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Snapdragon X Plus und ASUS Vivobook S15: wenn der ARM-Windows-Laptop zum Dauerbeta wird

von ytools
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Qualcomms Angriff auf den Windows-Laptop-Markt mit ARM-Chips wurde jahrelang als Beginn einer neuen Ära verkauft: ultradünne Geräte, kaum Lüftergeräusche, riesige Akkulaufzeit und genug Leistung für Studium, Büro und Alltag. Einer der zentralen Bausteine dieser Strategie ist der Snapdragon X Plus, der 2024 als kleinerer Bruder des Snapdragon X Elite vorgestellt wurde. Auf Präsentationsfolien wirkt das Paket perfekt: moderner ARM-Chip, gute Effizienz, partnerschaftliche Launches mit Herstellern wie ASUS und attraktive Preise.
Snapdragon X Plus und ASUS Vivobook S15: wenn der ARM-Windows-Laptop zum Dauerbeta wird
Doch ein Erfahrungsbericht rund um das ASUS Vivobook S15 zeigt, wie groß die Lücke zwischen Marketingversprechen und gelebter Realität unter Windows on ARM noch ist.

Ein Student, der online unter dem Nickname Fresh_Ingenuity_4520 unterwegs ist, hat sich genau auf dieses Versprechen verlassen. Er wollte kein Spielzeug, sondern einen zuverlässigen Studienbegleiter: leicht, ausdauernd, schnell genug für Projekte, Präsentationen und Übungen. In der Theorie ist das ein Paradebeispiel für ein ARM-Notebook. In der Praxis beschreibt er fast ein Jahr später einen Alltag voller Workarounds, Fehlermeldungen und unerklärlicher Hänger. Das Gerät fühlt sich für ihn weniger wie ein fertiges Produkt an, sondern eher wie ein Dauerbeta-Test, für den er selbst bezahlt hat.

Besonders schmerzhaft wird es beim Thema Software-Kompatibilität. Für mehrere Module im Studium braucht der Student SQL Server, ein Standardwerkzeug in Datenbank- und Programmierkursen. Auf einem klassischen x86-Windows-Laptop ist das Routine: installieren, konfigurieren, loslegen. Auf dem Vivobook S15 mit Snapdragon X Plus hingegen stößt er schnell an Grenzen. Unterstützung fehlt, Teile laufen nur über Emulation, andere Komponenten lassen sich gar nicht erst sauber einrichten. Aufgaben, die er eigentlich zu Hause erledigen wollte, müssen am Ende auf Uni-Rechnern nachgearbeitet werden. In Kommentaren im Netz wird dazu spöttisch angemerkt, nur jemand völlig uninformierter würde sich einen sogenannten Crapdragon-Laptop als Hauptrechner hinstellen. Hinter der Polemik steckt aber ein realer Punkt: Wer ein Gerät mit Windows kauft, darf erwarten, dass zentrale Tools aus Studium und Beruf ohne Klimmzüge funktionieren.

Zur eingeschränkten Software-Unterstützung kommen Probleme auf Treiber- und Oberflächebene. Der Student berichtet, dass er zunächst brav alle Pakete von der offiziellen ASUS-Seite installiert hat – und trotzdem mit Konflikten und merkwürdigem Verhalten zu kämpfen hatte. Beim Wechsel zwischen Fenstern flackert der Bildschirm teilweise in Weiß auf, das System braucht einige Sekunden, bis alles wieder normal aussieht. An anderen Tagen ruckelt die Oberfläche bereits auf dem Startbildschirm, als hätte der Laptop plötzlich nur noch einen Bruchteil seiner eigentlichen Leistung. Solche Fehler sind nicht nur nervig, sie untergraben das Kerngeschenk der Plattform: das Versprechen von flüssiger, stromsparender Nutzung.

