Nach Jahren des Wartens und unzähligen Auftritten in Listen der „meist erwarteten Indie-Spiele“ steht REPLACED endlich wirklich im Kalender. Der stilisierte 2,5D-Cyberpunk-Plattformer mit Pixel-Art-Look von Sad Cat Studios erscheint am 12. 
März 2026 für PC und Xbox Series X/S – zeitgleich auf Steam, GOG, im Epic Games Store und auf Microsofts aktueller Konsolengeneration. Damit schließt sich ein Kreis, der 2021 mit dem E3-Trailer begann, als das Spiel mit seinen neongetränkten Straßenschluchten, der butterweichen Animation und dem düsteren Zukunftssetting aus dem Stand zum heimlichen Hoffnungsträger im Xbox-Umfeld wurde.
Gerade Spielerinnen und Spieler, die ihre halbe Kindheit mit Sidescrollers auf dem SNES oder dem Mega Drive verbracht haben, reagieren mittlerweile oft genervt, wenn wieder ein „Retro-Plattformer mit Pixel-Grafik“ angekündigt wird. Man hat gefühlt alles schon zigmal gesehen. REPLACED wirkt, als sei es sich dieser Müdigkeit sehr bewusst – und will genau deshalb etwas anderes sein. Statt bloß alte Gefühle zu bedienen, setzt der Titel auf einen auffällig filmischen Ansatz: handgezeichnete Animationen, Kamerafahrten, Zooms auf Gesichter, harte Schnitte im Kampf. Das Spiel scrollt zwar weiterhin von links nach rechts, fühlt sich aber optisch eher wie ein interaktiver Sci-Fi-Noir-Film an.
Der aktuellste Trailer, untermalt von einem eigens komponierten Track aus dem Soundtrack mit dem Titel Dusk, ist bislang der beste Einblick in diese Vision. Man sieht den Protagonisten über regennasse Dächer sprinten, sich durch verlassene Industriekomplexe kämpfen und in verrauchten Hinterzimmern in brutale Faustkämpfe geraten. Die Kamera schwenkt langsam über die Skyline, wirft einen Blick auf übereinandergestapelte Stadtviertel und bricht dann wieder in enge Innenräume, in denen Dialogoptionen und kleine Entscheidungen aufpoppen. Zwischen den Actionsequenzen blitzen ruhige Momente auf, in denen Figuren diskutieren, zweifeln und ganz offensichtlich mehr wollen als nur die nächste Prügelei überstehen.
Dass REPLACED so lange in Entwicklung war, liegt nur zum Teil an dieser gestiegenen inhaltlichen und technischen Messlatte. Schwerer wog, dass die Arbeit am Spiel direkt von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine getroffen wurde. Teile des Teams mussten fliehen oder ihren Alltag komplett umorganisieren, bevor überhaupt wieder an Leveldesign, Animation oder Balancing zu denken war. In einer „normalen“ Welt wäre REPLACED vermutlich irgendwann zwischen 2021 und 2023 erschienen. In der Realität zerfiel der Zeitplan in Einzelteile; die Entwicklung wanderte zwischen Notlösungen hin und her, und der Release verschob sich Schritt für Schritt bis in das Jahr 2026.
Im August 2025 meldete sich Sad Cat Studios dann mit einem Update zurück, das deutlich selbstbewusster klang. Man könne nun „mit Zuversicht“ sagen, dass REPLACED bis zum Frühjahr 2026 fertig werde, erklärte Game Director Yura Zhdanovich damals. Gleichzeitig entschuldigte er sich offen bei der Community, die seit dem ersten E3-Auftritt geduldig – oder auch weniger geduldig – auf Neuigkeiten wartete. Die Botschaft: Lieber später veröffentlichen und das Spiel so umsetzen, wie es ursprünglich gedacht war, als eine halbgare Version unter Zeitdruck auf den Markt zu bringen. Mit der endgültigen Festlegung auf den 12. März wirkt klar, dass dieses Versprechen ernst gemeint war.
Die bislang veröffentlichten Szenen lassen zudem erahnen, wie intensiv am Feinschliff gearbeitet wurde. Kämpfe sind gespickt mit Funken, Splittern und kurzen Finishing-Moves, die aussehen, als wären sie Frame für Frame durchchoreografiert worden. Die 2,5D-Präsentation nutzt Parallax-Hintergründe, animierte Reklametafeln, vorbeiziehende Züge und blinkende Fenster, um Tiefe zu erzeugen, obwohl der Spieler sich nur auf einer Ebene bewegt. Plattformpassagen wechseln zwischen langsamer Erkundung – mit versteckten Winkeln, in denen sich scheinbar nebensächliche Details über die Welt verbergen – und nervenaufreibenden Fluchtsequenzen, in denen Böden einstürzen, Suchscheinwerfer die Bildfläche durchschneiden und Explosionen jede Unachtsamkeit bestrafen.
Besonders viel Charakter bringt die Stimmung der Spielwelt mit. Das hier ist kein sauberes Hochglanz-Cyberpunk à la Werbebroschüre. Die Stadt in REPLACED wirkt verbraucht: Fassaden sind voller Rost, Kabel hängen lose von Brücken, Wohnungen werden von flackernden Bildschirmen und wackeligen Neonröhren beleuchtet. Regen prasselt an kaputte Scheiben, Pfützen spiegeln Reklamen, die schon längst niemand mehr beachtet. Die Musik, allen voran Dusk, legt sich wie ein melancholischer Filter über all das – nicht nur cool und futuristisch, sondern müde, verletzt und irgendwie menschlich. Pixel-Art dient hier nicht als bequemer Retro-Trick, sondern als klarer künstlerischer Stil, der die Brüche und Narben des Settings betont.
Wer in den 16-Bit-Zeiten dutzende Sidescroller durchgespielt hat, könnte meinen, mit dem Genre endgültig abgeschlossen zu haben. Dennoch wirkt REPLACED wie eine Weiterentwicklung genau jener Spiele, nur mit deutlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Die Kämpfe verlangen Timing statt Button-Mashing, Animationen dienen nicht nur der Optik, sondern auch als Feedback für das eigene Spieltempo, und die Inszenierung erzählt zwischen den Zeilen von einer Welt, die längst mehr verloren als gewonnen hat. All das macht neugierig – auch auf das, was unter der Oberfläche passiert: Dialoge, Entscheidungen, moralische Grauzonen.
Wenn am 12. März 2026 die Lichter in den digitalen Läden angehen und REPLACED auf PC und Xbox Series X/S verfügbar ist, wird sich zeigen, ob Sad Cat Studios die hohen Erwartungen einlösen kann. Gelingt es, die Präzision eines starken Plattformers mit der Wucht eines guten Beat ’em Ups und der emotionalen Tiefe eines ausgewachsenen Cyberpunk-Dramas zu kombinieren, könnte REPLACED deutlich mehr werden als nur „das hübsche Pixel-Spiel von dieser einen E3“. Es hat das Potenzial, sich als einer der prägenden Cyberpunk-Titel dieser Konsolengeneration zu etablieren.