man: No Way Home“. Dass ausgerechnet eine originelle Animationswelt ohne Cape und Maske direkt hinter diesen Blockbuster-Monstern landet, zeigt ziemlich deutlich, wie stark die Marke inzwischen geworden ist.
Gleichzeitig hagelt es Rekorde in der Animationskategorie: größte weltweite Animations-Eröffnung überhaupt (nach aktuellen Wechselkursen und vergleichbarer Marktabdeckung), bislang stärkster globale Start des Jahres 2025, beste nicht-lokale Animationspremiere in China, bestes Startwochenende in der Geschichte der Walt Disney Animation Studios, größte Eröffnung eines Disney-Animationsfilms überhaupt, erfolgreichste Startbilanz für ein animiertes Sequel und der beste globale Sequel-Launch seit 2021. Kurz gesagt: Am ersten Wochenende führt „Zootopia 2“ in allen relevanten Rankings – national, international und weltweit.
Auch die Kritik spielt weitgehend mit. Das Portal IGN vergab 8 von 10 Punkten und lobte, dass die Fortsetzung das ungleiche Ermittlerduo Judy Hopps und Nick Wilde erneut in einen Fall schickt, der sich an einige der schwereren Themen unserer Gesellschaft wagt – Vorurteile, Machtmissbrauch, Angst – ohne dabei den Humor und die endlose Reihe an Tier-Wortspielen zu opfern. Manche Rezensenten hätten sich einen noch schärferen politischen Kommentar gewünscht, andere finden es gerade angenehm, dass der Film seine Botschaften eher in Figuren, Situationen und Bildsprache versteckt, statt sie im Dialog mit Leuchtstift zu markieren.
Damit landet „Zootopia 2“ mitten in einer Diskussion, die das Netz seit Jahren beschäftigt. Immer wieder wird behauptet, Filme mit gesellschaftlichem oder politischem Unterton seien zum Scheitern verurteilt – das vielzitierte „go woke, go broke“. Die Realität an den Kinokassen erzählt gerade eine andere Geschichte. Der Film spricht über Diskriminierung, Polizeiarbeit, mediale Panikmache und Identität, aber eben eingebettet in eine bunte, sehr zugängliche Abenteuerstruktur. Ein Teil des Publikums diskutiert nachher angeregt über Subtexte, ein anderer Teil sagt einfach: „War lustig, war spannend, Kids sind happy“ – und geht zufrieden nach Hause.
Spannend ist auch der Blick auf die ganz pragmatische Seite des Kinobesuchs: Ticketpreise und Sehgewohnheiten. In sozialen Netzwerken liest man regelmäßig Klagen darüber, dass ein einzelnes Ticket 15 Euro oder mehr kostet, vor allem in IMAX, 4DX und anderen Premiumsälen. Dabei merkt man gerade an Filmen wie „Zootopia 2“, dass viele Fans ganz bewusst auf Nachmittagsvorstellungen und kleinere Kinos ausweichen, wo der Eintritt deutlich günstiger ist. Das Kino ist nicht überall unbezahlbar geworden, es hat sich nur stärker aufgeteilt: Luxus-Erlebnis für diejenigen, die es wollen, und solide Standardvorstellung für alle anderen. Ein großer Vier-Quadranten-Titel wie „Zootopia 2“ profitiert davon, dass Familien, Paare und Gelegenheitsgänger jeweils ein Modell finden, das in ihren Alltag und ihr Budget passt.
Für Disney ist dieser Start zugleich das Sprungbrett in einen potenziell spektakulären Jahresendspurt. Am 19. Dezember steht mit „Avatar: Fire & Ash“ der nächste Gigant in den Startlöchern. Die „Avatar“-Reihe bleibt eine Ausnahmeerscheinung: Der erste Film hat über verschiedene Kinoläufe hinweg rund 2,9 Milliarden Dollar eingespielt und hält damit weiterhin den Titel als finanziell erfolgreichster Film der Geschichte (ohne Inflationsbereinigung). Das Sequel „Avatar: The Way of Water“ brachte es 2022 auf etwa 2,3 Milliarden Dollar und zementierte den Franchise-Status im Allzeitranking. Regisseur James Cameron hat bereits angedeutet, dass die Zukunft von „Avatar 4“ und „5“ maßgeblich davon abhängt, wie profitabel „Fire & Ash“ ausfällt.
Parallel dazu läuft im restlichen Kinoprogramm vieles solide, aber deutlich weniger spektakulär. Universals „Wicked: For Good“ legt ein starkes zweites Wochenende hin und steht nun bei rund 393 Millionen Dollar weltweit – auf Augenhöhe mit musikalisch geprägten Publikumslieblingen wie „Wonka“ und „Arielle, die Meerjungfrau“ zum jeweils gleichen Zeitpunkt im Release-Zyklus. „Now You See Me, Now You Don’t“ kommt auf etwa 187 Millionen Dollar, während „Predator: Badlands“ nach vier Wochen bereits rund 174 Millionen erreicht und damit – ohne Inflationsanpassung – der erfolgreichste Film der gesamten „Predator“-Reihe ist, inklusive der „Alien vs. Predator“-Ausflüge.
Weniger rosig sieht es bei einem anderen großen Namen aus: Edgar Wrights neue Version von „The Running Man“ mit Glen Powell tut sich nach wie vor schwer und bleibt bei ungefähr 61 Millionen Dollar weltweit hängen. Angesichts des Kultstatus des Arnold-Schwarzenegger-Films wirkt das ernüchternd. Selbst der Drehbuchautor der alten Adaption hat sich inzwischen zum schwachen Abschneiden der Neuauflage geäußert. Für die Studios ist das ein weiterer Beleg dafür, dass ein bekanntes Label allein keine Eintrittskarten verkauft – ohne klare kreative Vision bleibt das Publikum lieber zu Hause.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Disney im selben Monat gleichzeitig an zwei sehr unterschiedlichen Fronten verdient: Einerseits mit dem familienfreundlichen „Zootopia 2“, andererseits mit dem deutlich härteren Sci-Fi-Actioner „Predator: Badlands“, der ebenfalls unter dem Disney-Dach läuft. Verstärkt wird das Ganze durch Black-Friday- und Weihnachtsangebote für Konsolen, Fernseher und Streaming-Hardware, die dafür sorgen, dass die Marken von der Leinwand direkt ins Wohnzimmer verlängert werden.
Unterm Strich sendet „Zootopia 2“ ein deutliches Signal: Das Publikum hat sich nicht vom großen Kino abgewandt, sondern von austauschbaren Filmen. Wenn ein Studio eine eigenständige Welt, charismatische Figuren wie Judy und Nick, cleveres Writing und genug visuelle Details liefert, um in jedem Frame etwas zu entdecken – dazu einen Subtext, über den man im Freundeskreis streiten kann –, dann füllen sich die Säle immer noch in Rekordtempo. Die Zahlen zu „Zootopia 2“ sind in erster Linie ein Geschäftsbericht, aber zwischen den Zeilen auch eine Liebeserklärung an das, was Kino sein kann.
2 kommentare
humor ist nicht dauerfeuer, aber wenn die gags kommen, sitzen sie, und die stadt ist so vollgestopft mit details, dass man eigentlich zweimal gucken muss
fand es ganz angenehm, dass zootopia 2 themen wie rassismus & polizei drin hat, ohne mir eine vorlesung zu halten – kinder merken’s kaum, erwachsene schon 😉