
Radeon RX 9070 vs RTX 5050: Wenn der GPU-Preissturz endlich interessant wird
PC-Spieler mit mittlerem Budget hören seit Jahren denselben Rat: warte lieber noch ein bisschen, irgendwann normalisieren sich die Grafikkartenpreise wieder. Nach Mining-Boom, Pandemie und ewigen Lieferproblemen wirkt das wie ein Running Gag – aber bei einigen Modellen kommt jetzt tatsächlich Bewegung rein. Die Radeon RX 9070 ist auf ihren bisher niedrigsten Preis gefallen, während die GeForce RTX 5050, das Einstiegsmodell der Blackwell-Generation, in Richtung 200-US-Dollar-Marke rutscht. Auf dem Papier sehen beide Karten wie solide Kandidaten für flüssiges 1080p- und 1440p-Gaming aus. Schaut man aber genauer hin, ergibt sich ein deutlich unterschiedliches Bild bei Leistung, Speicher und tatsächlichem Gegenwert.
Die positivere Überraschung ist klar die Radeon RX 9070. Die ASRock-Challenger-Variante mit 16 GB VRAM ist in den letzten Wochen leise, aber konsequent im Preis gefallen und liegt inzwischen rund 40 US-Dollar unter ihrer ursprünglichen UVP, bei etwa 509 US-Dollar bei großen Händlern. Damit unterbietet sie viele Angebote der GeForce RTX 5070 und bleibt deutlich unter der RX 9070 XT, die sich weiter im Bereich von 600 bis 650 US-Dollar hält. Weil in Benchmarks und Marketing praktisch immer die XT-Version im Rampenlicht steht, fristete die normale RX 9070 bislang ein Schattendasein – und genau dieses fehlende Rampenlicht erzwingt jetzt die attraktiven Rabatte.
Technisch ist die Karte alles andere als zweite Wahl. Die RX 9070 basiert auf einem beschnittenen NAVI-48-Chip mit 3584 Stream-Prozessoren und kombiniert diesen mit 16 GB GDDR6 über ein 256-Bit-Interface. Übersetzt bedeutet das: sehr viel Luft nach oben für aktuelle und kommende Spiele in 1440p. Hohe oder sehr hohe Presets, scharfe Texturen und trotzdem stabil über 60 fps in den meisten AAA-Titeln sind realistisch. In leichteren Multiplayer-Spielen kratzt die Karte problemlos an dreistelligen Bildraten und harmoniert dadurch richtig gut mit 144- oder 165-Hz-Monitoren. Für viele Nutzer fühlt sich ein PC mit RX 9070 im Alltag eher nach Oberklasse als nach Mittelklasse an.
Das eigentliche Ass im Ärmel ist jedoch der Videospeicher. 12 GB sind heute noch ausreichend, aber erste Spiele zeigen schon, wie schnell diese Reserve auf hohen Einstellungen schrumpfen kann. Besitzer von 8-GB-Karten merken längst, dass sie immer öfter Texturen herunterstufen oder mit Mikrorucklern leben müssen. 16 GB VRAM in dieser Preisregion waren früher nur ausgesuchten Flaggschiff-Modellen vorbehalten. In Kombination mit einer Rasterleistung, die in vielen Szenarien auf Augenhöhe oder leicht vor vergleichbaren GeForce-Modellen liegt, sehen nicht wenige Enthusiasten die RX 9070 als inoffiziellen Nachfolger legendärer Arbeitstiere wie der GTX 1080 Ti – nur eben mit moderner Medien-Engine und besserer Effizienz.
Auf der anderen Seite steht die GeForce RTX 5050, das leistungsschwächste und günstigste Mitglied der Blackwell-GeForce-RTX-50-Familie. Zum Startpreis von rund 249 US-Dollar war die Begeisterung überschaubar. Es war zwar das billigste Ticket in die neue Nvidia-Generation mit DLSS, Frame Generation und AV1-Encoder, aber die reine Gaming-Performance wirkte eher wie ein Kompromiss. Erst als bestimmte Custom-Modelle wie die MSI Gaming RTX 5050 8G Shadow 2X auf etwa 209 US-Dollar fielen, wurde die Karte überhaupt als Option für extrem sparsame Käufer interessant.