Einen besonderen Beigeschmack hinterlässt die Update-Politik. Laut dem Nutzer gab es für sein Vivobook S15 mit Snapdragon X Plus seit Juni 2025 keine relevanten neuen Treiber oder Firmware-Versionen mehr. Für ein Gerät, das nicht einmal lange am Markt ist, wirkt das wie ein sehr kurzes Support-Fenster. In der Theorie hängt der Erfolg von Windows on ARM an einem fein abgestimmten Zusammenspiel aus Microsoft, Qualcomm und den OEMs. In der Praxis reicht es, wenn ein Hersteller das Interesse verliert, und die Nutzer bleiben mit unfertiger Software zurück. Der normale Käufer sieht lediglich Logos auf dem Deckel und im Startmenü und wird sich kaum im Detail fragen, ob nun ASUS, Qualcomm oder Microsoft die Verantwortung trägt.

Als Notlösung hat der Student schließlich Windows komplett neu aufgesetzt. Kurzfristig brachte das Besserung: Das System reagierte etwas schneller, einige Hänger traten seltener auf. Dennoch betont er, dass so ein radikaler Schritt nichts am Grundproblem ändert. Eine Plattform, die als kompatibel beworben wird, sollte beim Einsatz wichtiger Programme reproduzierbare, stabile Ergebnisse liefern. Wenn man regelmäßig formatieren, neu installieren und Treiberpakete ausprobieren muss, verliert der Laptop seinen Status als verlässliches Arbeitsgerät und rutscht in die Rolle eines teuren Experimentierkastens ab.

Der Fall des Vivobook S15 ist daher mehr als nur eine persönliche Leidensgeschichte. Er legt offen, wie fragil das Vertrauen in Windows-Laptops mit ARM-Prozessoren derzeit ist. Während Apple seine MacBooks mit M-Chips in kurzer Zeit von der Nische zum Standard für viele Kreative, Studierende und Profis gemacht hat, wirkt das Gegenstück in der Windows-Welt immer noch wie ein Projekt mit zu vielen offenen Baustellen. Für leichtgewichtige Aufgaben wie Surfen, Streaming und Office wirkt das Konzept schlüssig. Doch sobald professionelle Tools, Entwicklungsumgebungen, Datenbanken oder Spezialsoftware ins Spiel kommen, macht sich die strukturelle Unreife der Plattform bemerkbar.

Gleichzeitig bereitet Qualcomm bereits die zweite Generation vor: die Snapdragon-X2-Familie mit Varianten wie X2 Elite und X2 Elite Extreme, die mehr Leistung, bessere KI-Funktionen und insgesamt ein reiferes Auftreten versprechen. Doch reines Mehr an Performance wird das Vertrauensproblem nicht lösen. Entscheidend wird sein, ob Qualcomm seine Partner künftig stärker in die Pflicht nimmt, längere Update-Zyklen durchsetzt und zusammen mit Microsoft die größten Kompatibilitätslücken schließt. Entwicklern muss zudem der Umstieg auf ARM so einfach wie möglich gemacht werden, damit zentrale Anwendungen nicht erst Jahre später nachziehen.

Am Ende steht eine einfache, aber unangenehme Wahrheit: Solange Hersteller ARM-Notebooks unter Windows fast so bewerben, als wären sie eins zu eins mit klassischen x86-Geräten vergleichbar, werden Enttäuschungen wie im Fall des Vivobook S15 vorprogrammiert sein. Der Student wollte einen leisen, ausdauernden Rechner für sein Studium und bekam stattdessen ein Gerät, das ihn zum Troubleshooter wider Willen gemacht hat. Für die ARM-Offensive im PC-Segment ist das ein Warnsignal. Nur wenn Qualcomm, ASUS und Microsoft die Softwareseite mit derselben Konsequenz angehen wie Design und Akkulaufzeit, haben Snapdragon-X-Notebooks eine Chance, sich wirklich aus der Enthusiasten-Nische zu lösen.

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