Die RTX 5050 bringt 8 GB GDDR6 mit und bietet Zugriff auf das komplette DLSS-Ökosystem und die Video-Features von Blackwell. In vielen Benchmarks liegt sie leicht vor der Radeon RX 7600 und sie bietet denselben Speicherausbau wie eine RTX 5060 – kostet aber rund 90 US-Dollar weniger. Der Haken: Unter der Haube arbeitet ein kleinerer, langsamerer GB207-Chip mit abgespeckter Konfiguration. Das sorgt dafür, dass die RTX 5050 im Schnitt etwa 30 Prozent hinter der RTX 5060 zurückbleibt. Rein mathematisch wirkt der Deal fair: etwa ein Drittel weniger Geld für ungefähr ein Drittel weniger Leistung. Aber vom Gefühl her ist das weit weg von einem „Wow, das muss ich haben“-Moment.
Spannend wird es, sobald man den Gebrauchtmarkt einbezieht. In vielen Regionen sind Radeon RX 6700 XT inzwischen um die 200 US-Dollar zu haben, teils sogar darunter, und einzelne RX 6800 XT liegen nur wenig darüber. Im direkten Vergleich wirkt eine neue RTX 5050 mit 8 GB Speicher für etwas über 200 US-Dollar dann ziemlich schwach. Kein Wunder, dass in Foren und Kommentarspalten Sätze fallen wie „für den Preis ist die 5050 immer noch ein Haufen Schrott“ oder dass manche sie nur dann für sinnvoll halten, wenn der Straßenpreis eher bei 179 US-Dollar landet. Verglichen mit Karten, die einst die legendäre 1080 Ti vom Thron gestoßen haben, wirkt die kleine Blackwell-GPU einfach nicht besonders sexy.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Spieler, die aus Prinzip keine gebrauchte Hardware anfassen – sei es aus Angst vor Ex-Mining-Karten oder einfach, weil sie Garantie und Rechnung haben möchten. Für genau diesen Typ Käufer ist eine RTX 5050 zum Kurs um 209 US-Dollar nicht automatisch eine Katastrophe. Die Karte ist kompakt, vergleichsweise stromsparend und genügsam beim Netzteil, bleibt in vielen Designs relativ leise und spielt aktuelle Titel in 1080p mit vernünftigen Einstellungen problemlos. Der Punkt ist nur: Im Gegensatz zur RX 9070 fühlt es sich nicht nach einem Geheimtipp an, sondern eher nach einer akzeptablen Minimal-Lösung.
Ein weiterer Baustein in dieser Gleichung ist die Speicherfertigung. GDDR6 wird inzwischen in reifen Prozessen und teilweise auf kleineren Fertigungsnodes produziert, was die Kosten pro Gigabyte stabil hält. Dadurch explodieren die Preise für 16-GB-Karten wie die RX 9070 nicht, und Boardpartner können ohne sofortigen Margen-Kollaps 20, 30 oder 40 US-Dollar vom ursprünglichen Listenpreis wegnehmen. Zusammen mit einer deutlich abgeebbten Nachfrage nach dem Mining- und Pandemie-Hype ergibt sich so ein Marktumfeld, in dem echte Rabatte wieder möglich sind – und nicht nur symbolische „Sale“-Sticker.
Was bedeutet das alles nun für die Kaufentscheidung? Wer heute eine neue Karte sucht, die mehrere Jahre 1440p-Gaming mit hohen Details und genügend VRAM stemmen soll, findet in der Radeon RX 9070 um 509 US-Dollar eine ungewöhnlich starke Empfehlung. 16 GB Speicher, ordentliche Rohleistung und ein Preis unter vielen RTX-5070-Angeboten machen sie zu einem der wenigen wirklich spannenden Angebote der aktuellen Generation. Die RTX 5050 hingegen ergibt nur dann Sinn, wenn das Budget knallhart gedeckelt ist, man unbedingt bei Nvidia bleiben möchte und der Gebrauchtmarkt kategorisch ausgeschlossen ist. In allen anderen Fällen sprechen RX 6700 XT oder RX 6800 XT als Gebrauchtkauf eine sehr deutliche Sprache: mehr Frames, mehr Reserven, oft für ähnlich viel Geld. Immerhin zeigt der aktuelle Preistrend, dass der GPU-Markt wieder näher an die Realität rückt – und das allein ist für viele schon Grund genug, den nächsten Upgrade-Plan endlich ernsthaft zu machen.